ICH KOSTE: Eierausblasen

Vom Frühstück bis zum Nachmittagskaffee mit Fleischerhaken und Schaschlikspieß an Eiern vom Lachs. Plus dem Aufruf an alle Küchengötter, sich was Kostbareres zu wünschen.

ICH KOSTE: Eierausblasen
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Kommentare
Sebastian Dickhaut

Die Überschrift zeigt, dass hier eine Zäsur stattfindet. Dass ich hier nicht mehr kosten kann, was ich will, weiß ich ja schon lange, und dass ich kosten muss, was ich nicht will, auch. Dass ich mir das auch noch selbst kochen muss - na gut. Aber dass ich jetzt auch noch basteln statt kosten soll… Und dann auch noch mit Eierschalen, wo wie ich doch in Werken immer eine echte Gefahrenquelle war, so dass Frau Kloster immer nervös zwischen mir und dem Feuerwehrknopf hin und her pendelte, um nur ja im rechten Moment an der richtigen Stelle zu sein. Solche Leute werden dann Koch, wenn sie aus der Berufsberatung kommen.

 

Tja, wäre ich dabei geblieben, wäre mir dieser Morgen erspart geblieben. So aber schreckte ich um sechs hoch mit dem Gedanken: „Um neun muss ich was über Eierausblasen geschrieben haben.” Keine 45 Minuten später stand ich vor dem Kühlschrank und stellte fest: keine Eier da. Und der Eierhändler macht erst um neun auf. Also erst mal gesurft und in diversen Foren die richtige Taktik dieses mir völlig fremden Vorgehens erkundet. Ein oder zwei Löcher, kleine oder große, von Mund pusten oder per Spezialgerät, auswaschen, abkochen oder einfach so lassen?

 

Dann erst mal auf einen Tee mit Rosinenschnecke zum Discount-Bäcker und dann weiter zum Eiermann, der mir so lange von seiner Wohnungssuche, dem Bollywoodtanz und ICE-Stoßzeiten erzählte, dass ich erst an der Ampel merkte, dass ich zwar Meeresalgen und Kokosjoghurt in der Tüte hatte, Eier aber nicht. (Der Eiermann ist nicht nur gesprächstechnisch gut sortiert.) Also zurück und dabei gleich noch eine Dose Kaviar vom Russen nebenan mitgenommen, vielleicht lassen sich ja Lachseier auch ausblasen, obwohl das wegen Ostern ja eigentlich unser Seehasenrogen hätte sein müssen, aus dem der schwarze deutsche Kaviar gemacht wird.

 

Haken ja, Stocher nein

 

Dann in der Küche probiert, mit den Zahnstocher ein Loch zu bohren. Ei kaputt (unten in Step 1, rechts). In der Schublade nach der Eieruhr mit Pikser gesucht, aber nur einen Fleischerhaken gefunden und den mit dem Griff des Kartoffelmessers behutsam reingeklopft. Ei noch ganz (Bild 1, links). Und gleich mit dem Loch in der richtigen Größe. Gewendet, geklopft, immer noch ganz. Perfekt. Ei Nummer 2 ging entzwei, Nummer 3 erst nach der Hälfte, bis die Taktik stand: Erst die Spitze lochen, dann die Basis. Und zwar direkt im Eierkarton. Aus dem nach dem Wenden das Ei aber schnell raus muss, sonst klebt es fest.

 

Jetzt Internetwissen:  Einen Schaschlikspieß oben ein- und unten wieder ausführen, gut rühren und ruhig auch mal schütteln (Bild 2). Raus damit und blasen - schwupp, aus is. Also: ausgeblasen (Bild oben). Das machte so viel Freude, dass ich am Ende vier von der Sorte hatte und dachte: So, jetzt ist Mittagszeit, das mit dem Kaviarausblasen lassen wir mal lieber, drum gibt’s erst mal zu essen.

 

Algen kleingeschnitten, in Salzbutter kurz gedünstet, Eier mit dem Kochlöffel verkleppert und in die Pfanne geben. Leicht anstocken lassen, dann mit dem Löffel schieben, bis es schöne Schollen gibt und es noch ein klein wenig suppt. Den Kaviar dekorativ darauf verteilt, die Pfanne runtergezogen und noch 1 Minute ruhen lassen (Bild 3). Butterbrot geschmiert, Mittag gegessen, Kaffee getrunken, Ei angemalt und mit King-of-the-World-Schrei an den Lorbeer vors Büro gehängt (Bild 4). Und nun endlich was drüber geschrieben. Aber jetzt habe ich auch mal eine Bitte:

 

Aufruf: Bitte gebt mir was Kostbareres!

Sagt mir, was ich kosten soll. Ja, Ihr, liebe Küchengötter da draußen, denn wer weiß, was sich die hier drinnen als nächstes ausdenken. Also schnell bitte. Darf auch ruhig mal was Wildes sein, weil wilder als Eierausblasen geht’s nicht mehr.

ICH KOSTE: Eierausblasen
ICH KOSTE: Eierausblasen
ICH KOSTE: Eierausblasen
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Bettina Müller
Eierausblasen

Siehst Du Sebastian,

 

der Aufwand hat sich doch wirklich gelohnt und ich habe endlich eine perfekte und geprüfte Anleitung zum Eierausblasen. Jetzt kann Ostern kommen. ;-)

 

Ach so, wenn Du jedes Ei so toll "selbst bemalst", solltest Du damit vielleicht ein zweites Standbein aufmachen. ;-)

Aphrodite
Hat was!

Ich finde die "Ich koste..." Artikel witzig und informativ. Und da ist ja schon einiges zusammen gekommen. Meine persönlichen Highlights sind Kaffee (Eiskaffee?) und Pilze. Spargel war auch nicht schlecht.

Ich koste....

Hot Dogs

Kohlsuppe

Wein

Glühwein

Vom Grill

Pilze

Krapfen

Äpfel

Schokohasen

Rumtopf

Eiskaffee

Spargel

Weihnachtsplätzchen

Schaumgummi

Limonade

Weihnachtsnascherei

Ofenkartoffeln

 

Mir würden "scharfe Sachen" in der Sammlung fehlen. WASABI oder sonst etwas fernöstliches. Wasabi gibt es mittlerweile selbst in Kartoffel-Chips. Das Rezept mit den Erdnüssen wollte ich schon längst mal ausprobieren.

Mit frischen Algen / Queller wollte ich schon längst mal wieder etwas machen. Das Rührei ist eine witzige, einfache Idee.

 

KleineKöchin
Danke Aphrodite!

Ich muss gestehen- zu meiner Schande- die "ich koste"- Reihe habe ich bisher nicht so richtig mitverfolgt. Immer wieder mal reingelesen, aber auch gleich wieder vergessen. Ich glaube, da habe ich jetzt viel nachzuholen *g*

 

So richtig lachen musste ich dann beim Bild, Step 2- Zitat "Ausblasigkeit" :-))))

 

Beim Kosten ist mir gleich, ähnlich wie bei Aphrodite- Asiatisches eingefallen, bzw. wie wärs mit Gewürzen, Gewürzmischungen? Ketchup und Co wären doch interessant, oder auch Dressings, Olivenöl???

Aphrodite
Nein, Step 1 ist besser!

@KleineKöchin, das hat was von Captain Hook oder Fluch der Karibik, wenn man es moderner mag. Hauptsache mit Enterhaken.Und Step 4 ist NIEMALS selbstgemacht! Selbst aufgehängt vielleicht.

sparrow
ein Tipp von einer alten Eierausbläserin
ICH KOSTE: Eierausblasen  

Das Ei mit dem Eierpickser auf beiden Seiten anpicksen, dann mit einem kleinen Kreuzschraubendreher mit vorsichtigen Drehungen das Loch erweitern. So wird es schön gleichmässig rund. Mit einem Rouladenspiess den Dotter durchstossen und dann ausblasen. Die Eier mit Spülmittel abwaschen, dann nehmen sie die Farbe besser auf.

cystitis
Ähnlich

Ein sehr schöner und lustiger Beitrag, lieber Sebastian!

noch ein kleiner Tip von mir. Nicht jeder hat einen Eierpickser. Stattdessen nehme ich eine Reiszwecke, ansonsten ganz wie bei sparrow.

nika
Ebenfalls ähnlich

wie Sparrow, nur das Eidotter habe ich mit einer alten Stricknadel durchgestoßen und ein wenig inwandig gerührt, dann klappt es prima. Mit einem heilen Dotter schuftet nur die Lunge unnötig schwer.

Bettina Müller
Ostereier

@sparrow,

 

wow, Deine Ostereier sehen klasse aus. Wie bekommst Du es hin, sie so mit diesen Motiven zu färben? Benutzt Du Schablonen?

 

sparrow
Scherenschnitte
ICH KOSTE: Eierausblasen  

@ Bettina Müller Ich schneide aus kleinen Notizzetteln Scherenschnitte frei Hand, mache diese feucht und lege sie auf das Ei. Dann wickle ich ein Stück Nylonstrumpf darum, binde sie oben und unten zu und lege die Eier dann in die Farbe. Das geht am Besten, wenn man die Farbe in Joghurtbecher füllt. Du kannst auch kleine Blätter auf die Eier legen uns Stückchen von Zwiebelschalen dazu, das gibt dann mit Blauholz oder Rotholz gefärbt auch wunderschöne Eier. Für das Ei auf dem Foto habe ich Blättchen von Winterlingen genommen.

Bettina Müller
Scherenschnitte

@sparrow: Danke für die Erklärung. Das muss ich dieses Jahr gleich mal ausprobieren, habe schon viel zu lange keine Ostereier mehr selbst gefärbt.

Sebastian Dickhaut
Schmetterlinge

Und ich hab für mein Ei Schmetterlinge in den Strumpf gepackt. Und eigentlich wollte ich Kunst studieren, aber meine Eltern meinten, ich sollte erst mal was Ordentliches machen, also habe ich Kochen gelernt.

Kreuzschraubenzieher, Stricknadel, Reisszwecke, was Ihr alles in der Küche habt. Ich bleibe bei Eierpikser, Enterhaken (Captain Cook!) und Schaschlikspieß. Aber wünscht Euch doch noch ein bisschen was zum Kosten, sind ja schon ein paar feine Sachen dabei, so schnell kommt die Gelegenheit nicht wieder.

 

Aphrodite
Noch ein Vorschlag: Knoblauch.

Wenn es feiner klingt, heißt es Aioli. Tzatziki gibt's in jeder Dönerbude. Und richtig damit gekocht und zubereitet, ist er eine Offenbarung. Nur, was sind die Tricks und Tipps, damit es auch großartig wird und gelingt?

Liz
Lachseier

Pruuuuuuuust - My personal favorite: "Vielleicht lassen sich ja Lachseier auch ausblasen" ;-) Danke für dieses Schmunzel-Add-on of my day !!!!

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