NACHGEBLOGGT: Vorspeisenplatte

„Die Kaltmamsell erzählt sich was“ und dabei muß es sich in ihrem Blog gar nicht unbedingt ums Essen drehen. Auch wenn sie das "über Essen schreiben" glücklich macht.

NACHGEBLOGGT: Vorspeisenplatte
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küchengötter Redaktion

Auch wenn der Name "Vorspeisenplatte" erstmal Kulinarisches suggeriert: Rezepte, Kochen & Co finden dort eigentlich nur in einem kleineren Unterbereich, dem Kochblog statt. Wie unterscheidet sich Dein regulärer Blog zum Kochblog (Leser, Kommentare, Feedback, Art des Schreibens, oder was Dir dazu einfällt) und wie kam's zu dieser Zweiteilung?

Da kamen zwei Sachen zusammen:
1. Als ich im September 2003 zu bloggen anfing, damals, liebe Kinder, vor dem zweiten Interkulinarischen Weltkrieg, wollte ich auf jeden Fall eine Ecke für Rezepte - vor allem englische. Diese auf eine eigene Unterseite zu packen, empfand ich als userfreundlich. Gab es damals überhaupt schon reine Rezeptblogs?
2. Ich fand das Wort "Vorspeisenplatte" ganz besonders schön. Als ich zu meiner Überraschung feststellte, dass die Domain www.vorspeisenplatte.de noch frei war, kaufte ich sie. Und somit hieß mein Blog auch so. Sein Name sollte zum einen eine Verbindung zu Essen und Trinken suggerieren, zum anderen hatte mein Blog etwas von einer Vorspeisenplatte: eher Texthäppchen und Vignetten, ganz selten Ausführliches.
Als persönliches Blog wird es seither nicht von einem Thema geprägt, zum Beispiel Essen und Trinken, sondern von meiner Person - die allerdings Essen und Trinken überdurchschnittlich wichtig nimmt. Auffallend dabei: Wenn ich darüber schreibe, sind die Reaktionen immer postitiv, freundlich, hilfreich, unterstützend. Über Essen zu schreiben macht glücklich.

Da höre ich jetzt mal raus, dass es in der Nonfood-Blogwelt nicht immer so beglückend ist. Na dann: Was kann der gemeine Blogger zu seinem Glück vom Foodblogger lernen? Und umgekehrt - z. B. kann so ein gescheiter Streit einen ja auch beglücken bis unterstützen?


Was man von Foodbloggern lernen kann, ist Harmlosigkeit (sic!), im besten Sinn. Der Schreibimpuls ist "da! guckt mal!", die Lesemotivation offene Neugier. Die Foodblogs, die man doof findet, werden ignoriert statt angegriffen; gleichzeitig ist die Unterstützung der Foodblogs, die man schätzt, schnell, groß und herzlich. Die Ausnahmen sind Ausnahmen. Aber ich halte es für durchaus möglich, dass sich das deutschsprachige Foodblogistan lediglich in einem frühen Arkadien befindet, das jederzeit durch einen großen Sündenfall / Streit zerstört werden kann.
Streit... ist sicher theoretisch nützlich, ich selbst kann ihn überhaupt nicht. Diskussion - ja, aber Attacken, Unterstellungen, Beleidigungen schrecken mich sehr.

Abgesehen vom herzlichen Tenor, was sollte ein Foodblog haben, damit Du nicht nur kurz drüberschaust, sondern hängenbleibst und gerne wiederkommst? Über den Daumen gepeilt, wieviele gehören zur mehr oder weniger regelmäßigen Lektüre?

An einem Foodblog bleibe ich aus denselben Merkmalen hängen wie an einem Kochbuch: Zunächst ziehen mich interessante Fotos an. Zur treuen Besucherin werde ich, wenn die Rezepte dazu gut sind - sei es wegen inspirierender Ideen, oder weil sie verlässlich nachkochbar sind. Verlässlichkeit vermute ich eher bei Postings in längeren Abständen, gerne auch mit dem Vermerk, es handle sich um ein oft probiertes oder über die Zeit perfektioniertes Rezept; meine Erfahrung hat das bislang bestätigt.
Ans Herz wachsen mir aber auch Blogs mit schönen Foodgeschichten. Wie bei allen Blogs bevorzuge ich die, in denen eine Person erlebbar wird.
Regelmäßig lese ich etwa 30 Foodblogs deutsch und englisch, darunter
Frau Ulrike wegen verlässlicher Rezepte
Frau Chili ebenso und wegen ihrer Techniktipps (sowohl im Sinne von Gerät als auch Zubereitung)
Kulinaria wegen Bildern und Schrägheit
Herrn Paulsen wegen der Geschichten
Frau Katha wegen allem genannten.
    
Für viele ist ja Kochen und Essen eine große Entspannung vom harten Alltag. Könnte es sein, dass Dein Kochblog Dir auch manchmal ein Erholungsecke ist vom harten Alltagsblogleben mit seinen Ritualen und Provokationen?

Ach nein, das Essen und Kochen ist wie jedes andere Thema in meinem Blog einfach Teil meines Lebens. Allerdings ein Teil, der fast ausschließlich positiv besetzt ist. Ich ärgere mich schriftlich höchstens Mal über schlecht übersetzte Rezepte.

Ein gutes Stichwort - Rezepte! Welche liegen Dir besonders am Herzen und wie fanden Sie den Weg zu Dir? Blog, Buch, Mundpropaganda oder doch ganz anders?


Am innigsten mag ich Rezepte mit persönlicher Geschichte, zum Beispiel:
- das Hühnchenrezept, das meine spanische Großmutter mangels eigener Schreibkenntnisse ihrer Nachbarin diktierte
- das Trifle-Rezept, wie ich es von meiner englischen Kommilitonin während meines Auslandsstudiums in Wales bekommen habe
- die Kürbis-Lasagne von Don Dahlmann - das erste Rezept aus einem Blog, das ich nachgekocht habe, eigentlich sogar das erste Rezept aus dem Internet
Das Nachkochen dieser Gerichte hat immer etwas Rituelles; das bedeutet unter anderem, dass sie genau so zubereitet werden müssen, selbst wenn ich Verbesserungen wüsste.

Dein Rezeptblog  ist sehr individuell und wirkt dabei völlig  vertrauenswürdig, so wie - pardon - diese Landfrauenkochbücher. Gibt es Merkmale oder Signale, an denen Du sofort erkennst - das ist ein gutes Rezept, weil gut für mich und weil es sicher funktioniert? Eher in Blogs oder Büchern? Und gab’s da auch schon echte Reinfälle?


Mit den Jahren habe ich für die Vertrauenswürdigkeit von Rezepten tatsächlich Kriterien gefunden - zumal ich schon immer viel und gern nach Rezepten gekocht habe (Kochbücher gehören zu den wenigen Büchern, in die ich mit Kuli Notizen schreibe).

Pro: Autor / Autorin schildert eigene Erfahrungen mit dem Rezept, antizipiert Reaktionen (z.B. "nicht schrecken, Teig ist sehr weich"), gibt Tipps für den Erwerb seltener Zutaten; Garzeiten entsprechen meinen Erfahrungen, Zubereitungsablauf ist realistisch.
Contra: enthält extrem schwer erhältliche Zutaten ohne Einkaufstipp oder Ersatzvorschlag, nennt keine Garzeiten, dafür Zubereitungsaberglauben (z.B. scharf anbraten, "damit sich die Poren schließen"), Reihenfolge der Zubereitung ist unpraktisch.
Reinfälle sind natürlich trotzdem möglich: sehr aufwendige Gerichte, die langweilig schmecken.

Interviewst Du lieber oder wirst Du lieber interviewt?

Ich interviewe lieber, ganz eindeutig. Es ist spannender, etwas rauszufinden und es dann weiterzuerzählen, als rausgefunden zu werden. Das sollte erklären, warum ich beruflich auf der Journalistenseite von Interviews gelandet bin, statt die so viel näher liegende Karriere des Superstars zu ergreifen.

 

Das Interview führten Nicole Stich und Sebastian Dickhaut

 

 

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Frau Ulrike

sagt herzlichen Dank das Kompliment über die Verlässkeit ihrer Rezepte und dankt ihrerseits für die inspirierenden Einsichten einer Kaltmamsell.

Petra Holzapfel
Und Frau Chili

schließt sich an :-)

 

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