ICH KOSTE... Pfirsich

Wenn er richtig gut ist, übertrifft der wahre Apfel der Verführung jede andere Frucht an Sinnlichkeit. Oder kurz gesagt: So ein Pfirsich ist eine herrliche Sauerei.

ICH KOSTE... Pfirsich
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Kommentare
Sebastian Dickhaut

Als Asien und Amerika vor einigen hundert Jahren die betuliche Obst- und Gemüsewelt Europas mit ihren Produkten ordentlich aufmischten, war vieles erst mal Apfel. Denn den kannte man hier, anders als Tomaten, Kartoffeln oder Orangen, die dann erst mal Goldapfel, Erdapfel oder Apfelsine genannt wurden. Letztere hieß mit vollem lateinischen Namen „malum sinensis”, chinesischer Apfel. Und China ist auch der Ursprung einer anderen runde Frucht, die damals über Persien zu uns gelangte, weswegen man sie dann „persischer Apfel” nannte – „chinesischer” war ja schon vergeben. Und daraus wurde dann der Pfirsich.

 

Persien und Pfirsich, das passt aber auch gut zusammen. Pracht und Üppigkeit, Sinnlichkeit und Mysterium – alles, was das schillernde Reich im Orient auf seinem Höhepunkt besaß, kann einem auch so ein richtig sonnenreifer Pfirsich in seinem besten Moment liefern, den er jetzt gerade erreicht. Ich würde mich nicht wundern, wenn dieser saftige Perser der Apfel der Verführung im Paradies war, denn, um jetzt endlich mal von der Theorie in die Praxis zu wechseln: Keine Frucht hat mehr Sex als der Pfirsich.

 

Eine herrliche Sauerei

 

Keine Sorge, hier wird jetzt nicht männermagazinmäßig herumgebrunftet, aber ich frage nur mal: Der Flaum auf seiner Haut? Der Saft in seinem Fleisch? Der Tod in seinem Stein (der nämlich mit Bittermandelöl gefüllt ist)? Das hat schon was. Alle anderen Assoziationen überlasse ich Euch, beißt einfach mal rein in den Pfirsich oder schneidet ihn auf, was nach Meinung von Fachleuten ohnehin nackt in der Badewanne geschehen sollte, denn Pfirsichsaftflecken gehen verdammt schwer raus aus der Wäsche. Oder um es kurz und klar zu sagen: Sich einen guten Pfirsich einzuverleiben ist einfach eine herrliche Sauerei.

 

Umso trauriger ist es, dass wir dazu so selten Gelegenheit haben. Denn damit das im warmen Süden am besten reifende Sensibelchen heil zu uns kommt, wird es oft vor der Reife geerntet. Der Pfirsich gehört zwar zu den nachreifenden Früchten, aber wie wir von den ebenso veranlagten Tomaten wissen, gewinnt er auf seiner Reise nicht mehr viel Geschmack hinzu. Ok, da ist noch die robustere Kusine Nektarine, auch schön saftig und dazu erfrischend sauer, aber nicht nur wegen ihrer Latexhaut gehört sie eine ganz andere Geschichte.

 

Weiß oder gelb, rund oder flach?

 

Schauen wir lieber noch mal auf die Kernfamilie des Pfirsichs. Neben dem gelben Klassiker gibt es auch noch die weißfleischigen Sorten, die noch ein bisschen feiner schmecken können, süßer, milder. Dann ist da der Weinbergpfirsich, der gerne in tiefem Rot und mit sehr vollem Aroma daherkommt – sein Baum wird in Süddeutschland und jenseits davon gerne zwischen die Reben gesetzt, damit Blüten und Bienen den Weinbau befruchten. (Details möchte ich Euch ersparen, siehe oben.)

 

In den Auslagen der Obsthändler sieht man jetzt auch oft diese kleinen, flachen Pfirsiche, die ein wenig urwüchsig aussehen (was ja inzwischen wieder für Qualität steht) und deswegen auch oft und gerne Weinbergpfirsiche genannt werden. Tatsächlich sind dies aber Teller- oder Plattpfirsiche – klingt nicht so romantisch, schmeckt aber trotzdem.

 

Dosenpfirsiche? Über so was redet man hier nicht, ebenso wenig wie über gewisse Seiten im Internet. Lieber schenke ich Euch einen Link zum echten Pfirsich Melba, so wie ihn einst der erste Starkoch der Welt für die australische Opernsängerin Nelly Melba erfunden hat – mit in Sirup pochierten Früchten und selbstgemachtem Himbeerpüree (geht jetzt auch mit frischen). Das kann man dann auch erst mal angezogen genießen.

 

Und wie ist es bei Euch – liebt Ihr Pfirsich eher weiß oder gelb? Macht Euch sein Haut vielleicht ein Gänsehaut und mögt Ihr sowieso viel lieber Nektarinen? Dann erzählt mal.

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nika
Platt-Pfirsich
ICH KOSTE... Pfirsich  

ist mir der Liebste, denn er hat so einen kleinen Kern und die Haarige Pelle ist leicht abzuziehen. In vielen Auslagen der hiesigen Marktbeschicker wird er auch der spanische Pfirsich genannt.

nika
P.S.:

Der Bericht hat mir beim Lesen sehr viel Freude und ein leichtes Grinsen beschert.

 

Danke dafür, Eure nika

Aphrodite
Zum Greifen nah.
ICH KOSTE... Pfirsich  

Jetzt bin ich doch zufällig in der Nähe von Baden-Baden, sitze auf der Terrasse und habe mir heute morgen erklären lassen, wie Pfirsiche (grün) aussehen. Ich hätte ja zunächst auf Walnüsse getippt. Also werden es wohl Weinberg-Pfirsiche sein. Müssen aber noch etwas am Strauch bleiben. Warte ich also mal ab.

Rinquinquin
oh - oh

Grüne Walnüsse sehen wirklich total anders aus als Weinbergpfirsiche, sie sind kleiner und glatt. Diese Pfirsiche schmecken toll, wenn sie noch nicht zu reif sind, überreif sind sie dann gleich mehlig, es ist nicht einfach, den genau richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Sie gehen wunderbar vom Stein ab. Aber tiefrot? Diese Sorte ist mir hier noch nicht über den Weg gelaufen. 

 

Weisse Pfirsiche mag ich am liebsten und die haarige Haut stört mich nicht.

Und die flachen sind die Paraguayos , auch als Eis eine Wonne. 

tattva
Alte Liebe :)

Ich liebe Pfirsiche, aber ich finde es ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden wenigstens einigermaßen Aromatische zu bekommen. Vielleicht ist es aber nur die gern verfälschende Erinnerung, dass die früher besser geschmeckt haben ;-)

Aber umso mehr freu ich mich auf den baldigen Mittelmeer-Urlaub, wenn ich wieder einen Pfirsich in der Hand halte, der mich schon mit seinem Duft umhaut und dann kann die Sauerei losgehen :)

Sebastian Dickhaut
Rote Walnüsse ;-)

Merci für das Pfirsichbild, Aphrodite, die sehen vielversprechend aus. So ganz weit weg ist Deine Assoziation mit den Walnüssen auch nicht - bei den mit Pfirsich & Co. verwandeten Mandeln etwa enstpricht das Grün drumherum dem Fruchtfleisch beim Steinobst, und sie sehen komplett auch ein bisschen aus wie Obst. Hier gab es mal eine ähnliche Frage:

 

Ich kenne wie Wikipedia vor allem den Roten Weinbergpfirsich aus dem Burgenland, Rinquinquinaber vielleicht ist es anderswo anders?

kaltmamsell
Nicht im Weinberg

Ich weiß nicht, wie es zur Bezeichnung "Weinbergpfirsich" für die Flachpfirsiche gekommen ist, ganz sicher aber kommen diese Früchte nicht von Bäumen im Weinberg. Wer schon mal Pfirsiche in einem Weinberg gesehen hat, weiß, dass diese klein und rund sind. Ein Flachpfirsich, den ich schon als Kind als "Paraguaya" in Spanien kennengelernt habe, hat damit nichts zu tun.

Sebastian Dickhaut
Folklore?

Es passt wohl einfach zusammen, Frau kaltmamsell, das urig-authentische Äußere der Plattpfirsiche und der romantischmachend-biblische Name Weinbergpfirsich. Und als alter Naiver gehe ich einfach mal davon aus, dass die Obsthändler diese nach alten Sorten ausschauende Frucht mit dem alten Namen assoziiert und aufs Schild geschrieben haben. Und wenn es dann noch den Verkauf fördert...

 

Im Grunde habe ich sogar Sympathie dafür, wenn der Volksmund der Wissenschaft das Wort verdreht, bis es nicht mehr zu ändern ist. Lässt sich im Kulinarischen sehr schön auch bei Garnelen oder Nüssen beobachten (die Erdnuss soll gar eine Hülsenfrucht sein!). Auch „das macht Sinn”, habe ich inzwischen akzeptiert, weil es jeder sagt und dann wohl zu passen scheint.? Oder wie der Chinese sagt: Manchmal muss man was Falsch sagen, damit es richtig ankommt.

 

Sollte man vielleicht mal ein Buch drüber schreiben.

 

 

 

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