Wien mit Weihnachten - und ohne

Da wir mit dem Last-Minute-Weihnachtstipp sehr auf die letzte Minute sind, schwärmen wir von Europas schönster Weihnachtsstadt für jene mit, die nur so nach Wien wollen.

Wien mit Weihnachten - und ohne
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Kommentare
küchengötter Redaktion

Dies sollte ein hübscher Last-Minute-Mainstream-Bericht für alle werden, denen der schnöde Konsum- und Glühweinrausch zur Weihnachtszeit zuwider ist, ohne dass sie gleich den Advent zur nur von flackernden Kerzen erleuchteten Fastenzeiten bekehren wollen; die es also durchaus auch vor dem Heiligabend gerne festlich haben und dabei auch ein bisschen auf Stil achten – es ist ja immerhin schon über 2000 Jahre her, dass Maria und Josef zu dieser Zeit arm und einsam durch die Wüste ziehen mussten, bis sie endlich mit Königen, Engeln und Gottes Sohn Weihnachten feiern durften.

Seitdem hat sich einiges geändert – unter anderem das Veröffentlichungsdatum dieses Weihnachtsberichtes aus Wien, für den wir extra Beate Muschler und Sebastian Dickhaut getrennt voneinander in den Nahen Osten geschickt hatten. Beide kehrten so beseelt wie entspannt zurück und wurden daher voll vom Münchner Weihnachtsterror erwischt – weswegen es ein bisschen gedauert hat, bis wir alle ihre Tipps beisammen hatten. Und wenn wir die so lesen, haben sie die geplanten Weihnachtsrouten nicht immer eingehalten. „Warum auch”, sagen sie, „wenn man sich in Wien nicht treiben lässt, hat man eh verloren.” Womit wir jetzt alle gewonnen haben: einen Spaziergang durch Wien zur Adventszeit für Schnellentschlossene oder Langplaner plus Alternativtipps für Weihnachtsmeider und alle sonstigen Wienreisenden mit Geschmack.

Wir beginnen am Altwiener Christkindlmarkt, der sich mitten im Alten Wien an der Freyung zwischen imposante Bauten schmiegt und wo man hübsche individuelle Kleinigkeiten finden kann, die aber noch nicht so nach ambitionierter Spinnstube und Künstlerhandwerk riechen wie am Spittelberg – davor schützt einen schon das mondäne Umfeld. Wer es ein wenig gewöhnlicher haben will (was in Wien immer noch auf einem hohen Niveau liegt), kann hinüber zum Weihnachtsmarkt am Hof wechseln, der hundert Schritte entfernt in Sichtweite liegt.

Wem das aber alles zu süßlich ist, geht zum leichten Abgewöhnen in die Passage des schönen Palais Ferstel in den Schokotempel der Stadt: im Xocolatl erwarten einen auf kleinem feinen Raum mehr als 170 Schokoladentafeln verschiedener Hersteller und Sorten. Muss man mehr sagen? Verlässt man das Palais auf der anderen Seite, geht es links hinab die Herrengasse bis zum Cafe Central (schräg gegenüber gibt es noch eine Konditorei dazu), einer prächtigen Ikone der Wiener Kaffeehauskultur, die allerdings seit ihrer Wiedereröffnung arg überrestauriert. Besser ist es, den Weg zu nehmen, den einst auch die Stammgäste nach der Schließung des Central nahmen, um das Cafe Griensteidl zu annektieren. Das ist zwar inzwischen sogar an einen neuen Ort an den Michaelerplatz renoviert worden, aber trotzdem kann man sich hier sehr wienerisch und weltmännisch zugleich fühlen.

Kommen wir zum Platzhirsch der Wiener Weihnachtsmärkte, DEM Christkindlmarkt vorm Rathaus: Von außen eine Pracht mit seinem neugotischen Adventskalender als Hintergrund, dem Burgtheater vor dem Tor und hohen Bäumen voller leuchtender Geschenke drum herum. Im Inneren aber lauert der ganz normale großstädtische Glühwein- und Christbaumkugelwahn, hier bereichert durch den Duft von Langos (frittierte ungarische Teigfladen mit Knoblauchöl). Im großen Stil kann man sich davon im Cafe Landtmann erholen, wo Burgschauspieler und Parlamentarier sich mit Geschäftsleuten und Wiener Edeltouristen mischen, in Paris würde man das eher eine Brasserie nennen, hier gibt es eines der besten Schnitzel der Stadt, wenn nicht sogar das beste.

Behüteter geht es in der Conditorei Sluka unten im Rathaus zu, wo selbst an weihnachtlichen Großkampftagen der Ton freundlich gedämpft und immer ein Platzerl frei ist. Auf den ersten Blick schaut es hier nach gehobener Kurstadtkonditorei aus, auch die Kuchenauslage macht einen solide überschaubaren Eindruck. Kostet man aber vom Maronireis (Sahneberg auf Baiserboden umwoben von einem Gewebe aus Kastanienmark) oder den Moussepralinen, weiß man, warum die Slukas in einer Liga mit den Zuckerbäckern vom Demel, Sacher oder Cafe Oberlaa spielen.

Nach dem Rathausschock ignorieren wir von der Straßenbahn („Bim”) aus das dichte Adventstreiben zwischen Kunst- und Naturhistorischem Museum wie auch den ansonsten vorbildlichen Glühweinstand des Lion’s Club an der Hofburg und stoßen direkt zum Adventsmarkt am Karlsplatz vor. Ambitioniertes Kunsthandwerk auch hier (Glasbläser und Schmieden kann man sogar bei der Arbeit zuschauen), doch die Buden scharen sich vor der imposanten Karlskirche angenehm nebenbei um einen Platz voller Stroh, in dessen Miete schmusige Ziegen und Schafe nur darauf warten, die Nasen und Flanken getätschelt zu bekommen. Adventsgestresste Eltern können sich dann auch mal in Ruhe mit einem Schilcherglühwein (unbeschreiblich) an den Rand zurückziehen.

Oder man sucht gleich ganz das Weite beim nahen Naschmarkt. Hier erwartet einen gleich zu Beginn der Urbanek. Der ist so was wie das Great Barrier Reef für Wiensüchtige mit Geschmack: Man hat schon vor dem ersten Besuch so viel Gutes darüber gehört, dass es eigentlich nur schlechter werden kann, und dann taucht man staunend in diese fünf Quadratmeter voller Schinken, Würste, Wein und Käse mit dem extrem charmanten Patron inklusive seiner nicht weniger charmanten Söhne ein, wird bekannt mit Hunderten von wildfremden Leuten, die zum Teil weltberühmt sind und isst ein Roastbeef , einen Kochschinken oder einen Roquefort vom Papier, wie man das noch nie im Leben gegessen hat. Und steht man nach diesem Schauspiel dann wieder draußen vor der winzigen grünen Tür, ist es wie nach dem Auftauchen vom Korallenriff, wie nach der Rückkehr von Wien nach München, wie nach dem Aufwachen aus einem  schönen Traum: War das wirklich alles so? Und wann, bitte darf ich da wieder hin? Am besten schon vor dem nächsten Weihnachtsfest.

 

 

Wien ohne Weihnachten

 

Cafe Central, Ecke Herrengasse/Strauchgasse, 1010-Wien, Mo-Sa 7.30-22 Uhr, So ab 10 Uhr

Cafe Griensteidl, Michaelerplatz 2, 1010 Wien, 8 bis 23:30 Uhr

Cafe Landtmann, Dr. Karl Lueger-Ring 4, 1010  Wien. 7.30-24 Uhr

Conditorei Sluka, Rathausplatz 8, 1010 Wien, Mo-Fr 8-19 Uhr, Sa 8-17.30 Uhr

Urbanek, Naschmarkt Stand 46 (Hauptgasse ziemlich am Anfang), 1040 Wien,  Mo 10-18.30, Di-Do 9-18.30, Fr 8-18.30, Sa 7.30-16 Uhr

 

Wien mit Weihnachten

 

Altwiener Christkindlmarkt: Freyung 6, 1010 Wien bis 23.12., 10-21 Uhr

Advent und Weihnachtsmarkt am Hof: Am Hof, 1010 Wien bis 22.12., 10-20 Uhr

Weihnachtsmarkt am Spittelberg: Spittelberggasse 1, 1070 Wien bis 23.12., 14-21 Uhr

Christkindlmarkt, Rathausplatz 1010 Wien, bis 24.12. von 9-21 Uhr

Adventmarkt vor der Karlskirche (Karlsplatz) bis 23.12. von 12 bis 20 Uhr

 

 

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Cacao
Ja mei, is deees scheee!

Danke für die Tipps - besonders für die unweihnachtlichen, weil so schnell werd ichs da nicht hinschaffen, nach Wien!

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