ICH KOSTE... Pfletschgen?

Pflaume oder Zwetschge? Vielleicht gar Zwaume? Pfletschge? Oder am Ende doch lieber einen Apfel? Sebastian Dickhaut sucht seinen Weg zum Obstgenuss im Spätsommer.

ICH KOSTE... Pfletschgen?
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Sebastian Dickhaut

Wer glaubt, dass Pflaumen und Zwetschgen das gleiche sind, wendet sich jetzt bitte mal seinem nächstbesten Mitmenschen zu. Das kann die Kollegin gegenüber am Computer sein oder der Herr, der gerade auf dem Bürgersteig an einem vorbeihetzt. Und jetzt bitte mal ganz laut: "Du Pflaume!" Na, lacht der Jemand? Wohl kaum. Hätten wir aber "Du Zwetschge!" gerufen, schon eher. Wobei das auch eine geografische bis kulturelle Sache ist. Wobei: Im Süden Deutschlands kann man zwar mit dem Begriff der Zwetschge eher was anfangen, was aber zumindest im Bayrischen gerade den Grant des Gegenübers steigern könnte, wenn es von einem Preußen wie mir als Zwetschge angepflaumt wird. Wobei der Gegengrant dann trotzdem kein Zurechtzwetschgen wäre, sondern eher Watschi als Datschi.

 

Jetzt wäre es natürlich noch interessant zu erfahren, was passiert, wenn man eine Hamburger oder Berliner Konditoreifachverkäuferin wahlweise als Pflaume oder Zwetschge anspricht, auch weil Schnack und Schnauze nochmal was anderes als der Grant sind; aber hier bitte ich einfach unsere mitlesenden Korrespondenten das vor Ort selbst auszuprobieren und uns dann in den Kommentaren unten zu berichten - wir sind ja kein botanisch-geografisches Semantikinstitut hier, gell?

 

Die Zwetschge ist keine Pflaume. Nicht.

 

Denn dann müssten wir auch gleich unsere Veröffentlichung widerrufen, dass Zwetschgen und Pflaumen zwei Paar Früchte sind. Der Botaniker nämlich ruft die Pflaume in zärtlichstem Latein "Prunus domestica" und die Zwetschge noch zärtlicher "Prunus domestica subspecies domestica". Was auf Deutsch heißt, dass die Zwetschge eine Unterart der Pflaume und damit auch eine ist. Aber auf gut Deutsch ist das bloße Theorie. Denn dass der Berliner zum Zwetschgendatschi lieber Pflaumenkuchen sagt, ist keine Besserwisserei, im Gegenteil - er weiß es halt auch nicht besser, aber eins ist mal sicher: Auf den Kuchen gehören die säuerlichen langen Violetten und nicht die süßeren und runderen Roten. Im ganzen Land.

 

Deswegen ist das auch alles powidl, wie man im k.u.k.-Sprachraum sagt, wenn etwas so egal ist wie die Frage, ob die Zwetschk(!)e (so sagt man in Österreich) nun zwei oder drei Stunden zu dem Mus kocht, der dort Powidl heißt. Drum ist mir jetzt auch powidl, ob alle Zwetschgenrezepte in unserem Special nicht keine Pflaumenrezepte sind und umgekehrt und was überhaupt mit den Mirabellen ist und ob man dann nicht auch von Renekloden sprechen muss, oder nicht vielleicht sogar eher von Reneclauden?

 

Ich mag auf jeden Fall lieber...

 

Denn was ich eigentlich sagen will, um mal zum Thema zurück(?)zukommen: Ich mag Zwetschgen lieber als Pflaumen. Und das nicht nur, weil man mit ihnen freundlicher beschimpfen kann, sondern weil ich mit denen groß geworden bin. Die runden Süßen gab's weder bei uns im Quetschehesseland noch in Niederzwetschkenösterreich. Ich habe eigentlich lange gedacht, die sind alle Susinen, also Chinesische Pflaumen, wie ich jetzt grad beim Nachlesen gelernt habe. Und ehrlich gesagt bin ich mir da auch nicht so sicher, ob die Verwirrung vom Obstladen bis hinein in unsere Früchtekörbe da nicht ähnlich ist wie bei den Zwetschgen und Pflaumen.

 

Ok, letzter Versuch: Bevor ich in so eine runde Frucht mit welchem Namen auch immer beiße, die tropft und süßt, schnappe ich mir lieber ordentlich Zwetschgen, um daraus einen Kuchen zu backen oder einen Mus zu kochen, den ich übrigens schon vor zwei Jahren hier gekostet habe. Aber noch lieber lasse ich backen und kochen und beiße jetzt grad am liebsten in die neuen Äpfel, die definitiv nicht gleich Birnen sind. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Und was sagt Ihr? Und was die Angepflaumten?

 

Aber erzählt Ihr doch mal: Pflaume, Zwetschge, Pfletschge, Zwaume - was sagt ihr dazu und wie seht Ihr das mit den Unterschieden? Und weiß vielleicht auch jemand, warum man gerade seine SIEBEN Zwetschgen packen bzw. zusammenhalten muss? Oder waren's doch Susinen? Und was hat eigentlich die Kollegin gesagt nach dem Anpflaumen?

 

 

 

 

 

 

 

 

ICH KOSTE... Pfletschgen?
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lundi
Warum so kompliziert

Pflaume ist Pflaume. Warum braucht man dafür unterschiedliche Namen? Ist das botanisch etwa so wie mit Zucchini und Kürbis? Oder doch mehr regional? In MeckPom habe ich noch nie jemanden Zwetschge sagen hören, da sind alle blauen und roten: Pflaumen, die gelben sind Eierpflaumen/Eierkreiken. In Thüringen scheinen die gegenteilig nichts anderes zu kennen als Zwetschen. Und die gelben werden dort gar nicht so richtig zu den Pflaumen gezählt. Dort habe ich das Wort Zwetschge nämlich gelernt und fand es furchtbar verwirrend, warum sagen die Zwetschge zur Pflaume? Wie soll ich als Zuregeiste das also verstehen?

 

Meine Muttersprache ist nicht deutsch. Zwetschge ist für mich ein sehr schwieriges Wort auszusprechen und zu schreiben. Ich brech mir doch nicht die Zunge und versehe also die Pflaume mit Attributen: Große blaue Pflaume, kleine blaue Pflaume, kleine gelbe Pflaume, große rote... Da all die süßen Früchte zu den Pflaumen gehören, finde ich das nicht falsch. Nennt mich faul, aber man versteht mich.

 

Und wer behauptet, die großen blauen gehen nicht auf Kuchen? So ein Quatsch. Auf den Kuchen und in das Pflaumenmus kommen bei mir alle Pflaumen und deren Schwestern, Brüder und Verwandte, ohne Rücksicht auf ihre Bezeichnung. Die größte Entdeckung war für mich vor einigen Jahren der Pflaumenknödel (mit Kartoffelteig), den ich auch mit allen Arten/Sorten zubereite und Tonnen davon verdrücken könnte.

nika
Zwetsche und Pflaume

In meinem Garten wächst eine Borssumer Zwetsche und eine Blutpflaume. Daneben habe ich noch eine grüne Reneklode und eine sonnengelbe Eierpflaume. Die Pflaumen sind weicher und saftiger und eigenen sich hervorragend für Mus und Marmelade. Sie sind nicht so leicht zu teilen und vom Kern zu lösen. Die festeren Zwetschen (in Ostfriesland ohne "g") sind dagegen leckerer auf dem Hefe- oder Rührteig oder als Kompott. Wenn ich die Wahl habe entscheide ich mich immer für die Zwetsche. 

Rinquinquin
Es gibt wahrscheinlich

nicht nur einen Weisswurstäquator, sondern auch eine nord-südliche Zwetschen-Pflaumen-Grenze. Pflaumen kamen in meinem Kinder-Wortschatz nur für die Eierpflaumen zum Einsatz. Die ass niemand roh, die wurden eingemacht und wenn sie als glubschige Frucht zum Nachtisch eingesetzt wurden, gab es immer grosses heimliches Grinsen wegen des Gesichtsausdrucks der Oma.

Zwetschen waren immer süsser und vor allem einfacher zu entkernen. 

 

Ehrlich gesagt, gehören beide Typen überhaupt nicht zu meinem Lieblingsobst. Muss ich nicht haben. 

Rinquinquin
Susinen -

dass es dieses Wort überhaupt noch gibt! Ich habe jetzt erst den ganzen Artikel oben gelesen und war platt. Susinen gab es zu meiner Kinderzeit im winzigen Obst-/Gemüseladen und sie waren das erste fremdländische Obst, das in der Jahreszeit auftauchte: gelb, saftig, tropfend und der Stein ging nicht ab. 

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