ICH KOSTE... Osterzopf

Einmal, zweimal oder zehnmal flechten? Selbermachen oder kaufen? Mit Eiern drin oder drauf? Verwirrende Fragen, verschlungene Lösungswege, die alle nach Rom führen.

ICH KOSTE... Osterzopf
0
Kommentare
Sebastian Dickhaut

Eigentlich wollte ich den Hefezopf hierfür selbst backen. Aber schon die Gespräche darüber waren sehr kompliziert. Wird er aus drei, zwei, einem gar oder aus zehn Strängen am Ende geflochten. Wie Haar, wie Hanf, wie sonst was? Rund, länglich, hügelig, gefüllt? Und dann wäre da noch das Backen selbst, das ich nicht gerne mache. Ja klar, das hier ist mein Job, also mach mal. Aber hey, ich bin Koch und Schreiber. Und die wenigsten Köchen können backen. Und die wenigsten Schreiber wollen über das Schreiben, was sie nicht können. Und außerdem steht da oben: ICH KOSTE.

 

Alsdann, auf zum Bäcker am Eck, ist ja gleich Ostern. Und da hat Hefegebäck Tradition. Weil Hefen für uns ihr Leben lassen, um uns beim Osterfrühstück ein neues zu geben? Unsinn, sagt die Wissenschaft, es hat mehr mit dem jüdischen Pessachfest zu tun, bei dem nur ungesäuertes Brot gegessen werden durfte, weswegen Sauerteig tabu und Hefe willkommen war.

 

Weiß die Bäckereifachverkäuferin Rat?

 

Es ist wohl wie mit der Henne und dem Ei, das ja als Osterei sogar heidnischen Ursprung haben soll und.. aber Eier hatten wir hier schon. Mein Bäcker hat jedenfalls beides, Eier (bunt) und Hennen (aus Rührteig, mit Dragee-Eiern als Augen). Einen Hefezopf haben sie aber auch. Ob der jetzt mit drei, zwei einem gar oder...? Die Bäckereifachverkäuferin schaut mich verwirrt an, dann die Schlange hinter mir (aus Menschen, nicht aus Hefeteig) und ich nehme erst Mal einen Kaffee.

 

Als der Laden leerer wird, kommen wir dann doch noch mal ins Gespräch, es geht um die Flechtfrisur ihrer Tochter und die der Nichte ihrer Kollegin, die jetzt auch grad ein bisschen Zeit hat, bis wir dann wieder beim Gebäck sind, dort allerdings beim Brezenschlingen, was aber in der Zentrale gemacht wird, weil hier backen sie nur auf oder legen in die Vitrine, wie auch diesen Hefezopf. Ob sie vielleicht mal in der Zentrale anrufen könnten und fragen...? "Haha, die werden mir was erzählen jetzt am Morgen, aber ich kann heute Abend mal fragen, wenn wir die Bestellung machen."

 

Was sagt die Baristina? 

 

Ich danke und gehe und frag mich, ob das nun ein Zeichen von Nachhaltigkeit und Innehalten ist, dass man beim Bäcker frühestens am Abend erfahren kann, wie er seinen Hefezopf macht. Verwirrende neue Welt. So sehr, dass ich dann an der Espressobar erst mal einen Tee bestelle und von der Barisitina dazu ein Scheibchen Gebäck bekomme. Hefezopf? "Panettone!" ruft die Mailänderin. Selbstgebacken?

 

"Haha!" lacht sie, kein Italiener bäckt so was selbst, so wie auch keiner eine Espressomaschine zu Hause stehen hat. Guten Kaffee kauft man sich an der Bar und Panettone lässt man sich schenken. Ihren kriegt sie immer von der Mamma. Und die..? "Hat ihn aus der Metro." Dolce Italia! Frohe Ostern.

 

P.S.: Was ich mich auch noch Frage: Wie kommen eigentlich die ganzen Eier auf so einen Osterzopf? Werden die mitgebacken? Roh? Gekocht? In Farbe? Ausgeblasen? Oder gibt es da spezielle Marmormitbackeier vom Fachversand? Und was gibt's bei Euch zum Osterfrühstück?

Anzeige
Anzeige
Hier könnte dein Kommentar stehen ...
Noch nicht eingeloggt?

Hier könnte dein Kommentar stehen :-)

Login