WIEN: Auf der Suche nach dem rechten Kaffee

Einen guten Kaffee in Wien zu finden, das ist gar nicht mehr so leicht. Was unseren Caficionado Sebastian Dickhaut aber nicht sehr bekümmert, denn die Suche ist das Ziel.

WIEN: Auf der Suche nach dem rechten Kaffee
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Sebastian Dickhaut

Die Küchengötter wollen Euch 2013 mit auf kulinarische Entdeckungsreise nehmen. Dieses Mal geht es mit Sebastian durch Österreichs Hauptstadt. Mit an Bord: Insider-Tipps für alle Reisehungrigen und -durstigen.

 

Ich bin gerne in Städten und auch wieder gerne in Wien. "In welche Ausstellung willst Du gehen?" wurde ich gefragt, als ich vor ein paar Wochen eine Reise dorthin plante. Nun, in keine. Denn wer braucht Museen, wenn es Kaffeehäuser gibt? Da kann man der Stadt wie der Kunst beim Leben zuschauen und bekommt auch noch was zu trinken und zu essen. Das habe ich dann vor allem in Wien gemacht, Kaffee getrunken. Und bin dabei durch eine Metamorphose gegangen.

 

Wo ich den allererste Kaffee getrunken habe, weiß ich nicht mehr, denn es war im fahrenden Zug. Sagen wir St. Pölten. Der war aus der Kapsel vom Gangtrolley, was ein echter Fortschritt ist gegenüber den Magenfaustkaffees aus Thermoskannen, die nicht nur hier früher stundenlang durch die Züge gerollt worden. Allerdings habe ich in einem tschechischen Speisewagen auch schon mal eine Siebträgermaschine in Betrieb gesehen, die allerdings keiner bedienen konnte.

 

So ein Gerät suchte ich am Westbahnhof dann vergeblich in der von innen immer noch wunderschönen Haupthalle, die von außen inzwischen durch zwei Einkaufspassagenriegeln arg bedrängt wird. Die machten mir Angst, die ich mit Geflügelleberschnitten und Eistee bekämpfte. Auch ohne Kaffee ein sehr wienerisches Entrée (hier hat man auch das schöne Wort Gabelbissen dafür), denn die Schnitten waren von der berühmten Brotschmiererei Treszniewski, die an ihrem Bahnhofsstand Tee in Flaschen von Demmers Teehaus anbietet, einer weiteren Institution.

 

Mit dem E-Bike auf Kaffeesuche

 

Doch weiter mit Kaffee. Den ersten nahm ich wunderschön im Innenhof des Hotels Stadthalle, das auch sonst weit mehr ist als der Name denken lässt: Boutiquehotel, Null-Energie-Bilanz, Lavendel auf dem Dach, sehr gutes Frühstück, gut geschultes wie geführtes Personal, das jeden Gast beim Ankommen fragt, mit was er denn gereist sei und wie das denn war. Das mögen aufgeklärte deutsche Ehepaare wie radlreisende Gruppen und ich komme da auch immer wieder hin. Weniger wegen des Kaffees, aber dafür geht man ja auch nicht ins Hotel.

 

Zum Wegfahren haben sie E-Bikes die wie Motorroller aussehen, was immer wieder zu interessanten Gesprächen unterwegs führt, besonders auf Fahrradwegen. Mit so einem Gerät eben mal über den Ring an den Historischen Museen vorbei durch die Hofburg zum Graben zu schnurren, das hat schon was Befreiendes in all dieser steinernen Pracht. Von der kann man sich dann am Naschmarkt vollends erholen. Vielleicht nicht an einem Samstagmorgen, wenn sich hier alles durch die engen Standlgassen drängt und eigentlich auch nicht gegen Feierabend, wenn er zum Nippmarkt wird, weil die Wiener hier nun an Weinen, Bieren und Cocktails nippen in den immer gastronomischer werdenden Marktpavillons. Ich setzte mich auf einen Kaffee dazu, der von Meinl war und sehr italienisch schmeckte. Auch gut.

 

Oh je, dann lieber Tee 

 

Also gut, machen wir es kurz und ehrlich: So einen richtig guten Wiener Kaffee, der einfach anders schmeckt als die anderen, habe ich nur einmal getrunken - vor der Konditorei Angelmayer, die in einem sehr multikulturellen Viertel mit täglich frischen Schneeballen, Schaumrollen und Schweinsohren eine kleine Altwienerische Insel darstellt, was vielleicht meinen Geschmackssinn ebenso beeinflußt haben mag wie die Schlagsahne obenauf, die eigentlich jeden Kaffee ein bisschen wienerischer schmecken lässt - weswegen die Italiener den Kapuziner dann auch "Capuccino Viennese" nennen.

 

Und was ist eigentlich mit den Kaffeehäusern, fragt Ihr? Da habe ich es tatsächlich nur in eines geschafft, das Traditionshaus für die Abreise, das Cafe Westend am Westbahnhof, dessen schönes Inneres sich ganz oben im Bild entfaltet. Aber das, was sich da in der Tasse entfaltet, das ist doch kein...? Genau, das ist Tee. Mit dem ich mich darüber hingweggetröstet habe, dass der Kaffee hier inzwischen aus dem Vollautomaten kommt.

 

Weswegen ich aber beim nächsten Mal auch nicht gleich ins Museum gehen, sondern mich einfach weitertreiben lassen werde durch diese Stadt, in der das so wunderbar geht, ohne sich ein Ziel zu setzen. Und wenn ich dabei auf einen guten Kaffee stoße, ist es gut, und wenn nicht, ist es zumindest wieder eine gute Geschichte. Und wenn Ihr so eine zum Kaffeetrinken habt oder einen guten Tipp dazu für uns, immer her damit, muss auch nicht aus Wien sein.

 

P.S.: Ob mit dem E-Bike, mit einem richtigen Rat oder der Tram - immer gut ist ein Ausflug in die Steinhofgründe, den Park um die Psychiatrische Klinik der Stadt mit der berühmten Jugendstilkirche. Wien auf entrückte Art - weswegen Kaffee hier auch kein Thema ist.

 

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