Ethno Food in London

Wer international essen will, muss nach London, findet unsere Gastbloggerin Johanna. Hier ihre kulinarischen Highlights von Afghanisch über Vietnamesisch bis Äthiopisch.

Ethno Food in London
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Johanna Wagner

Die britische Hauptstadt ist für vieles berühmt und für so manches berüchtigt – die lokale Küche fällt dabei sicher in die zweite Kategorie.Wahrscheinlich nicht zu Unrecht. Wenn ich in den zehn Jahren, die ich hier lebe, etwas über die britische Küche herausgefunden habe, dann vielleicht, daß es sie nicht wirklich gibt. Das erklärte Lieblingsgericht der Nation, das Wiener Schnitzel Großbritanniens sozusagen, ist beispielsweise das Curry. Chicken Tikka Masala, um genau zu sein. (Daß dieses kaum Ähnlichkeit mit indischem Essen hat, ist eine andere Geschichte.)


Trotz des auffälligen Mangels an englischer Kochtradition finde ich, daß London eine Top-Destination in Sachen Kulinarik ist. Diese Stadt ist schon seit weitaus mehr als hundert Jahren der größte Melting Pot Europas und so findet man hier eine Vielfalt an internationaler Küche, die ihresgleichen sucht. Man kann wahrhaftig eine Schlemmer-Reise um die Welt machen - und das Ticket kostet gerade mal zehn Euro. Mexikanisches und chinesisches Essen findet man ja heutzutage schon in jeder europäischen Kleinstadt. Aber in London ist von Afghanistan und der Ukraine über Sri Lanka, Burma und die Philippinen, Ghana und Äthiopien beinahe jedes Land vertreten. Wer sich auf diesen Gastro-Trip begibt, darf sich alles erwarten - nur keine gestärkten Tischdecken oder grandiosen Luster.


Natürlich hat sich das eine oder andere Ethno-Restaurant zu einem Gastronomie-Tempel gemausert, aber meine Liste hier beschränkt sich (mit einer Ausnahme*) auf Lokale, die primär für ExPats gedacht sind, die einen Abend Heimat tanken wollen. Hier steht nur das Essen im Vordergrund: Trotz limitierter Ressourcen (nicht alle Zutaten lassen sich einfach und kostengünstig einführen) wird hier gekocht und gegessen wie “von Muttern” – was sich durchaus in der Lokalität wiederspiegelt. Von meiner irakischen Freundin weiß ich, daß man als Frau im Mittleren Osten kaum auswärts ißt – wer Restaurant-Küche will, bestellt und holt ab. Das wird auch hier so praktiziert, sodaß die meisten Restaurants aus dieser Region mehr im Stil eines Cafés geführt werten: Man wählt aus der Vitrine oder Rotisserie aus und wandert mit Tüten voller Baba Ganoush, Shish Taouk und Kibbeh heimwärts.


In anderen Fällen findet man vielleicht ein kleines, einfach eingerichtetes Lokal, vom Stil her irgendwo zwischen kitschig, karg und schmuddelig angesiedelt – aber das Essen ist unverfälscht, unbeschreiblich gut und noch dazu so billig, wie man es kaum einmal in einer Hauptstadt findet.


Je exotischer die Küche, desto weiter auch der Weg: Die Mieten im Zentrum Londons sind so hoch, daß sich die kleinen Ethno-Lokale oft in der Peripherie befinden. Kolumbianisch gibt’s südlich von Waterloo, Libanesisch konzentriert sich rund um Edgeware Road, Vietnamesisch ißt man nahe Old Street und Äthiopisch findet man fast ausschließlich im Norden der Stadt. Und für das beste koreanische Essen fährt man an die 20 Minuten mit der Vorortelinie nach New Malden – sightseeing-technisch sicher keine Reise wert, aber hier findet man die größte Dichte an asiatischer Bevölkerung, dementsprechend authentisch sind die Lokale. Immer noch besser als ein 20-Stunden Flug nach Hanoi oder Addis Abeba.


Die Liste der interessantesten Lokale muß hier kurz gehalten werden, ist natürlich subjektiv und ändert sich alle paar Monate – je nach Gusto. Hier ist meine momentane Hit-Parade:


Äthiopien
Bei weitem das exotischste Essen meines Lebens habe ich im Lalibela genossen. Hier wird das Grundnahrungsmittel Injera, eine 5mm dicke Flade aus fermentiertem Teig, in die Mitte das Tisches gestellt, die dazu bestellten langsam geschmorten Eintöpfe (wat) von teilweise getrocknetem Rind, Ziege, Huhn oder Lamm und einer Vielfalt von Gemüsen (z.B. Gomen) löffelweise draufgekleckst und dann, inklusive Injera mit den Fingern aufgelöffelt und verschlungen. Das Lokal ist gut besucht und wird vor allem abends oft sehr lebhaft und laut - und die Kaffeezeremonie alleine ist einen Besuch wert!
Lalibela
137 Fortess Road
London, NW5 2HR
T: 020 7284 0600
U-Bahn: Tufnell Park, dann ev. 134 Bus
Näheres zu äthiopischem Essen im Gourmet City Guide für Addis Abeba

Marrokko
Was Ambiente und Dekor angeht, ist Momo für mich kaum zu schlagen – die Stimmung ist immer einzigartig (vor allem in der Bar) und die Tagines sind ohne Zweifel die besten diesseits der Pyrenäen. Wenn’s im Restaurant keinen Platz gibt oder man nur für den kleinen Hunger herkommt, ist man im Mo Tea Room am besten aufgehoben. Hier fühlt man sich wirklich in die Souks von Marrakesch versetzt und kann bei Minztee, Briouats und Mezze den Alltag Alltag sein lassen. Nur um die Rechnung sollte man nicht feilschen.
*Momo
25 Heddon Street
London, W1B 4BH
T: 020 7434 4040
U-Bahn: Piccadilly Circus
Hier nähere Infos zu Momo


Irak
Wenn einem die türkische Küche vertraut ist, findet man hier zwar einige alte Bekannte - aber die Grillspezialitäten hier sind echt lecker, das Kibbeh Halab (Reistäschchen mit würziger Lammfüllung), Baba Ghanouj und das im Tonofen (tannur) frisch gebackene Fladenbrot (khubz) alleine sind eine Reise wert. Am besten ißt man den Masgouf Fisch (bei meinem Besuch Wolfsbarsch), der nach alter Tradition mit Tamarindenpaste gewürzt und flach auf einen Holzstab gespießt gegrillt wird. Hier hat’s mir aber besonders das Publikum angetan…wenig “Westerners”, viele Auswanderer aus dem Irak und den Golfstaaten – ich könnte Bände schreiben über das Spektakel, das sich einem hier eröffnet.
Masgouf House
75 Knightsbridge
London, SW1X 7QU
Tel: 020 7235 3888
U-Bahn: Knightsbridge

Libanon
Eine der weitverbeitetsten Küchen in London, da bei allen Einwanderern aus dem Mittleren Osten beliebt. Noura hat mittlerweile vier Lokale in London, hier gibt’s authentische Falafel, Kebbeh, Baba Ghanouj, Tabbouleh – und das ganze auch zum Mitnehmen, perfekt für ein Picknick im nahe gelegenen Hyde Park.
Noura
12 William Street
London, SW1X 9HL
T: 020 7235 5900
U-Bahn: Knightsbridge
Hier nähere Infos zu Noura


Pakistan
Ein absoluter Geheimtipp. Berühmt für leckeres, unglaublich billiges Essen aus dem indisch-pakistanischen Grenzgebiet. Spezialität ist der Grill, dementsprechend riecht man später. Die Atmosphäre hier erinnert mehr an eine DDR-Gaststätte, davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Die Mango-Lassi und Lamm-Koteletts sind unwiderstehlich gut. Alkoholische Getränke selbst mitbringen!
Tayyabs
83-89 Fieldgate St
London, E1 1JU
T: 020 7247 9543
U-Bahn: Whitechapel
Her nähere Infos zu Tayyabs


Vietnam
Müßte ich unter den vielfältigen asiatischen Küchen eine Wahl treffen, würde ich mich wahrscheinlich für Vietnamesisch entscheiden. Hier ist alles so frisch, so knackig und g’schmackig, daß es eine wahre Freude ist. Die Vielfalt der Gerichte hier ist überwältigend, wer keine Zeit für langes Studium der Speisekarte oder zum Essen mehrerer Gänge hat, entscheidet sich am besten für eine der typischen Suppen wie Bún bò Huê (Vorsicht: scharf!) und Pho oder kocht im Que Viet im “Fire Pot” sein Essen in brennheißer Suppe selbst… asiatisches Fondue sozusagen.
Cay Tre
301 Old Street

London, EC1V 9LA

T: 020 7729 8662

Hier nähere Infos zu Cay Tre


Que Viet (formerly Au Lac)
104 Kingsland Road
London, E2 8DP
T: 020 7033 0588
U-Bahn: Old Street

Koreanisch
Obwohl es auch im Zentrum jede Menge koreanische Restaurants gibt, ist man in New Malden am besten aufgehoben. Hier wohnen die Koreaner und dementsprechend authentisch ist das Essen. Neben Kimchi, dem typischen fermenierten Kraut, das bei keinem koreanischen Essen fehlen darf, und den reichhaltigen Suppen genieße ich vor allem das koreanische Barbecue (Gui): lecker mariniertes Fleisch (zB Bulgoggi, Jumulleok) und Gemüse werden vom Personal am Tisch individuell gewürzt und gebraten – jeder Bissen taufrisch und ein Genuß!
Sorabol
180 New Malden High Street
London, KT3 4ES
T: 020 8942 2334
Hier nähere Infos zu Sorabol


Su La
79-81 Kingston Road,
London, KT3 3PB
020 8336 0121
SouthWestTrains von Waterloo Station: New Malden

Mexiko
Trotz einer wahren Explosion an (teils pseudo-) mexikanischen Restaurants, viele davon im “streetfood” Stil, ist Mestizo eine Erwähnung wert. Da ich selbst längere Zeit in Mexiko gelebt habe, war ich jahrelang in ganz Europa auf der Suche nach authentischer mexikanischer Küche – und mit Mestizo bin ich endlich fündig geworden. Super Brunch sonntags von 12-16 Uhr!
Mestizo
103 Hampstead Road
London, NW1 3EL
T: 020 7387 4064
U-Bahn: Warren Street
Hier nähere Infos zum Mestizo

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