Wiesn für Liebhaber

Kann man das Oktoberfest lieben? Wie bei allen existentiellen Fragen gibt es da nur zwei Antworten. Wir haben uns für „Ja, wenn” entschieden. Unsere Tipps fürs Rendezvous

Wiesn für Liebhaber
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küchengötter Redaktion

„Und, wart Ihr schon auf dem Oktoberfest?” Eine Frage, die die Küchengötterredaktion bei der letzten Runde in zwei Lager teilte. Im einen betreten bis beherztes Schweigen, letzteres verbunden mit Augenrollen und abfälligen Grimassen. Auf der anderen Seite nach oben schnellende Mundwinkel, Glanz auf der Pupille und ein sofort einsetzender Austausch von Neuentdeckungen, gemeinsamen Liebhabereien und jeder Menge Anekdoten von diversen Wiesn-Besuchen (für ganz Außerbairische: Wiesn = Oktoberfest. Nicht: „Wies’n”).

 

Im Laufe des Gefechts liefen dann aber auch die schweigenden Augenroller über und hatten was von der Theresienwiese zu erzählen, wie dieser gigantische Schotterplatz heißt, denn man mitten in München ein Jahr lang leer stehen lässt, um hier zwei Wochen lang das größte Volksfest der Welt zu feiern. Wie man beim ersten Betreten eines Festzelts am Abend an eine Stierkampfarena erinnert wurde („schrecklich und faszinierend zugleich”), wie man aus Jux Schnupftabak gekauft hatte und einem am Ende hundeelend war, wie man im australischen Outback einen wiesnbegeisterten Tankwart traf, der einem vom Hosenrunterlassen und Blusenheben im Hofbräuzelt vorschwärmte. Doch es kamen auch weniger derbe Erinnerungen und viele, nun ja, Geheimtipps auf den Tisch, und eines war besonders verblüffend: Jede und jeder hatte auch eine romantische Erinnerung an einen Oktoberfestbesuch. Daraus haben wir nun einen kleinen Oktoberfestführer für Liebhaber erarbeitet:

 

Wiesn for lovers - wie man ein Rendezvous auf dem Oktoberfest überlebt

 

Früh hingehen. Am besten den Tag freinehmen und gleich zur Öffnung um zehn oder sogar noch davor ankommen, um sich beim „Blick hinter die Kulissen” ein bisschen besonders zu fühlen („Schau Schatzi, die müssn arbeiten und mir ham frei”) und schon mal in Ruhe die Lage zu klären. Zum Beispiel bei einem Kaffee im Cafe Kaiserschmarrn der Bäckerei Rischart, womit man bei der Begleitung gleich ein paar Überraschungspunkte sammelt. Er (laut): „Schau Schatzi, hier gibt’s ned nur Bier und Hendl.” Sie (für sich): „Mei, der weiß, was Frauen wollen.”

 

Langsam angehen lassen. Ein bisserl herumschlendern, hier mal ein paar Dosen werfen, da sich ein wenig im Spiegelkabinett verirren. Für Dreierlooping und Freefall ist es noch zu früh. Vorsicht vor Verkaufs- und Losbuden - wer nicht den ganzen Tag mit „Kloaner Oachkatzlschwoaf” auf dem Lebkuchenherz vor der Brust herumlaufen (Tipp: Es gibt Stände, die nach Wunsch beschriften. Wichtiger Tipp: Text nüchtern überlegen) oder einen riesigen Plastikplüschhasen mit sich herumtragen will, verschiebt das lieber auf später.

 

Rechtzeitig Mittagstisch sichern. Denn nichts stellt Paare härter auf die Probe als eine Herbergsuche mit leerem Magen und vollem Herzen. Und hier müssen ganz klar die Männer die Führung übernehmen. Einfach suchen und setzen wirkt da immer etwas glanzlos. Kontrollfreaks machen schon am Vortag mit einem großzügigen Trinkgeld bei einer nicht hübschen, aber herzlichen Wiesnbedienung alles klar („Des is de Resi, Schatzi, die hat immer einen Platz für mich”), naive Frohnaturen versuchen sich im dröhnenden Bierzelt an bairischer Ironie („Hams net a ruhigs Eckerl für uns?”), Grandseigneure flirten sich gleich noch ins Herz einer derb-mütterlichen Serviererin („Schauen Sie mal, die Dame da drüben ist die Liebe meines Lebens, ich bin zum ersten Mal mit ihr auf der Wiesn und ich habe ihr so von Ihrem Zelt vorgeschwärmt, aber jetzt ist hier nix mehr frei…”).

 

Biete Gutes - und rede darüber. Man sollte also zum Essen nicht irgendwohin gehen, sondern zum absoluten persönlichen Geheimtipp, selbst wenn den jeder kennt. Hier ein paar Tipps:

Hendl: Hippodrom (wo auch die Fleischpflanzl fein sind und man vielleicht sogar einen Münchner Promi sehen kann), Augustiner (wo der wahre Münchner auch zum Biertrinken hingeht)

Steckerlfisch: Saibling bei der Fischer Vroni. Kostet zwar einen Zwanziger - aber das ist ja gerade mal so viel wie für 2 Glas Bier. Und im kleinen versteckten Biergarten sitzt es sich nett.

Was Spezielles: Rosa gebratene Hochrippe vom Rind oder Rinderbraten mit Rotweinsauce in der Ochsenbraterei, die mit die beste Küche der Großzelte hat.

Prinzregententorte: Bodos Kaffeehaferl - aber nur, wenn man keine Probleme mit durchgeknallten Deckendekos und Servierdirndln hat. Ansonsten empfiehlt sich ein Espresso im Stehen vor dem Zelt.

Schaumgebäck: Sahnige Mohrenköpfe (sorry, aber „bitte drei Schaumküsse” sagt man auf der Wiesn lieber nicht) und fluffige Kokosmakronen am großen Stand beim „Pemperlprater”. Das ist die familienfreundliche Zone rund um die Wilde Maus und ein Geheimtipp, um bei etwas weniger Gedränge irgendwo tatsächlich ein ruhiges Eckerl für zwei zu finden - vorausgesetzt, dass man nicht allergisch auf Kinder reagiert.

 

Schaun mer mal. Tipps, welches Fahrgeschäft nun den größten und neuesten Thrill gibt, können andere sicher besser geben. Für Zwischendurch und Danach empfehlen wir hier einige Traditionsstätten zum Zuschauen, wobei man sich ganz zwanglos auch ohne Fliehkraft näher kommen kann:

Teufelsrad (im Bild oben): Diesen Tipp verdanken wir einer Kollegin aus der GU-Kochredaktion, die als echte Bairin natürlich einen ausgeprägten Sinn für Schadenfreude hat. Und der wird hier aufs Feinste bedient, wenn der Ansager „alle Dirndl” ruft und man dann zuschauen kann, wie die mit dem 1000-Euro-Gwand als erstes von der rotierenden Scheibe fliegen, gefolgt von den Landhausdirndln, bis auch die letzte Traditionsträgerin per Seil oder Ball in die Bande gefegt wurde.

Motodrom: Seite an Seite an einer rauhen Bretterwand stehen, während einem ein wild dröhnendes Selbstbaumotorrad in der Horizontalen praktisch über den Bauch fährt  - das setzt schon was frei, auch so zwischenmenschlich halt. Das routinierte Heldentum dieser abgebrühten Rummelplatzrocker im Rund tut sein übriges, und dass gerade wieder einer abgestürzt ist, erhöht den Thrill noch.

Schichtl: Viele sagen, das beste ist die Show vor dem Zelt des ältesten Wiesntheaters, und die sollte man auch auf jeden Fall für nix mitnehmen, wenn man Arm in Arm unterwegs ist. Aber es hat auch was, drinnen im Dunkeln nebeneinander zu sitzen und sich über die schlichte Tricks auf der Bühne zu amüsieren, um sich dann im kleinen Gasthaus nebenan in relativer Ruhe über alles unterhalten zu können.

Tobbogan: Der Witz an dieser Turmrutschbahn ist das Förderband nach oben. Hier kann man vor allem ab dem späteren Nachmittag erstklassige Stürze beobachten, die besonders bei Dirndlträgerinnen und Ich-hau-jeden-Lukas-Typen (die vorher noch trippelnd versuchen, Haltung zu bewahren) für ein großes Hallo bei den Zuschauern sorgen. Ist durch seine Nähe zum Ausgang auch ideal, um den Abschied mit einem befreienden Lachen einzuieiten, bevor der Ansturm der Säufer und Baggerer einsetzt, der einem den ganzen Spaß wieder verderben kann.

 

Und, war was für Euch dabei? Oder habt Ihr auch noch ein paar ultimative Wiesntipps - die natürlich nicht nur fürs Rendezvous sein müssen?

Wiesn für Liebhaber
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Mann kann es schon lieben, sogar als Münchner - wenn

man einige Dinge beachtet, genau wie Ihr schreibt!

 

Bei schönem Wetter schon mittags hingehen, das bringt´s voll. Man kann dann Vieles entdecken und eben auch genießen, denn der ganz große Trubel ist in weiter Ferne. Die Bedienungen sind noch nicht so grantig und die Maßn gut eingeschenkt.

 

Ich erinnere mich sehr gerne an die Zeit, als ich in einem großen Büro in direkter Wiesn-Nähe arbeitete. Zur Oktoberfest-Zeit liefen bei uns bereits morgens die Wetten, ob´s mit der Mittagspause klappt. Das waren aber "bayrische Wetten", nach dem Motto, "wer Recht hod, zoid a Maß". Da zur Wiesn-Zeit selbstverständlich alle Kollegen aus unseren ausländischen Büros plötzlich gaaanz viel bei uns zu tun hatten, durften sie sich auch an unseren Wetten beteiligen ;-)  Und wer hat dann wohl meistens die Radler bezahlt ?? Hihi

 

Die Mittagspausen verbrachten wir dann bei schönem Wetter auf den Holzterrassen der Biezelte oder der Fischer-Vroni und ließen uns die Hendl, Steckerlfische, Brezen und die Radler schmecken. Umwerfend schön! Dafür arbeiteten wir abends gerne länger.

 

Und der Tobbogan - da standen mein Bruder und ich schon als kleine Kinder oft zehn Minuten davor, bis wir uns endlich das Förderband hoch trauten genauso wie unsere Kinder viele Jahre später.

Und der Rotor - wenn alle gespannt drauf warten, daß eine Frau im Rock oder im Dirndl reinkommt, und dann das Gejohle

Und die Krinoline mit der Blasmusik - für Nostalgiker, Verliebte, bereits leicht Angesäuselte und solche, die es gerne ruhiger mögen.

 

Einfach wunderschön, wenn ........

 

 

Resi Schmelz
zum Schichtl

von Bayern2 gibts einen Podcast mit dem jetzigen Besitzer vom Schichtl - interessant http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-eins-zu-eins-der-talk.shtml

22.09.2008: Manfred Schauer, der Schichtl

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