Von Tisch zu Tisch: Nach Paris des Essens wegen

Fährt man mit dem Ältesten in Frankreichs Hauptstadt und denkt dabei immer nur ans Kochen, Essen und Trinken, liegt das Glück nicht fern. Selbst in der Touristenfalle.

Von Tisch zu Tisch: Nach Paris des Essens wegen
0
Kommentare
Sebastian Dickhaut

“Nach Paris der Liebe wegen” ist eine 50er Jahre-Komödie mit Alec Guiness, der - was sonst - einen britischen Oberst spielt, der seinen Sohn in Paris zum Kavalier machen will. Irrungen, Verwirrungen und Turbulenzen inklusive, wie es sich für eine Komödie der 50er gehört. Ich war jetzt auch mit meinem frisch 18jährigen Sohn in Paris - aber es ging uns nur ums Essen. Aktiv wie passiv.


Es war ein schöner Zufall, dass wir gerade jetzt die Einladung vom Goethe Institut Paris bekommen hatten, etwas original bis originell Deutsches zur Kulinarischen Filmnacht dort zu servieren. Und weil der Älteste bei sowas auch oft mein Assistent ist, war der Plan “Papa zeigt Paris” schnell gefasst.


Erste Station: TGV. Speisewagen. Wie bei den Italienern und Österreichern auch hier das Erstaunen, dass Nationen mit Hang zum Genießen offenbar Zugfahren für ungenießbar halten und sich deswegen in der Bordküche gar nicht erst groß Mühe geben. Wir essen Croque Monsieur und sagen uns, den hätten Lichter oder Schuhbeck auch nicht schlechter hinbekommen.


Touristenfalle? Man muss sich auch mal fallen lassen.


Unser Hotel liegt im Quartier Latin, gleich um die Ecke der Sorbonne - ein guter Platz. Kultur, Klischee und ein kleines Kino nach dem anderen vereinen sich hier zu einer Mischung, die für jeden was bereit hält. Dazwischen immer wieder kleine Cafes und Brasserien, der Jardin du Luxembourg liegt ums Eck und zur Seine mit ihren Inseln ist es auch nicht weit.


Am Abend streunen wir aber am Pantheon vorbei, und als uns tatsächlich ein 2CV in der Stille entgegenholpert, ahnen wir, dass gleichwas  passiert. Und fünf Minuten später hocken wir bei eclair und café vorm Cafe Delmas an einem kleinen Bilderbuchplatz mit Rondell und Platanen mittendrin sowie Brasserieterrassen rundum. Touristenfalle? Ja mei, man muss sich auch mal fallen lassen. Und es hätte auch schlimmer kommen können.

Aber erst einmal waren wir zum Kochen da: Tatar vom Schwarzwälder Schinken mit Pain Frittes vom Bauernkrustenbrot haben wir am Tag darauf gemacht und damit am Abend gut 120 germano- und cinephile Bewohner von Paris im Goethe Institut glücklich gemacht.


Wir selbst hatten uns schon zu Mittag ums Glück gekümmert, beim Mittagessen in der Brasserie Waknine mit unseren Mitköchinnen, dank deren Fleiß wir gut zwei Stunden bei vielen guten Dingen sitzen bleiben konnten. Für die ebenso feinen Sache vom Kiosk Le Stube im Goethe Institut war da kein Platz mehr, aber Currywurst und Eierschecke kriegen wir vielleicht auch daheim, wenngleich nicht mit solcher Eleganz.


Cidre aus Tassen und knusprige Galettes


Da wir am Abend die Seine entlang zum Hotel gestreunt waren, musste mittags drauf noch ein wenig abgeholt werden im Institut und auf dem Weg dorthin fiel uns eine kleine Crêperie auf. Und da Crêpes ganz oben auf der To-eat-Liste standen beim Ältesten, saßen wir bald schon auf den grünen Kunstlederbänken des Le Grenier à pommes tranken Cidre aus Tassen und aßen schön knusprige Galettes und zum Nachtisch ordentliche Crêpes.


Der übrige Tag gehörte der Kultur, weil es erstens regnete und zweitens Tag des offenen Denkmals war. Nach der Sorbonne wollten wir noch in die Alte Nationalbibliothek an der Rue de Richelieu, aber die war wegen Umbau geschlossen und so retteten wir uns in eine kleine feine Passage an deren Ende ein feines kleines Bistro nur auf uns wartete - das Bistrot Vivienne.


Paris wie es kommt und man’s mag


Man kann sicher authentischer, elaborierter und faszinierender dinieren in Paris, aber für unsere Mission war der gepflegte Mainstream in schöner Kulisse gerade so recht wie das Tatar mit feinen Fritten und die Mousse au Chocolat mit gesalzener Butter - Paris wie es kommt und wie man’s mag.


Zur Belohnung gab es dann am nächsgen Tag noch ein Sonnenfrühstück direkt vor dem Gard du Nord, bevor es wieder mit dem Croque-Express nach München ging. Im Gepäck drei Sätze fürs Leben. 1: “Auch Touristen können in Paris gut essen.” (ich) 2:”Die berüchtigten arroganten Kellner treffen wir bestimmt beim nächsten Mal.” (wir) 3: “Mein Highlights? Das Mittagessen im Waknine und das Abendessen im Vivienne.” (der Älteste). Mission erfüllt.

Von Tisch zu Tisch: Nach Paris des Essens wegen
Von Tisch zu Tisch: Nach Paris des Essens wegen
Anzeige
Anzeige
Hier könnte dein Kommentar stehen ...
Noch nicht eingeloggt?

Hier könnte dein Kommentar stehen :-)

Login