Streetfood in London

Der neueste Trend in London: Streetfood. Statt Bratwurst und Sauerkraut werden hier allerdings vietnamesische Suppen, mexikanische Burritos oder gar Gänseleber offeriert.

Streetfood in London
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Johanna Wagner

Kulinarische Trends sind ja so eine Sache. Sie verbreiten sie sich meist wie ein Lauffeuer und sind ein paar Monate oder Jahre später wieder von der Bildfläche verschwunden - und in London scheint alles noch schnelllebiger zu sein als andernorts. Da kommt ein Fernsehkoch und macht Goji Beeren, Daikon oder Innerereien salonfähig und schon findet man es auf jeder Speisekarte – bis zum nächsten Trend. Das selbe Schicksal erfahren Restaurants. Etwa die Hälfte der Lokale, die in der britischen Hauptstadt aufmachen, sperrt innerhalb eines Jahres wieder zu – so groß ist die Konkurrenz. Somit verändert sich das kulinarische Spektrum im Halbjahrestakt - beinhart für den Gastronomen, für uns Kunden natürlich spannend und abwechslungsreich.

Durch die Internationalität der Stadt halten immer wieder Trends hier Einzug, die in anderen Ländern und Kontinenten schon lange Fuß gefaßt hatten, von Einwanderern der jeweiligen Kulturgruppe mit offenen Armen aufgenommen, in der Folge vom Rest der Stadt mit Begeisterung ausprobiert werden. Hier ein Laden im Stil New York’s Magnolia Bakery, da eine Art Wiener Kaffeehaus, dort ein Dim Sum Tempel oder ein arabisches Sheesha-Café. Manche bleiben ein Unikat, andere werden schamlos kopiert und manchmal verbessert, von den einen geliebt, von den anderen durch den Dreck gezerrt. Anfang der 90er war Fusion Food der Trend schlechthin und ein sicheres Ticket zum Erfolg, in den letzten drei, vier Jahren gab’s kaum eine Kneipe, die nicht ein Gastropub sein wollte – aber auch das ist schon wieder passé. 2009 ist Streetfood in aller Munde.

Mit dem bekannten Faible für exotische Küchen sind vorwiegend Einflüsse aus Asien präsent, aber auch Lateinamerika ist stark vertreten. Zu bemerken ist, daß es sich in den meisten Fällen nicht um Verwandte der deutschen Würstchenbuden handelt, sondern um eher kleinere Lokale mit simplem Dekor, kurzer Karte und einfachen Gerichten, die schnell serviert und konsumiert sind, vor allem aber nicht die Welt kosten. Die Nase vorne haben natürlich die Asiaten, für die streetfood kein Trend sondern eine Lebenseinstellung ist.

Dim Sum hat die Stadt schon seit Jahren fest im Griff, neben Yauatcha und Ping Pong bieten auch immer mehr Chinesen in Chinatown die beliebten dampfenden Teigtäschchen an – allerdings traditionell nur tagsüber. Im vietnamesischen Phô ißt man erst Frühlings- und Sommerrollen, dann große Schüsseln dampfender Suppe (Pho) mit Asia-Nudeln, Gemüse, Fleisch oder Meeresfrüchten und nach Geschmack Sojasprossen, Minze, Chilli und Limettensaft. Zum Abschluß weasel coffee: die vom Wiesel gefressenen und wieder hevorgewürgten Bohnen geben dem Kaffee ein nußig-würziges Aroma – schmeckt weitaus leckerer als es klingt!

Wahaca ist seit Ende letzten Jahres die neueste coole Adresse der Stadt: hier serviert eine ehemalige Gewinnerin von MasterChef mexikanische Spezialitäten so, wie man sie in Mexiko landaus, landein auf den Märkten und Straßenecken vorfindet: tacos, flautas, burritos… hier findet man sogar huitlacoche (ein Pilz, der im Maiskolben wächst), agua fresca und sündhaft gute Tamarinden-Margaritas.

Streetfood im eigentlichen Sinn hat auch eine Renaissance erlebt. In einem Land, wo das Essen auf der Straße eigentlich verpönt ist, beschränkt sich das Angebot allerdings auf die zahlreichen Märkte der Stadt. Auf den Borough Market, den berühmtesten Spezialitätenmarkt der Stadt, geht man längst nicht mehr (nur) zum Einkaufen: man kann sich erst als Gaumenkitzler an diversen Kostproben erfreuen, die einem hier förmlich aufgedrängt werden, um sich dann den Bauch vollzuschlagen mit diversen Burgern (Chorizo, Vogelstrauß, Reh um nur einige wenige zu nennen), frischen Austern, gegrillten Jakobsmuscheln, Pellkartoffeln mit geschmolzenem Raclettekäse oder arabischen Fladen gefüllt mit Falafel, Baba Ghanouj und Taboulé… sogar deutsche Würste sind hier vertreten. Die sich um die benachbarten Stände windenden Menschenschlangen sind meist Indiz dafür, daß sich die Warterei lohnt! Der Borough Market ist am Freitag auch neue Heimat für geschniegelte Banker, die im Vorjahr noch mit ein paar Flaschen Dom Perignon bei Gordon Ramsay das Wochenende eingeläutet hätten… jetzt überqueren sie schnell mal den Fluß, um sich in der Mittagspause unter das Fußvolk zu mischen und mit gefährlichen Verrenkungen den Chutney-Fleck am Schlips zu vermeiden.

Ein ganz neues Konzept im Stil des Streetfood gibt’s jetzt auch im neuesten Einkaufszentrum Londons. Neben einer großen Auswahl an Restaurants rund um den Komplex (überwiegend qualitativ hochwertige Ketten) gibt es auch drinnen da und dort designierte “Food-Zonen”. Hier holt man sich von diversen kleinen Buden was das Herz begehrt, um dann gemeinsam Platz an einem der Tische in der Mitte zu nehmen. Das Einzigartige daran ist aber die Wahl der Anbieter: statt Burger King oder einem mickrigen Sandwich gibt’s hier neben oben erwähntem Pho mit seinen vietnamesischen Spezialitäten zum Beispiel Dim Sum von Bamboo Basket, britische Gourmet Pies, indische Tiffinbites, frische, maßgefertigte Salate von Tossed und auch einen Ableger des Haubenlokals Club Gascon (Croque Gaston), wo auch Gänseleber und Cassoulet auf der Karte stehen. Bei so leckerem Essen erledigt man das Anprobieren diverser Kleider besser vor dem Lunch!

 

Pho
3 Great Titchfield Street,
London, W1W 8AX
U-Bahn: Oxford Circus


Im Westfield Shopping Centre
The Balcony
(Das Zentrum ist so groß, daß man auch innerhalb Adressen braucht!)
London, W12 7GE
U-Bahn: Shepherd’s Bush


Wahaca
(keine Reservierung möglich)
66 Chandos Place
London WC2N 4HG
U-Bahn: Covent Garden

1074 Westfield Shopping Centre
(wer die Schlangen vor dem Lokal in Covent Garden vermeiden möchte, ist hier gut beraten!)
Ariel Way
London W12 7GB
U-Bahn: Shepherd’s Bush


Ping Pong
(12 Lokale in London)
Festival Terrace, Southbank Centre
London SE1 8XX
U-Bahn: Waterloo, Embankment

45 Great Marlborough Street
London W1F 7JL
U-Bahn: Oxford Circus


Yauatcha
15-17 Broadwick Street
London, W1F 0DL
U-Bahn: Oxford Circus, Tottenham Court Road


Borough Market
(obwohl viele Geschäfte auch wochentags offen sind, lohnt sich der Besuch am meisten am Freitag und Samstag, wo der Markt förmlich überquillt)
U-Bahn: London Bridge


Westfield Shopping Centre
Ariel Way
London W12 7GF
U-Bahn: Shepherd’s Bush


Johannas Phô -Rezept findet sich hier »


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