NACHGEBLOGGT: fressack, zwei

Im zweiten Teil unseres Interviews schauen wir voraus und zurück - hinter die Kulissen eines Foodbloggertreffens und auf Fressacks Weg vom Braulehrling zum Äpplermeister.

NACHGEBLOGGT: fressack, zwei
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küchengötter Redaktion

In der Fortsetzung unseres Interviews hier sparen wir uns die Wortklaubereien (fressack mit drei s? Ist der Goldene Engel eine Gruft?) und stellen die existenziellen Schlussfragen: Wie war es? Warum Apfelwein?

 

GU: Der allgemeine Tenor nach dem Foodbloggertreffen bie Dir, der ersten fress:publica. ist überwältigend positiv. Wir haben da trotzdem noch zwei Fragen: Hast Du mit einer solchen Begeisterung gerechnet? Und welcher Gedanke kam Dir öfters in den Sinn -"genauso habe ich mir denjenigen vorgestellt" oder "den hätte ich mir ganz anders gedacht"? War die Menüauswahl besonders schwierig in Anbetracht der zu erwartenden Gästeschaft?

 

fressack: Ich habe natürlich mit positiven Reaktionen gerechnet, insoweit hatte ich da schon Vertrauen in meine Küchencrew. Aber dass das Ganze so ein gewaltiges positives Echo gibt, hätte ich mir nicht erträumt. Dafür dass die Veranstaltung ohne Motto und ohne beabsichtigtes Ergebnis sehr kurzfristig geplant war, hat sich das doch für die fress:publica09 bereits selbst ergeben: In netter Runde Spass haben. Organisatorisch werden wir das nächste Mal eine gewisse Perfektion anstreben, obwohl es keine nennenswerten Einschränkungen gab.

 

Beim Publikum haben sich für mich die Vorstellungen über die Menschen hinter den Posts  und Kommentaren eher bestätigt. Man erfährt ja bei einem Foddblogger durchaus intime Dinge in seinen Posts oder Kommentaren. Man weiss von Vorlieben und/oder Abneigungen und eventuell sogar, mit welchem Lebensmittel man wen vielleicht schon eingeschmiert oder übergossen hat. Kleine Überraschungen gab es an sich nur in den Fällen, wo durch unzureichendes Bildmaterial die Vorstellung dann doch von der Realität abwich, dass z.B. der vermutet ältliche, kleine und beleibte Herr dann doch ein drahtiger Hüne war.

 

Bei der Menüauswahl habe ich mich absichtlich zu Variationen zum Thema Schwein entschieden. Teurere und vermeintlich hochwertigere Produkte wie z.B. verschiedene "Edel"-fische kann jeder einkaufen. Mein Credo ist nach wie vor, das"Gute im Einfachen" zu suchen und zu bieten. Ich glaube, das ist uns mit den wunderbaren Produkten am Samstag gelungen. Auch das Wechselspiel von süss/sauer/deftig war ein beabsichtigter roter  Faden. Schwierig erschien mir das Angebot im Hinblick auf die Gäste nicht, einfach, weil ich mir da keine grossen Sorgen gemacht habe. Foddblogger essen grundsätzlich erst einmal alles. Und wenn dann sogar Temporär-Vegetarier eine Fleischorgie feiern, kann ich für mich nur sagen: Mission erfüllt

 

GU: Ah, ein Wechselspiel! Deswegen konnten wir so viel von alle den Köstlichkeiten essen. Und wohl auch wegen des Apfelweins, den wir nun beide gut finden - einer von Jugend an, eine seit Deiner fress:publica. Wenn Du jetzt einem Bayern erklären müsstest, warum ein Äppler besser als ein Helles ist - wie würdest Du’s angehen?

 

fressack: Man mag es kaum glauben, aber im Jahr 1976 hat der fressack tatsächlich einen Studienplatz an der Uni Freising innegehabt, Studiengang Brauereiwesen und Getränketechnologie. Er war nämlich damals ein begnadeter Biertrinker vor dem Herrn und Apfelwein spielte keine Rolle. Klar, mit Berufsziel Braumeister. Durch einen Bandscheibenschaden und der daraus resultierenden Unfähigkeit, ein Praktikum zu absolvieren, hat sich das sehr schnell erledigt. Da ich damals auch noch ein wenig übergewichtig war, habe ich mein komplettes Trinkverhalten überdacht und schliesslich geändert. Ich bin mehr zum Wein und zwangsläufig Apfelwein gekommen.

 

Hier liegt auch einer der Gründe, warum ich Apfelwein eher als Bier empfehlen würde. Die zwar rechnerisch, aber nicht figurtechnisch anschlagenden 83 kcal/0.25l-Schoppen, die grössere Geschmacksvielfalt gegenüber Biersorten, der höhere Alkoholgehalt (~6,3%) und - weil ich Hesse bin - überhaupt. Wir verstehen uns aber richtig, dass ich stets von handwerklich gekelterten Schoppen spreche, also nicht von sogenannten, meist aus Konzentrat "produzierten", d.h. nicht wirklich gekelterten Industrieschoppen.

 

Ein Bier trinke ich hin und wieder auch gerne, vor allem, wenn ich in Bayern oder Norddeutschland bin. When in Rome, do as the Romans do. Da sollten sich die Touristen ein Beispiel nehmen und bei uns halt Schoppen trinken. Für die, die sich gar nicht trauen, gilt die Touristenweisheit "ab dem dritten schmeckt er". Ich finde ja, das tut schon der erste.

 

GU: Das finden wir auch. Deswegen wollen wir uns nicht länger vom Genuss abhalten und danken Dir - nein, nicht fürs Gespräch, das darf nur Der Spiegel. Fürs Geschwätz und die Getränke. Merci.

 

Das Interview führten Nicole Stich und Sebastian Dickhaut

 

 

 

 

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