ICH KOSTE... Maroni

Was haben Biergärten und Weihnachtsmärkte gemeinsam? Die Kastanie, genau. Eine kleine Weihnachtsgeschichte darüber sowie vom Kühlen, Rösten und Schälen. Viel Freud damit!

ICH KOSTE... Maroni
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Sebastian Dickhaut

Hier im Süden hat die Kastanie ja einen Ehrenplatz. Im Sommer breitet sie ihre grünen Blätterhände überm Biergarten aus, um das Darunter vor der Sonne zu schützen. Heute sind das meist fröhliche Zecher an Bänken auf Kies, die sich die Kehle mit Gebrautem kühlen. Einst hatte man hier aber nur die Kiesel gehäuft und den Kastanienbaum gepflanzt, um den Bierkeller darunter kalt zu halten; dass sich darüber Menschen zum Trinken einfanden und ihre Brotzeit mitbrachten und damit die Kastanie praktisch zum Wahrzeichen des bayerischen Sommergenießens machten - das kam erst später auf.

 

Zum Dank errichtete man der Kastanie im Winter an herausragenden Plätzen des Freistaats allerorten kleine Schutzbuden mit eisernen Öfen darin, in denen sie ihre kleinen Babys unter Obhut grantfreundlicher Originale des Verköstigungswesens warmhalten durften. Doch wären wir nicht in Bayern, wenn diese Originale nicht bald ein schwungvolles Geschäft mit dem Genuss aus diesen exponierten Verschlägen heraus geschaffen hätten, natürlich unter ohrschlitziger Umgehung jeder Traditionsverletzung.

 

Und so ist es mit den Maroniröstereien wie mit den Biergärten - vordergründig dienen sie der Völlerei, im Hintergrund aber weiterhin der Arterhaltung (was für manche in Bayern ein und das selbe sein kann). Während sich also für die Christkindlmarktbesucher unsichtbar im unteren Bereich der Maronibuden die einheimischen Kastanien unterm Ofen kuscheln, um gestärkt im Frühjahr neue Kastanienbäumen nachwachsen zu lassen, wird oben essbare Südware im Eisen geröstet, dass es nur so duftet - schließlich isst der Bayer ja beim Italiener fast genauso gerne wie bei sich selbst.

 

Und wie kriege ich die Marone daheim gebacken?

 

Und so treffe ich am Wochenende im Schneetreiben die Tochter der Nachbarin an der Ampel, die fest ein kleines Tütchen in den Händchen hält und sich fein daran wärmt. "Maroni", grinst sie gradheraus, als ich sie nach dem Inhalt frage, nicht "Madeleines" oder gar "Marshmallows".  "Wohl, wohl", sage ich darauf hin, woraufhin sich die Mutter, ein wackere Schneiderin, selbst eine Frage zu stellen traut: "Wie krieg ich die denn gebacken und geschält, wenn ich sie zu Hause machen mag, fürs Kind zum Naschen oder auch für die Gans zum Füllen?"

 

Nun ja, sage ich, da gibt es zum einen die klassische Art, wie hier vom kochenden Bodo beschrieben, also einritzen und aufbacken, dann schälen und abziehen. Hier auch nach kindgerechtem Rezept für die Weihnachtsmarktstimmung daheim. Geht es einem eher um Gänseergänzung oder feines Mus statt Röstaromen, kann etwas Dampf im Ofen vor allem das Häuten leichter machen - etwa durch eine eingestellte Schale oder ein eingeschobenes Blech mit Wasser. Vom Kochen rate ich eher ab.

 

Aber, und hier senke ich die Stimme etwas, damit das Töchterlein nicht den Glauben an den Maroniröster verliert, aber meine Mutter habe auf die Mikrowelle geschworen: die Esskastanien mit der Rouladennadel mehrfach angepikst und dann "eine Minute volle Lotte", also 60 Sekunden auf höchster Stufe. Habe ich noch nie ausprobiert, weil ich noch nie was mit der Mikrowelle ausprobiert habe.

 

Wer weiß was über Maronireis?

 

Doch dafür habe ich schon gegarte und geschälte Kastanien aus dem Tiefkühler mitgenommen und das auch nicht soooo schlecht gefunden. Die nehme ich dann zum Beispiel, um Maronireis zu machen, der ein bisschen wie Spaghettieis funktioniert - weniger, weil in ihm kein Reis wie dort kein Spaghetti drin ist, sondern weil bei beidem die Hauptsache mit der Spätzlepresse über die Sahne gedrückt wird; beim Maronireis sind das vanillierte und pürierte Maronen. Ein Rezept aus Österreich, dem bei den Küchengöttern dieses am nächsten kommt, auch wenn der Name alles andere als österreichisch ist. Ja mei, was kümmert's uns, mir san ja hier.

 

Aber vielleicht hat ja hier jemand ein brauchbares eigenes Hausrezept für Maronireis zur Hand? Oder ganz andere Ideen, was man mit Maronen machen oder über sie erzählen kann - ob hübsche Märchen oder Tipps zum Schälen, die wir noch nicht kennen? Wohlan, sagt an! 

 

 

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auchwas
Vermicelli

eine köstliche Spezialtät aus der Schweiz. Jedenfalls habe ich das bisher noch nie wo anders gesehen. Ich meine nicht die ital. Pasta, nein, das köstliche Kastanienpüree, das aussieht wie die Pasta und durch eine Presse gedrückt wird und mit  Sahne noch die Haube aufgesetzt bekommt, dann vielleicht noch etwas Kirschwasser und man ist dem köstlichen Maronihimmel ein Stück näher. Doch Reis ist das leider nicht?! Das Gute ist,  dieses Maronipüree gibt es fertig zu kaufen ohne heiße Finger und so, auch in Bio-Qualität, aber leider wohne ich nicht in der Schweiz.

Meine Versuche mit unseren heimischen Esskastanien, sind dann auch in verschieden Desserts köstlich angekommen, wie ein  hier im Eis.

Eine Versuch mit Maronireis, ist eine Versuchung, muss ich mal sehen, denn ich habe noch Esskastanien im TK, ja die gibt es so Ende Oktober/Anfang November bei mir um die Ecke und die sollten gleich verarbeitet werden, denn sie sind kleiner als die Maroni,  die eben überall angeboten werden. Ja kleiner und trocknen schnell aus und die Methode zum Schälen, einritzen und Backblech, auch wenn schon a bissi trocken, dann auf dem Dampfsieb, da habe ich gute Erfahrungen mit gemacht.

Alles in allem sind Esskastanien/Maroni eine leckere winterliche Köstlichkeit, z.B. auch auf den Weihnachtsmärkten, wunderbar zum Genießen.

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