ICH KOSTE… Rumtopf

Eigentlich wollte ich was über neue Sommergetränke schreiben. Aber dann bin ich auf diesen alten Rumtopf gestoßen. Morgens um halb acht. Der Rest ist eine Geschichte.

ICH KOSTE… Rumtopf
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Kommentare
Sebastian Dickhaut

Vor mir steht ein Rumtopf. Es ist halb acht - am Morgen. Eigentlich ist es ein Gärtopf für Sauerkraut, den mir ein Kochbuchkollege samt Krautbeschwerer zum 40. geschenkt hat. Vier Jahre später habe ich dann darin einen Rumtopf angesetzt. Und das war vor drei Jahren.

 

Eigentlich sollte ich heute etwas über die neuen Sommergetränke schreiben, Smoothies, Limonaden und so. Bei der Recherche habe ich dann gemerkt, dass da eigentlich nichts Neues ist, zumindest nichts, dass mich von Apfelschorle, Crodino und ab und zu Cola Zero abbringt oder endlich zu einer teuren Flasche voller püriertem Obst hinbringt.

 

Oder ist mein Geschmack inzwischen zu konservativ, rufe ich lieber eingemachte Erinnerungen ab (zwischen Nachmittagshitze und Dämmerung vor dem Knutschkugelwohwagen am Gardasee, der Perlenvorhang flüstert in der Brise, ich sitze auf einer maremmanischen Milchkiste und nehme einen Aperitif = italienische Bitterlimonade; durchschriebene Nächte = Koffein mit Süßstoff und Kohlensäure), statt Neues zu speichern?

 

Ab wann schreibt man nicht mehr übers Trinken?

 

Es gibt ja die These, dass Weinjournalisten ab einem gewissen Alter nur noch in der Theorie arbeiten sollen, da die Geschmacksnerven dann nachlassen und die gesunde Selbsteinschätzung sowieso. Gilt das auch für Weinanalphabeten? Schon ab 40? Wenn sie Cola Zero trinken, vielleicht. Und wenn sie morgens um acht mit einem Rumtopf am Frühstückstisch sitzen, vielleicht bestimmt.

 

Tatsächlich ist es aber so, dass ich hier eigentlich schon alles zu Limos und Smoothies gesagt habe, was ich sagen wollte. Und ich wiederhole mich nicht so gerne, was ab einem gewissen Alter immer schwieriger wird, natürlich vor allem, weil man schon so viel gesagt hat, und wenn dann noch der Wein dazu kommt oder gar Rumtopf am Morgen…

 

Ich hatte mir dann überlegt, etwas zu Beeren zu sagen, zur Lust an der Himbeere, zum Leid mit der Erdbeere, aber habe ich das nicht auch schon mal gesagt, hatte ich mich und dann die Suchmaschine gefragt, und die hat dann meinen Rumtopf von 2007 im Netz gefunden. Und ich habe ihn vorhin im Keller wiedergefunden.

 

Wie lange hält eigentlich so ein Rumtopf?

 

Und jetzt steht er da. Gleich ist es neun. Und dieser Beitrag muss online. Wie lange hält eigentlich so ein Rumtopf. Ewig, oder? Wie richtig guter Wein. Vielleicht schwören Weinjournalisten ja deswegen so auf diese Granaten, weil sie zusammen altern können, und weil der Wein ihren abnehmenden Geschmackssinn mit zunehmendem Geschmack ausgleicht, so dass am Ende alles bleibt, wie es immer war. Wie Cola.

 

Neun durch. Schnell noch ein Bild gemacht. Das duftet ja toll. Was war da eigentlich alles  drin? Ah, das schaut aus wie Ananas. Genau, das fand ich auf Anhieb eine tolle Idee damals, Rum und Ananas, ein Klassiker. Und das mit den Rispen? Johannisbeeren? Eher Weintrauben, denke ich. Ich könnt’s ja nachlesen. Aber das wäre zu einfach. Denn irgendwie ist ja so eine Rumtopf wie das Internet selbst, und meine Zunge ist dann die Suchmaschine. Schmecken statt Lesen also. Ok, ich koste jetzt Rumtopf.

 

Huch, jetzt ist’s schon halb zehn. Schnell raus mit dem Text. Hier ist übrigens das Rezept dazu. Lasst uns dann noch mal in drei Jahren drüber sprechen. Oder habt bzw. hattet Ihr selbst einen Rumtopf am Laufen? Was gehört denn da rein?

 

 

 

 

 

 

 

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Aphrodite
Früher wurde das Ansetzen zelebriert.

Ich selbst bin nie über die Kirsch-Saison hinaus gekommen und kein großer Rumtrinker. Meine Zeit hieß Bacardi-Cola und Batida-de-Coco noch bevor die weißen Rum-Importeure sich fiese Sachen ausgedacht haben, bei denen man den Alkohol nicht mehr schmeckt. Jetzt aromatisieren sie Rum, verdünnen den ordentlich und geben ihm einen schicken Namen. Ich glaube, zum Rumtopf finde ich nicht auf direktem Weg zurück. Vielleicht als Granita. 

Ich setze mich daneben

Ein kleiner Rumtopf muss sein. Einer für die Weihnachtsfeier und einer für die Skandinavien-Tour im Sommer (Da kann es kalt werden!) Also jedes Jahr 2 Stück. 2009 einer nur mit Beeren und einer nur mit Birnen und Pflaumen. Jaaa, und ich erinnere mich jetzt - da steht im Keller noch ein großes Glas, dessen Genuss haben wir wohl verschlafen... Wie alt das wohl ist? Der Inhalt ist schon etwas weniger geworden, denk ich manchmal, wenn mein Blick zufällig darauf fällt, trotz Gummidichtung. Aber nix Schimmel, Belag oder sonst was. 7 Jahre? Oder 8? Steht kein Datum drauf. Wenn ich wieder in Germany bin, werd ich es hochholen und mich davor setzen... Danke für den Tipp, Sebastian.

auchwas
KOSTEN geht nicht, aber .......

Mache ich einen Rumtopf dieses Jahr?    Wann, wenn nicht jetzt,  über Rumtopf  MACHEN nachdenken, vorbereiten, ja der Rum muss her…. oder soll ich nicht, dieser Zufall mit dem ICH KOSTE……Gut war ER so in den 80 zigern, das Obst aus dem Garten, den schicken Rumtopf  aus  Steingut von Mama. Also los ging’s mit Erdbeeren, Johannisbeeren, Kirschen, ohhh die mochte ich am Liebsten, dann  Mirabellen, Zwetschgen, Birnen und die Ananas zum Schluss und dann warten, damit alles gut durchgezogen ist, mit Rum und der Zucker sich schön aufgelöst hat. Dann Sonntag im kühlen November  hol doch bitte mal etwas Rumtopf  hoch aus dem Keller. Nachtisch,  Vanille Eis und Rumtopf und dannnnn Mittagsschlaf ,  ohhh  dieser Alkohol und ich mochte die Kirschen  so gerne,  die Birnen, die sahen so dunkel aus, die Ananas war gut, doch die Erdbeeren wie Gummi, aber die schwarzen Johannisbeeren, sehr fein. Soll ich oder soll ich nicht,  diesen Klassiker,  mache ich Ihn  dieses Jahr mal wieder, aber nur mit  Johannisbeeren, alle Farben, die sehen aber dann alle gleich aus?!, Himbeeren, wegen des Aromas, Kirschen, Mirabellen und Schluss. Denn,  die Zwetschgen die lege ich in Armagnac und die Birnen mag ich lieber in Wein oder Safran. Hier schon mal ein Foto vom Topf  mit Staub gut eingemottet, der Sauerkrauttopf ist mehr im Einsatz, eigentlich jedes Jahr, jetzt bekommt er wieder Gesellschaft mit dem  Rumtopf oder umgekehrt. Warten auf die 1. Johannisbeeren und Himbeeren  und los geht’s. Danke Sebastian Dickhaut, gute Idee und  köstlich  zu lesen.

Rinquinquin
nicht mit Rum

sondern mit Kirschwasser. Für mich Kleinverbraucher nehme ich schöne dicke schwarze Kirschen, schichte sie in Schraubgläser, übergiesse sie mit Kirschwasser, zuschrauben und fertig. Meistens vergesse ich die Gläser, da sie etwas weiter hinten geparkt werden, aber wenn ich sie dann wieder entdecke ......

cystitis
Erstmalig

Letztes Jahr hatte ich mein persönliches "Likörjahr". Ich habe bestimmt an die 30 verschiedene Liköre angesetzt. Mit Klarem, mit Rum, mit Kirschwasser. Als es an die Vorbereitung meiner Weihnachtsreise samt Geschenken ging, mußte ich noch sehr viele von meinen Likören abfiltern. Da wa sie dann die Frage: "Was mache ich mit den vielen schönen Früchten?" Vom Frühjahr und Sommer hatte ich noch eingelegte Johannisbeeren und Heidelbeeren. Also habe ich alle Früchte( Ananas, Ingwer,Erdbeeren, Cranberries, Pflaumen Orange, Zitrone,Honigmelone usw.) in einen großen Topf(in Ermangelung eines tönernen Rumtopfes) gegeben. Anschließen goß ich nochmal Rum und eine Flasche Rotwein auf. Ich kann nur sagen:"Es war lecker!" Die eine Hälfte nahm ich gleich noch als Weihnachtsgeschenk mit zu meiner Familie. Den Rest gab es zu Silvester.Gefährlich aber gut! Zucker habe ich keinen mehr verwendet. Dieses Jahr mache ich auf jeden Fall wieder einen.

sparrow
mit Cognac

ich habe letztes Jahr Pflaumen in guten Cognac eingelegt. Die sind jetzt super lecker zu Eis. 

Rumtopf erinnert mich sehr an meine Jugend, da war das der Hit.

Sebastian Dickhaut
Uiuiui!

Bacardi Cola und Pflaumen in Cognac, Kirschen in ihrem Wasser und eine ganzer Obstsalat unter Rum auf einmal, dazu jede Menge Erinnerungen - was so ein Rumtopfgefühl alles mit einem anstellen kann, Respekt, liebe Küchengötter.

 

Ich bin ja auch sonst eher für simple & basic, aber dieses langsame Ansetzen eines Rumtopfs im Laufe der Sommerfrüchtesaison für eine reiche Ernte im Winter (oder auch drei oder sieben Winter später) hat schon was. Ich hatte es mangels Familientradition zum ersten Mal gemacht und überlege jetzt, ob man einfach da weiter einen draufsetzen kann oder doch einen neuen Rumtopf ansetzen sollte.

 

Den alten habe ich inzwischen gekostet und muss sagen - wow! Im November 2008 war der noch rauher, jetzt aber ganz fein und süffig, gefährlich fast.

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