ICH KOSTE… Limonade

Heute kann man als Erwachsener abends Limo im Stehen aus der Flasche trinken und gut aussehen. Wie gut das und anderes schmeckt, wird in dieser neuen Kolumne verraten.

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Sebastian Dickhaut

Kurz hatte ich mal darüber nachgedacht, mir eine T-Shirt drucken zu lassen mit dem prägnanten Merksatz „Ich habe schon Bionade getrunken, als sie noch einsam in Getränkemärkten in Rhön und Vogelsberg herumstand statt in Hamburger In-Lokalen oder im DB-Speisewagen.” Dazu fett das Markenzeichen der Londoner U-Bahn, das ja The Who erst richtig populär auf T-Shirts gemacht hatten und das eben auch auf den Kronkorken der Bionade prangt.

 

„Sehr schick”, dachte ich mir also, als ich 2001 die Longneckflaschen im Mod-Look an einer Getränkemarktkasse im hessischen Lauterbach entdeckte; und „sehr gut”, als ich die Holunderlimo probierte. Dann verschlug es mich bis heute nach Oberbayern und ich vergaß das alles wieder, bis die Bionade ihre Geschichte machte. Eine Zeitlang freute ich mich darüber, dass man mit ihr erwachsen sein konnte und trotzdem kein Flaschenbier trinken musste, ohne gleich blöd angeschaut zu werden. Aber irgendwann war’s dann auch wieder gut und als die Sache mit dem „Getränk für eine bessere Welt” kam, war’s eigentlich mehr als gut – inzwischen trinke ich Bionade wie Cola, wenn halt grad nix anderes da ist.

 

Cola trinke ich übrigens wieder öfters, seit es die Zero gibt. Mit mir haben die Marktstrategen da einen richtigen Zielgruppenvolltreffer gelandet, zumindest was das Geschlecht angeht. (Dass die Zero vor allem für junge Männer gemacht wurde, vergesse ich schnell wieder, kommt ja schon mal vor im höheren Alter.) Inzwischen ist es sogar so, dass ich bei Müd-Durst die richtige Coke trinke, weil eine Aversion gegen fast alles aus Milch mich zugleich immun gegen Kalorien gemacht hat.

 

Andere Colas habe ich auch wieder probiert, von der Hamburger Fritz bis zur Salzburger Red Bull, aber ganz offenbar hat mein jugendlicher Konsum der Ur-Cola in Massen mich für alle Zeiten dem US-Großkapital ausgeliefert – mit den Koffeinrevoluzzern kann ich nicht richtig viel anfangen , auch wenn die Bullencola wieder schwer einen auf illegal macht.

 

Während ich das schreibe, schauen mir übrigens vier leere Fläschchen Crodino zu. Dieser und andere italienische Süßbitter haben mich nach ersten Anbandelungen im Stammcafe – dort serviert ihn die Wirtin wie vom Hersteller empfohlen auf Eis im Whisky-Tumbler mit einer Scheibe Orange – im letzten Sommerurlaub ziemlich erwischt. So wie ich am Vormittag freudig auf den 11-Uhr-Espresso in der Campingplatzbar zulebte, so freute ich mich am späten Nachmittag, wenn ich sonnendurchwärmt in der Tür meines Wohnwagens hocken und mit einem Aperitivo Analcolico direkt aus der Flasche den Abend eingurgeln konnte.

 

Ich fürchte ohnehin, dass ich zu den Klassikern neige: Die Biobierbrauerei Lammsbräu hat jetzt unter „Now” ein Limolinie hochgezogen, die mir bei dem nostalgischsten Produkt am besten schmeckt – bei der Himbeerbrause. Die heißt hier zwar Red Berry, aber es gibt ja auch ein White Bitter, und das schmeckt eigentlich nur süß. „Black Cola” haben sie auch sowie natürlich eine Kräuterlimo („Green Herbs”), die aber nicht das hat, was die Ur-Kräuterbrause Almdudler hat, wobei ich lieber gar nicht wissen will, was das genau ist.

 

Das zu ignorieren, wird in Zukunft allerdings schwer werden – offenbar beeindruckt von der  Schweizer Rivella-Offensive in Deutschland (hier mag ich die Süßstoffversion komischerweise viel lieber als die gezuckerte) will jetzt auch Almdudler den Markt hier mal so richtig bionadig aufrollen. Worauf ich aber noch mehr warte: ein Ginger Ale, dass durch Schärfe und Schaumigkeit seinen Namen verdient und nicht nur in ganze speziellen Läden zu haben ist. Wäre mir auch zehnmal lieber als der elfte Eisteeversuch, der  wieder nichts taugt

 

Und welche Limos habt ihr so in letzter zeit entdeckt und geschmeckt?

 

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sybarit
Selbst ist der Limofreak

Weil ich kein Freund des Kistenschleppens bin, der Cola und Konsorten aber völlig verfallen, bin ich irgendwann zum Soda-Clubmitglied geworden. Die Sirupsorten sind allesamt lecker und vor allem leicht zu dosieren. Ich nehme nur die Hälfte der empfohlenen Menge. So sind die Limos nicht zu süß.

Bei einer kleinen Abspeckwoche beschloss ich, ganz auf die süßen Verführer zu verzichten und nur noch gesprudeltes Wasser zun trinken. Aber das war mir dann doch zuviel der Kasteiung und ich begann, mir eine eigene Lino zu kreieren. Mein derzeitiger Favorit ist 1 Liter Sprudel mit dem Saft einer Zitrone oder Limette und ein paar Minzblättern, leicht gesüßt mit zwei Spritzern Süßstoff.

Sollte es aber wirklich mal jemand schaffen, kalorienreduziertes Ginger Ale auf den Markt zu bringen, werde ich bestimmt meiner Limo wieder untreu.

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