Schnell, schneller, ... Steffen Henssler im Interview – Teil I

Fernsehkoch Steffen Henssler im Interview mit den Küchengöttern. Ein Gespräch über Marathon laufen in der Küche, Geldmache im Sushi-Geschäft und Notfallessen im Eisiglu.

Schnell, schneller, ... Steffen Henssler im Interview – Teil I
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küchengötter Redaktion

Steffen Henssler ist ein Mann von der schnellen Truppe. Nicht nur, dass er auf schnelle Autos steht und diese auch gerne mal zeigen lässt, was sie so drauf haben (natürlich nur auf der Autobahn). Der Fernsehkoch ist vor allem bekannt dafür, am Herd Gas zu geben. Küchengöttin Bettina stand er gerade 15 Minuten Rede und Antwort. Was es da zu hören gab, lest einfach selbst.

 

Praktische Kochprüfung: 4, theoretische Kochprüfung: auch eine 4 – Und heute sind Sie einer der bekanntesten Fernsehköche Deutschlands und haben zwei eigene Restaurants. Wie passt das denn bitteschön zusammen?

Ich habe damals in einem sehr guten Laden gelernt, der zu den 30 besten in Deutschland gehörte. Zum einen war die Art und Weise, wie ich dann in der Prüfung gekocht habe, den Prüfern ein bisschen fremd. Zum anderen, theoretisch ... (zögert) ... hätte ich etwas mehr lernen können (lacht).

 

Aber wenn es heute trotzdem klappt, dann passt es ja. Wann sind Sie denn auf die Idee gekommen, Fernsehkoch zu werden? Gab’s da diesen einen bestimmten Augenblick?

Das war eher Zufall, weil ich damals beim NDR bei einer Sendung mitgemacht habe. Ich wurde von Fernsehkoch Rainer Sass gefragt, ob wir nicht mal zusammen kochen wollen. „Alles klar“, hab ich gesagt. Dann haben wir sein rotes Kochmobil ins Restaurant reingeschoben und haben da zusammen gekocht. Das kam beim Sender ganz gut an. Dann haben wir bei einer Ostersendung nochmal ein bisschen zusammen gekocht und danach kam der Sender zu mir und sagte: „Mensch, Du stellst Dich vor der Kamera ja ganz gut an, kannst Du dir vorstellen was eigenes zu machen?“ Da hab ich gesagt: „Ja natürlich kann ich mir das vorstellen“. Und dann hatte ich meine erste eigene Sendung im NDR, damals „Hensslers Küche“ . Und so ging’s dann los.

 

Und was macht mehr Spaß: Mit Laien oder mit anderen Profiköchen vor der Kamera zu stehen?

Wenn ich mit Laien vor der Kamera stehe, dann ist das bei „Topfgeldjäger“. Und das ist ja meine eigene Sendung, die ich selbst moderiere und das macht mir schon mehr Spaß, als wenn ich irgendwo anders bin.

 

„Topfgeldjäger“ läuft an fünf Tagen die Woche, hinzu kommen „Lanz kocht“ und die „Promi-­‐Kocharena“ – Kochen Sie inzwischen eigentlich mehr vor der Kamera oder ohne Kamera?

Mittlerweile wahrscheinlich schon mehr vor der Kamera. Ich bin ja jetzt auch mit der Bühnenshow unterwegs und dann all diese ganzen anderen Sendungen ... Aber mir macht das ja sehr viel Spaß und deswegen ist das auch ok, wie es ist.

 

Ihr neuestes Kochbuch heißt „Schnell, schneller, Henssler“ und auch sonst sind Sie ja bekannt dafür, mal gerne etwas schneller unterwegs zu sein. Gibt es denn auch ein Gericht, für das Sie sich noch wirklich viel Zeit nehmen?

Ja, natürlich. Mit den Kochshows will man ja auch Leute zum Kochen bewegen und wenn man den Leuten sagt „Du musst Dich jetzt ne Stunde in die Küche stellen“, schreckt das ab. Das ist wie mit Marathon laufen. Du fängst ja auch nicht mit einem Marathon an, sondern fängst mit zwei, drei Kilometern an. Und genauso ist es in der Küche. Dann lieber erst einmal ein Gericht, was 10, 15 Minuten dauert. Dich hinstellen, einen Schmorbraten machen und dann durch die Ofentür gucken und sich freuen, dass das Ding da zwei Stunden schmorrt - das kommt dann schon irgendwann früh genug. Aber auch zu Haus koche ich eher immer schnell. Ich find das einfach super.

 

Aber dann immer mit frischen Zutaten oder greifen Sie auch mal auf Convenience zurück?

Wenn, dann mach ich das auch lecker und frisch.

 

Ich frage, weil das gerade auch ein ganz großes Thema in unserer Community ist und es die Leute interessiert, wie Sie dazu stehen.

Ich versteh es, wenn Leute hier und da mal auf solche Sachen zurückgreifen. Ich würde auch Fast Food jetzt nicht komplett verteufeln und sagen das ist alles böses Zeug. Es ist nun mal ein Bestandteil unserer Ernährung. Aber es darf natürlich nicht zu viel sein. Es ist grundsätzlich einfach traurig zu sehen, wie wenig wir uns teilweise selber wert sind, was das Essen angeht. Das ist schon bedenklich.

 

Anderes Thema: Sie sind bekannt für Ihre Sushi-­‐Qualitäten. Woran erkennt der Laie ein gutes Sushi-­‐Restaurant oder einen gutes Sushi-­‐Lieferservice ... wenn nicht gerade Ihr Name bei den Eigentümern steht?

(lacht) Der Reis muss Zimmertemperatur haben und leicht zerfallen. In Restaurants, in denen das Sushi auf dem Teller schon drei Runden gedreht hat, bevor der Teller genommen wird, wird es natürlich immer trockener. Ein Sushi, was direkt vor deinen Augen zubereitet und vor deinen Augen gerollt wird, das hat natürlich immer eine höhere Qualität. Und das Verhältnis von Reis und Füllung ist entscheidend. Du willst ja nicht Reis essen, sondern auch was von der Füllung schmecken. Und die meisten sparen an der Füllung, weil es natürlich günstiger ist mehr Reis reinzuhauen. Wenn das Verhältnis Reis zu Füllung stimmt, wenn es mehr Füllung als Reis ist, dann weißt du, es geht nicht ums Geld machen.

 

Eine weitere Leidenschaft von Ihnen ist Entertainen. Sie sind seit letztem Jahr mit Ihrer Show „Meerjungfrauen kocht man nicht“ unterwegs. Warum geht man als Koch eigentlich auf Tour? Was zieht Sie auf die Bühne?

Das ist nochmal was anderes. Fernsehen ist die eine Sache, also zu moderieren, selbst wenn da ein, zwei, drei Millionen Leute zugucken. Aber sich abends auf die Bühne zu stellen und zu performen, die Leute zu entertainen, das ist direkter Kontakt. Das macht das ganze sehr, sehr spannend. Und es macht unheimlich viel Spaß, weil du die Reaktion direkt von den Leuten bekommst. Du merkst, wie der Abend ankommt, wie es läuft. Und es macht einfach Laune unterwegs zu sein wie so ne Rockband, mit Nightlinern, Truck und so. Du gehst raus. Da sitzen tausend, zweitausend Leute, die wegen dir gekommen sind – das ist ein geiles Gefühl.

 

Nicht verpassen: In Teil II des Interviews wurden die Fragen der Küchengötter-­‐Community gestellt. Und etwas zu gewinnen gibt es auch!

 

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