ICH KOSTE... Lebkuchenherzen

Kann man die überhaupt essen? Sebastian Dickhaut hat auf dem Oktoberfest versucht, es herauszufinden. Mit wachsendem Misserfolg. Schmecken Sie selbst.

ICH KOSTE... Lebkuchenherzen
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Kommentare
Sebastian Dickhaut

“Schwein”, steht da. Drumherum ein dunkelgrauer Zuckerguss, als wäre Asche drin. Pottasche ist es sicher nicht, denn die gehört traditionell in den Teig eines Lebkuchenherzens, und die auf dem Oktoberfest werden bestimmt alle, alle aus einer Teigmischung gemacht, die es zentnersackweise beim Großhändler zu kaufen gibt. Ob es vielleicht sogar eine zentrale Großbäckerei gibt, die alle Lebkuchenherzenstände der Wiesn beliefert? Ich meine, egal könnte es seinem sein, weil essen tut die ja eh keiner. Oder?


Ich soll das jetzt aber. Beruflich. Und bin an einem Stand hängen geblieben, an dem es Beschimpfungsherzen gibt. Also nicht solche, die zumindest in Bayern noch als zünftige Neckerei durchgehen, etwa mit “Grantscherm” drauf (Meckerliese) oder “Bierdimpfl” (Suffkopp, bieriger), sondern bös und klar “Hau ab!” zischen oder eben “Schwein”.

 

Wer trägt denn so was?

 

Nicht dass es keine Leute gäbe, die das nicht verdient hätten, zumal auf dem Oktoberfest, um das ich nach Einbrechen der Dunkelheit inzwischen einen großen Bogen mache - denn da müssten sie sich diese Herzen eigentlich im Stakkato umhängen, zumindest was man da so sieht und in den nächsten Tagen in den Polizeiberichten lesen kann.


Tun sie aber bestimmt nicht, und ich frag mich das ja auch - warum sollte man jemandem noch was schenken, dem man so was sagen muss? Vielleicht als Warnung an die anderen? Aber was, wenn er’s aufisst? Aber das macht ja eh keiner, oder?

 

Geheimabsprachen unter den Süßwarenhändlern?

 

Ich soll das jetzt aber. Ist Euch übrigens schon mal aufgefallen, dass es auf gescheiten Volksfesten und Kirtagen nie Schaumwaffeln und gebrannte Mandeln an einem Stand gibt? Also immer nur hier die Auslagen mit Waffeltüten, dort den Mandelduft und das Magenbrot? Habe ich als Kind schon überlegt, warum das so ist, eine bundesweite Geheimabsprache der Süßwarenfahrgeschäfte vielleicht?


Heut denke ich eher historisch-pragmatisch, es sind einfach verschiedene Zünfte oder es gibt irgendein uraltes Gesetz, dass die Vermischung verbietet. Vielleicht ist es auch was Hygienisches, dort das warme Rösten, hier der empfindliche Eischnee? Wobei der in natura hier wahrscheinlich so oft vorkommt wie Pottasche in einem Lebkuchenherz. Man sollte das mal recherchieren, ich bin ja schließlich Foodjournalist. Aber ich soll ja Lebkuchenherzen kosten.


DAS geht übrigens an einem einzigen Stand: Schaumwaffeln und Lebkuchenherzen. Bestimmt, weil in einem gescheit stabilen Zuckerguß auch Eischnee sein sollte oder halt das, was man hier dafür hernimmt. Ob der noch von Hand aufs Herz kommt? Ich glaube schon und stelle mir erst einmal eine große Fließbandhalle vor, in der die einen die Bordüren spritzen, die anderen das Zierwerk und dritte schließlich “Ich liebe Dich” oder “Bester Papa”.

 

Aber vielleicht sitzen ja auch die ganzen Wiesn-Schaustellerfamilien von der Wilden Maus bis zum Teufelsrad jeden Tag nach dem Abendbrot um den abgeräumten Esstisch im Wohnwagen und bemalen Herzen, ein altes Volksfestritual, und die Tanten und Onkel draußen im Land tun das auch, das ganze Jahr über, weil die Dinger halten ja ewig und die will ja jeder, nur essen tut’s keiner, oder?

 

Aufhängen oder zubeißen?

 

Ich soll jetzt aber schon. Und überleg, was ich besser finde - eine Frau, die mit scheuem Lächeln mein “Gmahte Wiesn”-Herz entgegennimmt und es sich erst keusch um den Hals hängt und daheim dann an den Schminkspiegel, wo es langsam vertrocknet. Oder ein, die mein “Pfundsweib” mit einem krachenden Lachen begrüßt und dann das Zellophan mit “Des kimmt grad recht” aufreißt und herzhaft zubeißt?

 

Vielleicht auch das Zwischending, dass man im Laufe des Abends in einer kuriosen Situation landet, beide Hunger bekommen und dann steigt einem dieser Zuckergusslebkuchenduft in die Nase, den diese Dinger erstaunlicherweise immer noch besitzen… Erinnerungen fürs Leben. Einmal habe ich einer Frau so ein Herz über die Ozeane geschickt und als ich später nachgekommen bin, hatte sie es in den Tiefkühler gelegt, weil draußen Tropenhitze. Auch was fürs Leben.


Also gut, dann koste ich das jetzt mal. Aber vielleicht erzählt Ihr erst einmal - esst Ihr die Herzen? Oder hebt Ihr sie auf? Wer von Euch am längsten? Oder kommt’s drauf an, was draufsteht bzw. -stand? Gibt’s da vielleicht eine schöne - oder auch nicht so schöne - Geschichte dazu? Das tät mich jetzt wirklich interessieren. Und dann koste ich auch, versprochen.

 

ICH KOSTE... Lebkuchenherzen
ICH KOSTE... Lebkuchenherzen
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Aphrodite
Ja, wie?!

Denke ich mir also: Wo kommen sie denn her die vielen Herzen? Und was finde ich auf www.oktoberfest.de? Die Reißleine! Selberbacken heißt da die Empfehlung. Nun frag' ich mich warum. Weil Sebastian Dickhaut sich nicht traut? Muss ich mir jetzt ein Oktoberfest-Herz selber backen und mitbringen? Und an den Ständen das sind nur Attrappen? Ach, ich verstehe.

Aphrodite
Hana hatte einen schlechten Tag?

Hana arbeitet bei Zuckersucht. Sie produziert die vielen Herzen. Wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen auch? Alles Handarbeit. Vielleicht ist denen irgendwas zu Kopf gestiegen bei so vielen Herzen.

Sebastian Dickhaut
Good Job!

Klasse, Aphrodite, genau das hat mir gefehlt. Hab ich's mir doch gedacht! Ob da auch die bösen Herzen herkommen?

Bettina Müller
Lebkuchenherzen

Toll Aphrodite, danke für den Link. ich bin ja tatsächlich etwas überrascht, dass die Herzen tatsächlich per Hand beschriftet werden. 

 

Auch ich durfte mich bereits über solch ein Herz in Extragroß freuen, allerdings schon vor 2 Jahren und mit keinem bayerischen Spruch (vielleicht von der Konkurrenz?). Das hängt jetzt bei uns zu Hause in Küche an der Wand. Ich muss unbedingt mal Abmessen und Wiegen, ob es mit dem von Herrn Dostler mithalten kann. ;-)

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