SYDNEY - die faszinierendste Silvesterparty der Welt

Jedes Jahr wird der riesige Naturhafen der australischen Metropole zur Bühne für die erste Silvesterfeier der westlichen Welt. Umso ruhiger bleibt es zu Hause.

SYDNEY - die faszinierendste Silvesterparty der Welt
0
Kommentare
Sebastian Dickhaut

Bei unserem ersten Silvester in Sydney sind wir noch raus auf die Straße gelaufen. Denn wenn Weihnachten hier schon draußen stattfindet, dann Silvester doch erst recht, dachten wir. Weil in Australien im Dezember Hochsommer ist, haben wir den Gasgrill angeworfen, ein paar Prawns draufgeworfen, einen Sparkling Shiraz kaltgelegt und mit Familie und Freunden gemütlich in Richtung Mitternacht gefeiert. Dass es keine Kracher und Raketen zu kaufen gab, hatten wir schnell begriffen - bei einer Adventsdurchschnittstemperatur von 35 Grad ist jeder Eukalyptusbaum knochentrockener Zunder randvoll mit Öl, den jeder Funken in eine sprühende Feuerfontäne verwandeln kann. Und da Sydney voller Eukalyptusbäume ist, könnte schon eine verirrte Feuerwerksrakete einen riesigen Waldbrand verursachen.

 

Aber wir wollten wenigstens um Mitternacht mit all den Nachbarn anstoßen, schnappten uns also kurz vor dem Countdown unsere kühlen Shiraz, während der Rest des Festes uns nur milde lächelnd anschaute, und liefen vors Haus. Wo es totenstill war - keine Kracher, keine Nachbarn, keine Korken. Denn anders als das angenehm offene Weihnachten findet Silvester in Sydney entweder im "Backyard" statt, dem Garten hinterm Haus - oder auf der größten Bühne der Welt, dem Hafen von Sydney, wo die Stadt ihr offizielles Feuerwerk abhält. Dort waren die meisten unserer Nachbarn. Und im nächsten Jahr auch wir.

 

Rund eine Million Menschen versammeln sich jedes Jahr zum 31. Dezember auf den Parkwiesen und Anlegern, Dachterrassen und Balkonen rund um den kilometerlangen Naturhafen der Stadt. Gleich hinter der Oper werden die Picknickdecken ausgebreitet, von denen die Kakadus bald erste Baguettkrümel picken. Klassisch werden "Chicken & Champagne" aus dem „esky” (australisch knapp für Kühlbox) geholt, populärer ist aber die Combo Sandwich und Bier. Und mit ein bisschen Geschick könnte man an diesem Tag wohl auch auf die andere Seite des Hafenbeckens hüpfen, denn das Wasser ist bedeckt mit kleinen Booten und großen Yachten, die sich schon vormittags in Position für die faszinierendste Silvesterparty der Welt gebracht haben.

 

Die Logenplätze aber sind die Balkone und Terrassen der Villen und Appartmenthäuser rund um das innere Hafenbecken - hier hat man den besten Blick auf die eigentlich Bühne des ganzen Spektakels, die Harbour Bridge. Schlag 12 steigen von hier die ersten Raketen in den Himmel und krachen das erste Silvester der westlichen Welt ein. Was dann folgt, ist eine jedes Jahr berauschendere Inszenierung aus Licht, Lärm und Musik, begleitet von Ahs und Ohs aus Hunderttausenden von Kehlen. Von Pontonen auf dem Wasser, von Piers, von Hochhausdächern sprüht, funkt und kracht es, gewaltige Feuerbälle und Flammenregen spiegeln sich im schwarz glänzenden Wasser der Mole, dazu dröhnen die Sirenen der Boote bis nach 30, 40 Minuten die Harbour Bridge sich in eine Lichtskulptur verwandelt. Und dann liegt sich eine ganze Stadt in den Armen und ist sich sicher, dass zumindest zu Anfang des Jahres wieder einmal die ganze Welt auf sie geschaut hat. Und dass sogar drei Stunden zu früh! Denn die familienfreundlichen Australier lassen es schon um neun in der Stadt krachen, damit die Leute rechtzeitig zum Anstoßen wieder zu Hause sind - im Backyard, nicht vor dem Haus.

 

Einen guten Start ins Neue Jahr!

 

 

 

 

Hier könnte dein Kommentar stehen ...
Noch nicht eingeloggt?

Hier könnte dein Kommentar stehen :-)

Anzeige
Anzeige
Login