ALEX OF AUSTRALIA: Cappuccino to sail

Kein Volk außer den Italienern ist so verrückt nach Espresso wie die Australier. Ihre Liebe zum Kaffee reicht bis aufs Wasser, wo sie sich ihn vom Boot servieren lassen.

ALEX OF AUSTRALIA: Cappuccino to sail
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Alexander Hofmann

DAS australische Getränk? Bier - groß, eiskalt, viel? Falsch. "Downunder", wo einst Crocodile Dundee und seine derben Kumpanen herrschten und tranken, ist mittlerweile zum Land der Kaffee-Connaisseure geworden. Nur noch in Italien gibt es mehr professionelle Espressomaschinen pro Kopf als auf dem fünften Kontinent, wo der Kult um die braune Bohne manchmal seltsame Blüten treibt. Selbst beim rauen Rugby stehen die Fans in der Schlange, um einen frisch gebrühten Capuccino zu bekommen. Oder den typisch australischen "flat white", der im Gegensatz zum Capuccino keine Haube hat und deshalb eben "flach" ist.

 

Genauso pragmatisch wurde der Espresso zum "short black" mutiert, und natürlich gibt es auch einen "long black" (der Italiener sagt dazu lungo, wir schlicht: Tasse Kaffee). König aber ist und bleibt der Capuccino, der zwar in Italien als reiner Frühstückskaffee bekannt ist, in Australien aber zu jeder Tages- und auch Nachtzeit getrunken wird. Er führt in der Statistk vor dem "flat white" und dem "caffe latte", zusammengenommen macht dieses Trio mehr als zwei Drittel des getrunkenen Kaffees in Australien aus.

 

Vier Hände für einen Cappuccino

 

Es hat durchaus Unterhaltungswert, in den Innenstädten von Melbourne oder Sydney ganzen Teams von Kaffeemachern bei der Arbeit zuzusehen, selbst in kleineren Cafes ist die Produktion nahezu industriell: Einer kassiert, einer braut den Kaffee, einer schäumt die Milch auf und verteilt sie auf den Tassen, einer streuselt Kakaopulver und Zucker in gewünschter Menge auf den Kaffee und einer ruft den wartenden Kunden zu, welcher Kaffee gerade fertig geworden ist.  Allein in Sydney gibt es mittlerweile mehr als ein Dutzend Barista-Schulen, auf denen man die Kunst des professionellen Kaffeemachens lernen oder auch nur einen Einführungskurs für interessierte Amateure machen kann.


Kaum zu glauben, wenn man sich nur 20 Jahre zurück erinnert. Außer in einigen Stadtvierteln, in denen besonders viele italienische und auch griechische Einwanderer lebten, war ein auch nur einigermaßen trinkbarer Kaffee weder für Geld noch gute Worte zu bekommen. Ein scheusslicher Instantkaffee, von dem nur der Name "International Roast" geniessbar war, wurde möglichst sparsam in eine Tasse gelöffelt, meist bereits mit Zucker und Milch vermischt und mit mehr oder weniger heißem Wasser übergossen. Dann doch lieber gleich eine Tasse Tee, die den mehrheitlich aus Großbritannien und Irland eingewanderten Australiern noch eher gelang. Die Einwandererströme aus dem Süden Europas veränderten das Gesicht Australiens nachhaltig, heute gibt es kaum ein Land auf der Welt mit einer größeren Dichte an Cafés. Ein amerikanischer Komiker ulkte kürzlich, in Melbourne verkaufe die Hälfte der Bevölkerung Kaffee - und die andere Hälfte kaufe ihn.

 

In Melbourne begann der Boom


Hier aus der zweitgrößten Stadt Australiens mit ihren fast 3,8 Millionen Einwohnern schwappte die unaufhaltsame Kaffee-Welle in den späten 80er Jahren durch den Kontinent, nachdem der Legende nach dort 1954 die erste professionelle Espressomaschine in einem Restaurant auftauchte. Im Italiener- und Restaurantviertel um die Lygon Street gab es schon aus Italien importierte Espressomaschinen als im Rest des Landes Nescafe noch als Delikatesse galt, was im Vergleich zum "International Roast" nicht einmal ganz unberechtigt war. Und Victoria heißt nicht nur der Bundesstaat, dessen Hauptstadt Melbourne ist, sondern auch Australiens bekannteste Kaffeemarke.


Warum der mit viel Dampf und Druck frisch gebrühte Kaffee sich plötzlich durchsetzte, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Tatsache ist, dass Australien neben Italien zu den wenigen Ländern auf dem Globus gehört, in denen Kaffee in Cafés fast zu 100 Prozent auf Espressobasis hergestellt wird. Nur in manchen Hotelfrühstückssälen und gelegentlich auf dem Land findet man manchmal noch Filterkaffee, fast immer nach gruselig-amerikanischer Art wässrig und abgestanden.

 

„One double shot skinny cap, please”

 

Und natürlich gibt es auch in Australien Coffee-Shop-Ketten, Starbucks ist auch schon da. Grösste Kette ist Gloria Jeans mit mehr als 300 Läden, die so viel Erfolg hatte, dass sie sogar die US-Firmenmutter aufkaufen konnte. Trotz der Invasion der globalen Konzerne haben diese nur einen recht geringen Marktanteil, nicht zuletzt weil die Australier mittlerweile besseres gewöhnt sind und es oft rundweg ablehnen, ihren geliebten Kaffee aus einer Papptasse serviert zu bekommen und es auch geniessen, dass der Barista in "ihrem Cafe" schon beim Hereinkommen eines Stammkunden weiss, dass dieser einen "double shot skinny cap" möchte. Für diejenigen Leser, die möglicherweise keine australischen Kaffeegeniesser sind, der Kunde wünscht einen Capuccino auf Basis eines doppelten Espressos mit entrahmter Milch.


Für einen ordentlichen Kaffee ist überall Platz, manchmal sind es gerade die schmalen Nischen mit Milchkästen zum Draufsitzen davor, die Kenner wie die Fliegen anziehen. Und damit man in keiner Lebenslage auf seinen Koffein-Schuss verzichten muss, gibt es in Sydney sogar schwimmende Cafes. Das "Capuccino Afloat" oben im Bild ist nur eines der Boote, das die Yachtbesitzer auf Sydneys beliebtem Segelrevier Pittwater versorgt. In regelmässigen Abständen kreuzt das Motorboot auf, die Besatzung läutet die Glocke, und wer einen Kaffee will, winkt das Boot heran. Minuten später ist der Kaffee aufgebrüht - aus einer professionellen Espressomaschine, versteht sich - und die Becher werden über die Bordwand gereicht, schon rauscht das Kaffee-Boot weiter, um die Sucht anderer Koffein-Junkies zu befriedigen. Ahoi, Captain Cappuccino!

Isis
Kaffee ahoi

Also ich kann dazu nur sagen, es ist äußerst angenehm, an fast jeder Ecke fantastischen Kaffee zu bekommen. Die Aktion auf solch einem Boot haben wir auch schon erlebt, wir waren seeeehr angenehm überrascht, vor allem, da wir uns durchaus zu den Kaffeejunkies zählen können. *g*

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