ICH KOSTE... Pizza

Zur Pizza bin ich erst spät gekommen und die große Leidenschaft ist es nie geworden. Aber wir haben trotzdem eine Menge zusammen erlebt - hier ein paar Schlaglichter.

ICH KOSTE... Pizza
12
Kommentare
Sebastian Dickhaut

Als junger Mensch hatte ich im Elternkreis meiner Freunde einen gewissen Ruf. Ich aß eigentlich alles, wenn's gut war, aber Pizza nicht. Lieber ein gutes Wurst-, Käse- oder Tomatenbrot. Eins. Eine Pizza sind aber gleich drei bis vier davon, und das ist mir bis heute zuviel. Aber inzwischen esse ich Pizza. Nicht leidenschaftlich, doch interessiert. Weswegen ich ihren Weg in mein Leben auch nur in Schlaglichtern sehe.

 

Auf dem Balkon, mit der Schere, in Little Italy

 

Ein Kleinstadt in Hessen, Anfang der Achtziger: Wir sitzen auf dem Balkon der Lieblingspizzeria, der auf die große Durchgangsstraße hinausgeht. Trotzdem sitzen wir hier lieber als drinnen, hinter den schweren Gardinen des "Neumark", das auch sonst nicht aussieht wie ein Italiener. Vielleicht esse ich hier deswegen immer nur einen Salat? Oder liegt es an meiner Freundin, die immer schon hierher gegangen ist und den Salat verehrt, so wie die Kellner ihre blonden Haare?

 

Ein Gasthaus in Frankreich, Mitte der Achtziger: Wir sind auf dem Weg zur Atlantikküste, zwei Freunde und ich. Im Camper der Eltern des einen Freundes. Ich erinnere kaum etwas von dieser Männerreise. Einer der beiden machte sich Gedanken darüber, wo wir schlafen, wenn er eine Frau kennen lernt (hat er eh nicht), die Düne von Arcachon, ein peinliches Nachtbild. Und dieses Gasthaus in der Nacht, wo wir beim Durchfahren an die Küste Rast machten, auf einer leeren Verkehrsinsel im gelben Licht, drinnen gab es wagenradgroße Pizza, die superfröhliche Leute mit der Schere in Stücke schnitten. Unser bestes Essen in Frankreich.

 

Ein Viertel in Sydney, kurz vor 2000: Als ich Italian Basics schrieb, lebte ich in Sydney. Was praktisch war, denn hier lebte Italien noch wie vor Jahrzehnten, konserviert von den Einwanderern in Leichardt, dem Little Italy der Stadt. Hier gab es noch Pizza auf die Hand, wenn man abends durch die Norton Street lief, ganz so wie einst in Neapel, wie es mir das Internet beschrieb. Handtellergroß, mit gar nicht mal so dünnem Teig, wie es einst die neapolitanischen Bäcker machten, um zum Feierabend ihren übrigen Teig an die Gassenschlenderer loszuwerden. Gut, dass Kolumbus damals schon die Tomate von Amerika mitgebracht hatte!

 

Unter Tage, mit Blutwurst, frittiert

 

Ein Imbiss in München, Mitte der Nullerjahre: Es zog wie Hechtsuppe dort in der Unterführung zum Ostbahnhof, aber manchmal blieb ich trotzdem dort an den Stehtischen hängen, um mittags eines der vielen bunten Pizzaviertel dort zu essen, das dafür nochmal kurz in den heißen Ofen kam. Nur ein Stückchen, aufgewärmt, unter Tage - weiter weg vom Original konnte man nicht sein. Und doch sind das mit die lebendigsten Erinnerungen ans Pizza-Essen, mit ständigem Blick auf den Pendlerstrom vor mir und den lustig jonglierenden Pizzabäckern hinter mir, die auch ständig was Frisches und Gutes machten mit Hilfe einer obskuren Teigpresse. Als dann der alles beherrschende Bahnhofsgastronom weiter vorne in seiner Imbissmeile eine traurige Kopie eröffnete, war es hier hinten bald Schluss mit lustig.

 

Eine Redaktion in München, Ende der Nuller Jahre: Wir machen einen TK-Pizzatest, ich bin in der Jury und esse sowas zum erstern Mal. Und staune, wie gut diese eine, sehr bekannte schmeckt. Habe ich mir dann eine Weile öfter gemacht.

 

Eine Redaktion in Hamburg, Anfang der Zehner Jahre: Man möchte echte Männerpizza von mir, mit Aal und ganzen Würsten drauf. Mein Spieltrieb ist geweckt, am Ende gibt es Butcher & Bitch (mit Blutwurst & Nektarinen), Bollywood Express (mit Tandoori Chicken und Linsencreme) oder Pizza alla Wellington (mit Roastbeef und Shiitake). War super, aber ich geh doch lieber Pizza essen.

 

Ein Viertel in München, in den letzten Jahren: Als ich hier her zog, stand beim Dart-Stüberl gegenüber Pizza mit Schafskäse und Spinat auf der Karte. Als ich reinging, erstarb jedes Gespräch wie in einem schlechten Western. Als ich nach der Pizza fragte, machten alle weiter und der Wirt nuschelte "Gibt's hier schon ewig nicht mehr, geh vor auf die Straße." Wo eine afghanische Familie klassische und gute Bringpizza macht und ich mir seitdem ab und zu eine Parma Rukola hole, meine Liebste.

 

Eine Gasse in Neapel, kurz vorm letzten Jahreswechsel: Mein Jüngster liebt Margherita, ich finde es ist Zeit, dass auch mal Kaffee trinkt und mir fehlt noch eine Reise im vergangenen Globetrotterjahr im Zeichen das Kaffee. Also auf nach Kampanien, haben wir uns gesagt. Wo es sonntags erst mal so grau und kaputt ist, dass wir beim Burger King landen, der so abgefuckt ist wie die Leute hinter der Theke herzlich, so dass wir einfach gute Laune kriegen müssen. Und am nächsten Tag so ausgelassen die beste Pizzeria der Stadt besuchen, dass ich einfach die neapolitanische Spezialität bestelle: frittierte Pizza. Gefüllt mit Speck, Zwiebeln und Ricotta. So groß wie mein Unteram. Ich hab sie trotzdem fast geschafft. Und danach einen sehr guten Kaffee getrunken. Aber das ist eine andere Geschichte. Und wie ist Eure Pizzageschichte?

ICH KOSTE... Pizza
Anzeige
Anzeige
Bettina Müller
Meine Pizza-Geschichte

Bis ich Deinen schönen Beitrag gelesen habe, lieber Sebastian, war ich mir nicht einmal bewusst, dass ich eine Pizza-Geschichte habe. Aber tatsächlich gibt es da auch bei mir ein paar Stationen.

 

Erste richtige Pizza-Erinnerung: Als ich 9 war, waren wir zum ersten Mal in Italien im Urlaub. In Rapallo um genau zu sein. Und irgendwo dort verschlug es uns zu einem Italiener, bei dem Pizza "Bianca" auf der Karte stand. Da ich damals ein riesiger Fan von Disneys "Bernhard und Bianca" war, konnte ich natürlich keine andere wählen und war hellauf begeistert. Hinter der Pizza versteckte sich einfach nur köstlicher Pizzateig mit geschmolzenen Mozzarella. Meine armen Eltern mussten sich noch Jahre lang anhören, dass ich nur Pizza "Bianca" essen möchte und keine andere. Wir haben nie wieder ein Restaurant gefunden, auf dessen Karte sie stand ...

 

Die Gemüse-Pizza: Beim Gardasee-Urlaub 1995 verliebte ich mich zum ersten Mal wieder in eine Pizza-Kreation. Irgendwo in den Bergen Tremosines über Limone gab es einen kleinen Ort mit einem Italiener, bei dem eine Pizza mit Auberginen und Möhren auf der Karte stand. Einfach nur köstlich. In zwei Wochen Urlaub habe ich sie glaube ich viermal gegessen (und irgendwann werde ich mich noch mal auf die Suche nach dem Örtchen und dem Italiener machen).

 

Traumpizza in der Traumstadt: Heutzutage ist es eine große Seltenheit geworden, dass ich im Restaurant Pizza bestelle. Ich mag es nämlich absolut nicht, sie mit Messer und Gabel zu schneiden. Ich bin dabei so langsam, dass sich meist schon nach einem Drittel das Sättigungsgefühl einstellt. Eine Ausnahme gab es letztes Jahr in New York, als ich mir Grüne Spargel-Pizza in der ABC-Kitchen bestellte. Es war eine Pizza mit Vollkornteig, die so gut war, dass ich auch sie nie mehr vergessen werde und sie eindeutig zu meiner Pizza-Geschichte gehört.

nika
Papiergeschichte ?

Meine erste Pizza habe ich auf dem Weg zurKriegsgräberpflege in die Normandie in Brüssel gegessen. Dort haben wir überNacht Station in einer Jugendherberge gemacht. Wir haben in einem kleinen Gässchenein Restaurant gefunden, da gab es nur einen Tisch für 4 Personen … und da saßdie Familie dran. Es wurde Platz gemacht und noch ein Stuhl herangeholt. Meineältere Schwester hatte mir Pizza wie folgt beschrieben: Brötchen, ganz flach mit was drauf-hauptsächlich Käse und das Ganzegebacken. Meine erste Pizza habe ich mir also von den älteren Mädelserklären und bestellen lassen und war begeistert.

 

Später gab es die erste Pizzeria in unserem Städtchen. Dortwurden wirklich gute Pizzen gemacht. Aber eigentlich blieben mehr diePizza-Bäcker als ihre Produkte in meinem Gedächtnis J.

 

In Norditalien haben wir dann mit unseren kleinen Töchtern (damals1,5 und 3 Jahre alt) in einem Restaurant Halt gemacht. Die Pizza habe ich garnicht in Erinnerung, denn unsere Mädchen, blond gelockt, wurden von den anwesendenHerren derartig bestaunt, wir haben nur noch aufgepasst.

 

In Frankreich haben wir uns auch einmal eine Pizza gegönnt.Es war an einem romantischen See und Töchterlein1 klagte über Ohrenschmerzen (Mittelohrentzündung). Wieder kein Genuss.

 

In Spanien habe ich noch keine Pizza gegessen, da esse ichnur Produkte der spanischen Küche und Coca J.

 

In Bergamo, Italien wollten wir im Jahr 2000 zu viert Pizzaessen, oben in der Altstadt auf dem Berg. Wir fanden eine Art Bäckerei, in deres nur Pizza gab. Im Schaufenster waren ganze Backbleche mit Pizza ausgestellt.So konnten wir aussuchen, welche Pizza wir essen wollten. Die Pizza wurdefrisch gebacken und deshalb mussten wir im ziemlich lange anstehen. Was sollich sagen: es hat sich gelohnt. Jeder bekam seine Pizza nach Wunsch: 1 Vierteleines Backbleches. Puh, das war viel, wir nahmen also unsere Pizza (aufPapptellern) und suchten uns einen Bistro-Stehtisch und „stapelten“ dort unserePizzen um sie dort zu verspeisen. Plötzlich kam die Pizza-Bäckerin und gab unsnoch 2 Viertel. Erstaunt haben wir nachgefragt. Antwort: Wer vier Pizzenbestellt erhält zwei Margherita‘ gratis! Oh jeh‘, wir haben sie mitgenommen undabends kalt (im Zug in Bremen, denn wir sind abends nach Deutschlandzurückgeflogen) gegessen.

 

 

Mittlerweile essen wir Pizza nur noch selbstgebacken. Imitalienischen Restaurant gibt es viele andere Leckereien, für die ich einfachzu faul bin, sie herzustellen.

nika
Natürlich

sollte die Papiergeschichte Pizzageschichte heißen :)

Jochpoch
Zu Kinderzeiten ein graus...

Wenn es mal nach der Schule zum besten Kumpel ging, gab es vorher einen Umweg zum  Supermarkt, um Fertigpizza eines großen Herstellers zu besorgen. Ich mochte diese dicken Teigfladen überhaupt nicht, wollte aber nun auch keine Extraportion. Am schlimmsten waren diese dicken Paprikawürfel auf der Pizza. Das absammeln war sooooo mühsam. Nach nem Viertel fand ich auch den Rest widerlich und stöhnte "puuuuh ist das viel - ich bin satt". Ich habe lieber hunger gelitten. Heute mag ich Pizza in bestimmten Läden und habe eine Eigenart beim essen; Erst wird der gesamte Rand gegessen und dann kommt der Rest. Warum mache ich das nur?

nika
@Jochpoch: Weil es Dir schmeckt?

Pizza kann man auf so viele unterschiedliche Arten essen. Am wenigsten schmeckt sie mir auf die kulturelle Art mit Messer und Gabel. Am Liebsten mag ich sie vorgeschnitten wie ein Kuchenstück und dann aus der Hand. Dann balanciert man/frau sie in den Mund wie einen jungen Matjes. Sie biegt sich dann so herrlich durch und der ganze Duft-Genuss steigt bereits in die Nase bevor auch nur der erste Bissen abgebissen ist. Beim Wein ist es der wichtige Abgang wie heißt es wohl bei der Pizza?

Sebastian Dickhaut
Pizza mit Messer und Gabel? "Skandal!"
ICH KOSTE... Pizza  

Ich könnte jetzt viel sagen zu Pizza Bianco und mit Möhren, blonden Töchtern oder mit oder ohne Kruste, aber muss gleich Steaks und Salat jagen für unseren Kochkurs heute Abend, drum hier erst Mal nur ein Link nach New York - päpstlicher als der Papst, sag ich. Aber ich bin auch klar für die Hand und mit Rand. (Im Bild mein gestriges Abendessen, Parma Rucola vom Afghanen. Nu aber los, sonst gibz heut nix)

Rinquinquin
Beisst ihr mal schön weiter ab

Mich überrieselt es bei diesem Gedanken schon wieder ganz kalt: Gaumen verbrannt ! Anschliessend hängen die Pizzazutaten wegen des hektischen Gewedels auf dem T-Shirt. Andere Leute, andere Techniken. Ihr dürft gerne, wenn ihr mich auch lasst.

 

Und eine Pizza mit derart dickem Rand ist ein absolutes no-go für mich. 

Kochmamsell
Pizza aus der Hand

Pizza wird bei uns in vier Teile geschnitten und dann ab mit der Hand in den Mund. Dicke Pizzaböden mag ich überhaupt nicht, da lasse ich den Rand übrig. Salami auf Pizza geht auch nicht. Ich bin erst vor ein paar Jahren auf den Pizzageschmack gekommen und inzwischen ist der Pizzageschmack so, dass es nur noch selbstgemachte gibt. Macht sich auch toll als Resteverwertung.

Belledejour
In Rom

habe ich die Pizza vor Jahrzehnten kennengelernt. Mein damaliger römischer Freund führte mich ein: den Rand wegschneiden und nur das Innere essen.

Heute esse ich gern alles mit, wenns denn dünn und knusprig ist. Meine selbst hergestellte sowieso. Aber nicht aus der Hand sondern nur mit Messer und Gabel.

 

 

Pizza bianca

@Bettina Müller:

zur Pizza Bianca: mir ist sie schon ein paar Mal über den Weg gelaufen, manchmal auch unter anderem Namen; Bianca heißt sie glaube ich nicht wegen der Mozzarella, sondern weil die Tomatensoße fehlt. Gut geschmeckt haben mir die Pizza Bianca - Varianten in einer kleinen, viel besuchten Pizzeria in Tel Aviv - und im La Locanda 26 in Heidelberg; beim letzteren kommt man vielleicht eher mal vorbei....

Bettina Müller
@lattemacchiato

Danke für den Tipp mit Heidelberg, das muss ich mir merken, wenn ich mal in Heidelberg vobeikommen sollte. Das mit der Tomatensauce klingt sehr logisch. Auf die Idee, nach einer Pizza mit einem anderen Namen zu suchen, bin ich als Kind natürlich nicht gekommen und meinen Eltern hätte ich bestimmt auch nicht geglaubt, dass es das gleiche ist. ;-)

Sebastian Dickhaut
Die Pizza mit dem Knick

Ich bin nicht nur beim Kochen, sondern auch beim Essen eine bekennender Händer. Kuchen (manchmal gar Torte), Sushi, CremaZuckerReste vom Espresso, manchmal auch in Gedanken Reste von einem guten Tagesteller kommen mir gern in die Finger. Und Fingeressen wie Artischocken, Chicken Wings, Südoastasiatisch (wo man mit selbstgeformten Reisbällchen stippt) liegen mir sehr.

 

Bei der Pizza hab ich mir vom Jüngsgten die Technik abgeschaut, das Viertel längt in der Mitte leicht zu knicken und sie so gestärkt eine bisschen wie einen angeöffneten Sandwich zu essen. Da lappt und fällt nix. Gaumen kann sich aber verbrannt werden. Und Kruste fällt da kaum auf.

Noch nicht eingeloggt?

Hier könnte dein Kommentar stehen :-)

Login