ICH KOSTE... Würstchen

Würstchen an Weihnachten? Kann man machen. Wenn es die mit dem großen E und F sind, sagt der Hesse. Dann aber erst nach Heiligabend, gell?

ICH KOSTE... Würstchen
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Kommentare
Sebastian Dickhaut

 

Zum ersten Mal habe ich bei Helmut Schmidt davon gehört. Ich war zwölf, er war Kanzler und man fragte ihn, was es bei Schmidts an Heiligabend gäbe? "Wie immer: Würstchen mit Kartoffelsalat!" Ich wollt's nicht glauben. Der König von Deutschland? Isst Würstchen an Weihnachten? Obwohl er Hamburger ist. Mein Vater war auch Hamburger, und der ließ sich jedes Jahr zu Weihnachten eine Seite Räucherlachs von einem Feinkosthändler seiner Heimatstadt liefern. Ob wir nun bei Frankfurt oder bei Wien wohnten.

 

Nein, das war jetzt kein blöder Witz, wir wohnten tatsächlich immer in Nähe dieser beiden Hauptwürstchenstädte im deutschsprachigen Raum. In dem ja eigentlich jede Stadt ihre eigene Wurst hat, obMünchen (Weiß), Nürnberg (Rostbrat) oder Berlin (Curry). Aber Würstchen kenne ich nur aus Wien oder Frankfurt. Na ja, eigentlich nur aus Frankfurt, denn das waren meine ersten, und danach will man keine anderen mehr. Der Geschmack vom Kartoffelsalat meiner Mutter (viele Zwiebeln, viel schwarzer Pfeffer, keinen Speck, keine Brühe, aber Maggi) ist eins mit dem von (mit großem E!) Echten Frankfurter Würstchen.

 

Später habe ich mal einen Artikel über die geschrieben; darüber, dass ihr Fleisch von ausgesuchten Schweinekeulen stammt; dass es in spezielleSchafsdünndärme gefüllt wird, damit die Würstchen schön schlank und knack sind; und dass sie nur in Frankfurt gemacht werden dürfen, um in Deutschland Frankfurter zu heißen. (Tatsächlich kommen sie aber fast alle aus dem benachbarten Neu-Isenburg, dessen Autofahrer das OF des verpönten Offenbachs auf dem Nummernschild haben.) Und dass sie mal eine weltweit versandte Delikatesse waren, die tatsächlich gut zu Champagner passt.

 

Aus dem Glas? Wie lahm ist das denn?

 

Allerdings nicht, wenn sie aus Dose oder Glas und damit aus dem Wasser kommen, denn das macht sie lahm, weich, schlaff. Frisch müssen sie sein, was fast immer heißt, dass sie als Paar vakuumverschweißt in der Kühltheke liegen, ob nun im Münchner Kaufhaus oder beim Frankfurter Metzgermeister. Der lässt sich seine Markenzeichen nämlich auch aus Neu-Isenburg kommen, weil ihm die anspruchsvolle Herstellung und aufwändige Räucherung zuviel des Guten ist.


So lange sie mildsüß, feinrauchig und zartknackig sind, ist das Recht so, und zwar so recht, dass ich gerne mal eins roh esse. Mit denen aus dem Glas geht das gar nicht, auch wenn sie da Paarfetischisten wie mich extra mit einem fünften Würstchen locken. Und mit Wienern geht das auch nicht, na ja, eigentlich gehen Wiener überhaupt nicht, und in Wien gleich zweimal nicht. Denn da heißen die Wiener Frankfurter, was bei meinem ersten Bissen als junger Genießer eine fade Enttäuschung war, auch wenn meine hessische Mutter mich gewarnt hatte.


Warum die Wiener in Wien Frankfurter heißen? Freundlich gesagt, weil es ja auch immer nur außerhalb Frankfurts (beliebige Großstadt in Eurer Nähe bitte einsetzten) eine Frankfurter Straße gibt (entsprechende Straße in Eurer.. na, Ihr wisst schon). Weniger freundlich: weil man was nicht so Gutes mit einem guten Namen besser machen will. Versteht mich nicht falsch, ich mag Wiener - aber nur, wenn ich keine Frankfurter kriegen kann. Und noch lieber mag ich eigentlich Debereziner, Burenhäutl oder Käsekrainer. (Nein, ich sag deren Spitznamen hier nicht.)


Euch ist das alles wurscht, um das klassische Zitat in jeder Würstchengeschichte am Ende auch noch zu verwurschten? Mir auch, weil bei uns gibt’s eh Lachs an Heiligabend. Ende.


Nicht. Den alles hat eins, nur die Wurst hat zwei, womit wir bei der Christmette sind und damit dem Ende der Fastenzeit Advent (aber ja doch!), und erst danach darf die fleischerne Bescheidenheit enden. Und hey, was gibt’s da Besseres, als sich mit einem Hallelujah im Herzen um einen Kessel Würtschen zu versammeln? Insofern, München, Augsburg, Regensburg, Nürnberg, Berlin, Hamburg (wie heißen eigentlich Eure Würstchen?) usw. - frohes Fest, mit welchem Würstchen ihr auch immer feiert. Vielleicht verratet Ihr es uns ja?

 

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kaltmamsell
Bauernwürscht

In Ingolstadt, wo ich herkomme, finden sich Freunde nach der Christmette zu Mettenwürscht zusammen. Das sind dann Bauernwürscht, die typische Kesselwurst der Region 10, über die immer noch niemand eine Monographie verfasst hat (nein, keine Regensburger, keine Pfälzer, nicht mal was dazwischen, weil stärker geräuchert und grober - ich sehe schon, wir müssen uns mal zu einem Wurstkessel verabreden, und jeder Gast muss die Würscht seiner Heimat mitbringen).

Rinquinquin
Frankfurter

- sind meine Nummer 1, dicht gefolgt von den frängischen Braatwürscht. Leider sind beide Sorten hier bei uns nicht auf die Schnelle verfügbar. Dann greife ich eben auf die Wiener Würstchen von meinem badischen Lieblingsmetzger zurück und die sind auch gut. 

nika
Die Würscht

können wir lassen, aber den Kartoffelsalat nicht. Bei uns heißen die Würschtl: Frankfurter ... 

Also: bei uns gibt es Kartoffelsalat mit : mehr oder weniger ...

Liebstöckel
Warum die Würstchen NICHT aus dem Glas?

Oder aus der Dose? - Da haben die Produzenten wohl etwas falsch gemacht. Als ostdeutsches Urgewächs schwöre ich auf die berühmten Halberstädter oder Döbelner Würstchen - wohlgemerkt aus dem Glas - knackig, rauchig, lecker. Dazu Kartoffelsalat, natürlich mit Mayonnaise angemacht (ich weis, der Süddeutsche verteufelt dies) - Da bin ich in dieser Beziehung der traditionalistischst Traditionalist den es gibt … obwohl die frängischen Braatwürscht @ Rinquinquin mich ein wenig von dieser Linie abkommen lassen …

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