ICH KOSTE... Schokoeier

"Ostern, bleib bei deinen Leisten" ist die Erkenntnis unseres süßen Test. Heißt: Wer was gut kann, muss noch lange nicht Schokoeier gut können. Und umgekehrt.

ICH KOSTE... Schokoeier
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Sebastian Dickhaut

Wusstet Ihr, dass der Durchschnittsaustralier die meisten Schokoeier auf der Welt isst? Da gibt es verschiedene Theorien dazu, aber für mich ist das ganz klar: Die tun das, weil in Australien Ostern wie Weihnachten ist; weil Weihnachten ist dort viel zu heiß, um Weihnachten zu sein. Deswegen liegt es ja auch in den Sommerferien, und die sind schon Freude genug, wer braucht da noch Schokolade? Anders als bei uns, wenn zum Fest hin immer mehr die Sonne ausgeht und wir uns dem schwarzen Loch zwischen den Jahren nähern, für das wir uns aus Adventskalender und Nikolausstiefel vor allem mit viel Schoko stärken.

 

In Australien aber sind jetzt die Tage, in denen das Licht dünner wird und man schon mal Socken und eine Jacke anziehen muss. Gerade weil die Jahreszeiten down under nur in Nuancen wechseln, weckt diese Ahnung von Unterschieden eine große Sehnsucht nach einem "seasons feeling", das sich vor allem in den schicken Essmagazinen zeigt. Da wird in bunten Rüben und großen Braten geschwelgt, Familien und Freundeskreise treffen sich an langen Tafeln bei schweren Rotweinen, in denen sich das Licht der tieferstehenden Sonne bricht.

 

Und da kommt Ostern gerade recht, um sich ein bisschen einzukuscheln, und weil das bei den meisten Aussies dann doch eher nicht in adjektivem Hochglanz passiert, kommt der Easter Bilby noch rechter mit seinem Korb voller Glück in Form von Schokoladeneiern. Das ist also meine Theorie: Zur Osterzeit von Lichtmangel und Wurzelsehnsucht unstillbar befeuert greift der sonnenverwöhnte, der roten Erde verbundene und durch und durch pragmatische Durchschnitts-Aussie großzügig zur "instant satisfaction" in Form von Schokoeiern, um ein wenig Glanz und Glück in sein Leben zu bringen, ohne dafür gleich nach Europa zu müssen. Und bling, bling, bing, schon ist er Weltmeister.

 

Bunte Eier an einem Tisch voller Expats

 

Das ging mir so durch den Kopf als ich gestern mitten in München ein Tüte voller aktueller Schoko-Osterei-Kreationen an einem Tisch voller Expats verstreute. Bali und Java, Ungarn und die USA, Suttgart und die Steiermark waren hier versammelt, und alle freuten sich über die bunten Dinger von Fedora, Hachez, Lafer, Lindt, Merci, Milka, Niederegger, Reber, Schwermer und Wagner. Und bevor zuviel Verwirrung aufkommt, hier gleich mal unsere Abschlussthese:

 

Wer es schon immer gut in Schoko-Ostereiern sowie deren nahen Verwandten (den Pralinen) gemacht hat, macht es am besten. Wer es nur gut in Schokolade macht, eher nicht - vor allem wenn er zuviel macht. Beispiel? Lindts "Hello Easter Egg Mix". Während mich die guten Standards von Lindt über deren Kampagne mit wie bekifft lächelnden Konditordoktoren mit Karnevalskochmützen lässig hinweggehen lassen, bringt mich deren "Hello"-Reihe ständig ins Stolpern. Sieht ja ganz gut aus, schmeckt nur einfach nicht, und bei jedem neuen Versuch wird es ärgerlicher - heißt jung und trendy etwa, dass alles ein bisschen süßer und fetter sein darf? Und in Eierform scheint sich das noch zu konzentrieren.

 

So ist das auch bei Merci, die vier ihrer Riegel in kleine Eierchen gegossen haben, bei denen mir des Süßen zuviel ist, auch weil die Abwechslung wie das Knack für Knack des Originals fehlen. Und dessen Zellophangeknister dazu. Das gibt's dann von Johann Lafer (ja Alfons, wo sind eigentlich deine Eier?), der Eierlikör-Drambuie, Himbeer-Vanille-Trüffel oder Schichtnougat in transparente Knisterfolie hüllt. Machen wir's kurz: Hätt's nicht gebraucht, auf dem Teller, am Grill und im Buch ist er besser.

 

Wenn wer was versuchen darf, dann die Konditoren. Aber können Sie es auch?

 

Und was macht Milka? Wir jedenfalls machen um deren Löffeleier einen ganz großen Bogen, schauen nur kurz über die lila Eiertüten, die sich dabei als ovale Versionen der Tafeln erweisen und bleiben an einem Zylinder mit "mini eggs" hängen. Die sind uns neu und gar nicht mal schlecht, vor allem weil sie nicht viel mehr sein wollen als eine Kreuzung aus Smarties, Schokolinsen und M&M. Denn damit bewegen sich die Schokomultis in ihrer Liga, was besser für sie und uns ist als der Versuch, das Osterei neu zu erfinden. 

 

Daran probieren sich Schwermer und Wagner aus, und mit ihrer langen Erfahrung im Pralinen- wie Ostereiergeschäft dürfen die Klein- bis Großkonditoren das. Aber können sie es auch? Nun, Schwermers Zartbitter-Chili-Ei ist eher was für Liebhaber als für Ostern (außer man will die Kinder ärgern), was übrigens nicht nur ich Vollmilch-Fan sage, sondern auch die vielem aufgeschlossenen Indonesierinnen (Chili! Kakao!!) am Testertisch. Umso größer die Freude an Schwermers "Rote Grütze", tatsächlich schaffen es die feine weiße Schokolade außen und die fruchtige und nicht zu süße Creme innen, uns an einen Löffel Grütze mit Sahne denken zu lassen. Diese Version gibt es auch von Wagner, doch da waren wir mehr auf "Créme brulée" neugierig. Und tatsächlich: schön sahnig-karamellig, und sie haben es sogar geschafft, ein bisschen Knack und Knusper in die Umhüllung einzubauen.

 

Unser Fazit: Wenn Ihr was Vertrautes wollt, sucht darin lieber nicht das Besondere. Das findet Ihr eher beim Konditor Eures Vertrauens. Unser Rat: Ostern, bleib bei Deinen Leisten. Unsere Frage: Welchen Schokoeiern vertraut Ihr besonders?

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