Eine Knolle für alle Fälle

Nein, bei der Auswahl meiner Lieblingskartoffel lasse ich mich nicht nur von der Optik leiten. Die kleinen, ovalen, gelb-braunen Knollen haben ganz andere Qualitäten.

Eine Knolle für alle Fälle
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Nicole Stich

Zu Unrecht als banale Sättigungsbeilage abgestempelt, ist die Kartoffel nicht nur in Europa ein wichtiges und leicht verdauliches Grundnahrungsmittel, sondern darüber hinaus ein ernstzunehmender Nährstofflieferant. Und trotzdem ist der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch in den letzten Jahrzehnten in Europa fast um die Hälfte zugunsten von Gemüse und Getreide zurückgegangen. Da trifft es sich gut, dass die UN das Jahr 2008 zum Internationalen Jahr der Kartoffel  erkoren hat.


Als ich meine Freundin Kristin vor einigen Tagen nach ihrer Lieblingszubereitungsart für Kartoffeln frage, entbrennt innerhalb kürzester Zeit eine  lebhafte Diskussion und andere Gäste aus ihrem kleinen Cafe schalten sich ein. Jeder hat ein Repertoire aus mindestens zwei, drei Lieblingsrezepten, die von der Knolle beherrscht werden – auf eines einigen können wir uns aber nicht. Müssen wir aber auch gar nicht. Die Kartoffel ist nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil ihre Wandlungsfähigkeit kaum zu überbieten ist. Trotzdem habe ich mir eine persönliche kleine Hitliste rund um die Kartoffel notiert, denn gerade jetzt passen viele dieser Gerichte gut zur herbstlichen Stimmung oder fallen sogar in die Kategorie „Comfort Food“ – perfekt für die anstehenden kalten Jahreszeiten.


Nicht nur für die Kleinen – Kartoffelpüree
Dieses Püree aus noch heiß zerdrückten, gekochten Kartoffeln wird durch die Zugabe von Butter und Milch oder Sahne zu einem samtig-cremigen Püree, das nicht nur bei Kindern eine beliebte Beilage zu verschiedenen Fleisch- und Fischgerichten ist. Mit frischen Kräutern, geriebenem Trüffel oder gehackten Oliven erhält es auch mal eine andere Note und ist dabei so einfach zuzubereiten, dass man die Fertigmischung aus dem Supermarkt guten Gewissens ignorieren kann.


Italienische Verzückung – Gnocchi
Selten liegen Glück und Verzweiflung so nahe zusammen wie bei hausgemachten Gnocchi. Werden sie nicht mit der richtigen Menge Mehl hergestellt, dann zerfallen sie entweder beim Garziehen in siedendem Salzwasser bzw. sind zäh wie Gummibälle. Hat man aber alles richtig gemacht und den Teig auch nicht zuviel geknetet, dann wird man mit lockeren Kissen belohnt, die förmlich auf der Zunge zergehen und einen direkt in den Himmel für Kartoffel-Liebhaber katapultieren. Rollt man jedes einzelne Gnoccho über Gabelzinken oder ein Gnocchibrett aus Holz , dann bekommen sie die typischen Rillen, die übrigens nicht nur optisch reizvoll aussehen, sondern dafür sorgen, dass sie Saucen besser aufnehmen.


Es darf gewutzelt werden – Schoppala (Schupfnudeln)
Früher wurden die für den süddeutschen Raum typischen fingerdicken Kartoffelnudeln noch von Mutter oder Großmutter gekonnt von Hand geformt (=gewutzelt), heute findet man sie fast nur noch im Kühlregal. Dabei schmecken sie frisch zugbereitet einfach unvergleichlich besser! Dazu wird ein Teig ähnlich den italienischen Gnocchi aus gekochten mehligkochenden Kartoffeln zubereitet (das Rezept meiner Großmutter Luise findet sich hier, unbedingt mal ausprobieren) und entweder als eigenständiger Snack, als Beilage zu Fleisch und Wild oder süß in Mohnbutter geschwenkt. Mein ganz persönliches Kartoffel-Lieblingsrezept!


Fettige Finger inklusive – Reiberdatschi (Kartoffelpuffer)
Ein weiteres, oft regional angehauchtes Traditionsgericht. Roh geriebene Kartoffeln werden mit Gewürzen, Ei und beispielsweise Quark und Speckwürfeln zu einem Teig verarbeitet und in heißem Fett zu kleinen Reibekuchen frittiert, weswegen sie bestimmt nicht als kalorien- oder fettarm durchgehen. Üblicherweise gibt es dazu Pilzsuppe oder sie werden in Apfelmus getaucht. Zum Rezept geht es hier...


So einfach, so gut – Pellkartoffeln

Manchmal sind die einfachsten Dinge wirklich die besten: Gute, schmackhafte festkochende Kartoffeln werden in der Schale weich gekocht (noch besser: gedämpft) und erst unmittelbar vor dem Essen geschält. Junge Kartoffeln können auch mit ihrer dünnen Schale gegessen werden, da sich hier besonders viele Nährstoffe verstecken. Dazu reicht man kalte Butterstückchen oder Kräuterquark und grobes Meersalz. Unerläßlich: Eine aromatische Kartoffelsorte (Sieglinde, La Ratte oder Bamberger Hörnchen nehme ich besonders gern).


Und dann wären da natürlich noch selbstgemachte Pommes frites, Kartoffelsuppe, Ofenkartoffeln, Kartoffelgratin, Knödel und und und... Wie seht Ihr das, liebe Küchengötter, wie bereitet Ihr Kartoffeln am liebsten zu? Vielleicht sogar nach einem alten Familienrezept?

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Aphrodite
Jeden Tag Kartoffelpuffer!

Die Reiberdatschi mit kaltem Apfelmus werde ich in jedem Fall einmal probieren. Dann habe ich noch rote gefunden, eben ein paar Gemüse-puffer mit Birnenmus, welche mit Zucchini und, und, und... Nach dem Pfannkuchen-Special darf es ruhig ein Kartoffel-Special geben bzw. wo finde ich dies?

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