ICH KOSTE... Urlaub

Kann man ein Land besser kennenlernen als übers Essen und Trinken? Wir haben dafür eine kleines Stichwortverfahren entwickelt - hier aktuelle Ergebnisse für Kroatien.

ICH KOSTE... Urlaub
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Sebastian Dickhaut

Noch ist August, noch kann man hoffen, dass das was wird mit dem Sommer - oder doch noch schnell weit in den Süden fahren, denn dort ist die Sonne inzwischen angekommen nach Wochen voller Regen. Wir zum Beispiel hatten vor kurzem eine Sonnenwoche in Rijeka erwischt. Rijeka? Zwischen Opatija und der Insel Krk in Kroatien, das nicht nur ein Eldorado für Freunde ungewöhnlicher Buchstabenfolgen auf Landkarten ist, sondern auch eine der nächsten Küsten Münchens.


Wir waren trotzdem zum ersten Mal da, weil wir vorher immer in Venetien, Slowenien und am Gardasee hängen geblieben sind. Aber jetzt sollte es mal was Neues sein. Und wie lernt man eine Region besser kennen als übers Essen und Trinken? Hier unser Kostführer in Stichworten:


Erster richtiger Kaffee: Passionierte Italienfahrer nehmen dafür kurz hinter dem Brenner den Einkehrschwung auf einen eng und verwegen in den Berg gebauten völlig überfüllten Rastplatz, wo zwischen Baulärm und Rückspiegelplüschtieren der Barista auch nicht mehr lachen kann - und der erste Schluck “caffé” umso mehr beglückt. Wir haben kurz hinter Lubijana auf einer sehr deutsch wirkenden Raststätte gestoppt, mit Freuden eine echte Espressomaschine entdeckt  und unserem Vermieter durchtelefoniert, dass wir in 1 ½ Stunden da sind. Bis wir an der Grenze merkten, dass man hier noch Pässe und anderes Geld braucht. Die Söhne staunten.


Erstes Frühstück: “Das ist hier bestimmt wie in Italien”, habe ich trotzdem am nächsten Morgen gerufen, als wir erstmal einkaufen gingen und deswegen ein Frühstück unterwegs klug schien. Tatsächlich gibt es in Rijeka eine Menge Kaffeebars, die aber ihren Namen sehr wörtlkich nehmen: Da gibt es auch am Morgen nur Kaffee und Bier, und letzteres wird schon dann mindestens gleichwertig angenommen. Im vierten Cafe mit großer Terrasse auf den Marktplatz hatte man schließlich Mitleid mit uns und gestattete, dass wir uns was beim Bäcker am Markt holen. Die Söhne seufzten.


Auf dem Markt: Also da, wo es im Urlaub eigentlich immer am schönsten ist. Auch in Rijeka, dass jetzt eh nicht DIE Perle Kroatiens ist, aber ich mag nun mal lieber Hafenstädte statt Badestrände. Denn an denen gibt es nicht drei Jugendstilhallen jeweils voller Gemüse, Fleisch und Fisch hintereinander, zwischen denen kleine Händler ihre Spezialitäten anbieten. Die Schinkenwurstspeckstände waren am überwältigendsten. Die Söhne lächelten.


Im Supermarkt: Wer im Urlaub immer nur auf Märkten und bei kleinen Händlern einkäuft, der lügt oder verpasst was. Es ist immer wieder eine Freude zu entdecken, was die Lebensmittelindustrie und Verkaufsmaschinerie in anderen Ländern sich ausdenken, um ihre Bürger bei der Marke zu halten - selbst wenn es nur eine blaue Fanta ist. Aber zum Glück gibt’s auch noch viel mit eigenem Sinn, etwa eine Schokolade mit Dynamitstangen und Pulverhäufchen drauf, die so ähnlich wie Koks hieß oder Waffelriegel, die wie Goldbarren verkauft werden, aber leider nur billig schmeckten.


In der Küche: Kochen macht mich vor allem dann glücklich, wenn’s von selbst kommt und von selbst läuft. Die fertig gefüllten Paprika vom Metzger geschmort mit goldenen Tomaten; davor sein milder fetter Speck mit Streifen von roten Zwiebeln darüber (Tipp einer Metzgerkundin), die fast so süß wie Obst waren; danach ein Kaffee mit Kokschokolade auf dem Balkon über der Stadt - Mittagsglück.


Im Restaurant: Nachdem uns die Tipps der Gastgeber an einen Betonstrand und in ein discolärmendes Hafenlokal geführt hatten, fielen wir auf eigene Faust auf ein Strandlokal mit auf der Terrasse muschelkochendem Lehrling rein, landeten am Mittagstisch eines Inselresorts und unter an einer steinernen Teetafel unter Palmen mit Meerblick. Im benachbarten und weit mondäneren Opatija scheiterten wir erneut mit der Idee, auswärts zu frühstücken und erfanden dafür den Brownie-Club-Sandwich-Brunch.


Sonstige Highlights: Lauwarme Ölsardinen mit Zitronen vom Baum. Tintenfisch mit Kartoffelsauce. Fetter Cappuccino am Klinik-Kiosk. Kühlschrankleerkochen am letzten Urlaubstag. Fragt mich nicht, was es gab. Aber die Söhne strahlten.

 

Und Ihr? Was habt Ihr so im Urlaub entdeckt im Cafe, an der Bar, auf dem Markt, in den Läden, am Herd, in Lokalen oder wo es sonst ums Essen geht?

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JulietteG
Urlaubsessen...

hat je nach Urlaubsort natürlich schnell einen sehr touristischen Flair. Und je nach dem, wo man Urlaub macht, ist es natürlich auch gar nicht so einfach, die Restaurants der Einheimischen zu finden, denn im Touristenführer stehen sie sicherlich nicht bzw. sind dann meist schnell kommerzialisiert.

 

Vor einigen Jahren war ich in Barcelona... Leider nicht im Urlaub, sondern bei einem ziemlich arbeitsintensiven Seminar. Dort führte uns ein Student aus Barcelona in eine Tapas-Bar, die wirklich fern der Tourismus-Bars war... So ungefähr sah auch die Gegend aus, in der ich alleine im Dunkeln nicht hätte unterwegs sein wollen, aber ich habe wirklich die besten Tapas zu essen bekommen, die ich je gegessen habe. 

 

Ich liebe es auch, auf fremden Märkten einkaufen zu gehen und in den dortigen Supermärkten, um mal Neues zu entdecken. Leider konnte ich bislang niemanden davon überzeugen, mit mir in einen Urlaub zu fahren, ein Appartment zu mieten und dort zumindest ein paar Mal selbst zu kochen. Mal davon abgesehen, dass ich leider mit Erschrecken beobachte, dass ich schon fast als merkwürdig gelte, weil ich mir jeden Abend etwas selbst koche und das ohne Tüten schaffe, sind die meisten der Meinung, dass im Urlaub erst recht nicht gekocht wird.

 

Naja, die meisten Nichtkochenden sind schlechtes Essen gewöhnt, wie ich neulich erst wieder mehrmals beim gemeinsamen Essengehen feststellen musste... Ich wusste gar nicht, dass ein Lammkarree derart knorpelig und zudem verbraten sein kann und sich ein Koch traut, ein nur schätzungsweise 5 Minuten gegartes Risotto zu servieren. Während ich mein Essen zurückgehen ließ, schaute mich meine Begleitung stutzig an und fragte, ob normalerweise das Fleisch und Risotto "anders" sein müssten... Aber jetzt schweife ich ab... :)

 

 

Belledejour
Meistens wurde landestypisch selbst gekocht
ICH KOSTE... Urlaub  

wenn wir als Familie Urlaub gemacht haben. Nichts Schöneres gab es für uns alle, den frisch geräucherten Hering aus dem eigenen Rauchofen in Bornholm zu holen. Daran erinnern sich unsere Kinder heute noch und entsprechend urlauben sie auch.

 

 

In den südlichen Ländern auf einem Markt einzukaufen, aber auch in einem Supermarkt sich die Fischtheke anzuschauen, gehört dann immer dazu. Probieren der frischen Oliven aus dem Topf oder aber Schinken und Käse direkt auf einem Bauernmarkt kaufen.

 

Als früher die ersten Burger von MD auf anderen Kindergeburtstagen auftauchten, wurden diese von unseren Kindern und den Gastkindern selbst gestaltet und später wurde von allen davon geschwärmt. Evtl. aufgrund dieser kl. Erlebnisse kocht man heute auch viel lieber selbst und hat keinen Geschmack an Fertigprodukten.

So sind wir froh, dass wir immer schon gern selbst gekocht haben ohne Fertigprodukte. Haben da scheinbar etwas weitergegeben.

 

In unseren Urlauben wird natürlich auch essen gegangen, aber niemals jeden Tag, denn oft paßt das Preis-Leistungsverhältnis nicht in den touristischen Hochburgen. Da muss man sich wirklich auf Freunde verlassen oder aber tatsächlich Insiderkenntnisse haben.

 

Wir finden das Vorleben in der Familie als sehr wichtig und das schliesst den Essensbereich natürlich besonders ein.

 

@Juliette

Ich glaube nicht, dass du eine Exotin bist. Man ist halt das, was man ißt.

 

Gaston
Languedoc

Ich fahre demnächst 3 Wochen ins Languedoc, also nach Südfrankreich, an den Fuß der Pyrénées-Orientales. Dort werde ich neben Wein und frischen Kräutern auch sehr guten Essig probieren. http://levinaigre.com

Ich wohne dort auch auf einem Weingut und habe eine gut ausgestatte Küche in der Wohnung. Vom Fremdenverkehrsamt bekam ich eine Liste. wo und wann in der Gegend Märkte sind. Einem kulinarischem Urlaub steht somit hoffentlich nix mehr im Wege.

Unterwegs halten wir in Dijon, dort gibt es Fachgeschäfte für Senf. :)

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