ICH KOSTE… Hot Dogs

Wie man einen echten baut, warum der bei uns anders ist als in den USA und wie man ihn stilgerecht verspeist - eine kleine Führung durch die Welt des Heißen Hundes.

ICH KOSTE… Hot Dogs
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Kommentare
Sebastian Dickhaut

Der Burger gehört McD, die Pizza Dr. Ö und das Hendl wieder der J-Family. Aber wem gehört der Hot Dog? Dem kleinen Mann auf der Straße, zumindest in den USA. Denn dort ist seine Heimat, also in den USA auf der Großstadtstraße, an deren Rand ein Edelstahl-Cart steht mit rot-weißer und manchmal auch noch blauer Beschirmung, in dem die Würstchen und Brötchen heiß gemacht bzw. gehalten und dann vollendet werden. Was jetzt bewusst vage klingt, denn über den WAHREN HOT DOG kann man in Amerika diskutieren wie in Italien über die wahre Pizza.

 

Etwa die Würstchen: In Deutschland ist es so, dass nur besondere Brühwürstchen aus Frankfurt sich auch Frankfurter Würstchen nennen dürfen, im Rest des Landes heißen sie Wiener Würstchen, in Wien aber wieder Frankfurter, weil da gibt es überhaupt keine Wiener Würstchen. Weil das schon verwirrend genug ist, wollen wir hier lieber nicht wissen, was in den USA der Unterschied zwischen Frankfurter und Wienern ist - also ich zumindest nicht, aber wenn Ihr es mir sagen könnt, freue ich mich drüber, obwohl ich glaube, dass es gar keinen gibt.

 

Das Würstchen gegrillt, das Brötchen gedämpft

 

Jedenfalls grillt man sie drüben gerne, während sie bei uns eher gedämpft bis gesotten werden, jedoch nicht gekocht - denn dann platzen sie auf. Und obwohl ich als Hesse sonst stets ein Botschafter des Echten Frankfurter Würstchens bin, für den Hot Dog sind mir die schlank-knackig-würzigen Dinger zu sophisticated, da lob ich mir lieber eine fleischigere Wiener mit leichtem Brühgeschmack, von dem einem nach ein paar Würstchen pur gerne ein bisschen übel wird.

 

Dagegen macht das Grillen nach US-Art Sinn (hier darf man „makes sense” einfach mal sinnfrei übersetzen, ok?), auch weil dort die Brötchen, pardon, Buns schön labbrig gedämpft werden und nur im Finish ein dünnes Knusperfirniss auf dem Grill bekommen. Damit liegen sie irgendwo zwischen den weichen Burger-Schaumstoffhälften und einer krachigen Kaisersemmel, was man mögen muss. Wenn der Belag (Topping) stimmt, mag ich’s.

 

Hot Dogs mit Stil

 

Da gibt es ja eine Menge Spielereien, von Ketchup über Mayo bis hin zu süßem Senf, getoppt mit Zwiebelconfit, eingelegtem Ingwer oder gar Sojasprossen. Zum Glück gibt es aber das National Hot Dog & Sausage Council of the USA, das da sehr klar ist: Bis man 18 ist, kann man das ja mal probieren, aber spätestens dann heißt es: nix mehr mit Ketchup und dem ganzen anderen Fremdkram. Nur Senf darf es sein, und der kommt wie alles Flüssige als erstes AUF die Wurst, so wie auch alles Folgende nie ZWISCHEN Wurst und Bun kommen darf.

 

Folgen können Gurken eingelegt als Relishes oder auch frisch (gerne leicht eingesalzen), Zwiebeln knusprig geröstet, schlotzig geschmort oder knackig kandiert. Auch Käse geht, üppigere Varianten sind mit Sauerkraut, Baked Beans oder eingelegten Jalapeno Chillies unter dem Knusper-Finish. So kennen wir das zumindest aus Münchens seit langem mal wieder erstem Hot Dog Shop, dem Finespitz’s.

 

Der sollte eigentlich ein Original New Yorker Hot Dog Stand werden, aber da hatte das Bayerische Kreisverwaltungsreferat etwas dagegen, weswegen die Finespitz Family nun in einem Shop „as slim as a bun” residiert und hier eine Münchner Version ihres amerkanischen Traums serviert - wovon schon die halbe Küchengötter-Redaktion sich froh gekostet hat, allerdings in doppelten Portionen, denn nach alter Sitte reicht ein Hot Dog nicht, um satt und glücklich zu werden.

 

Und so werden sie gegessen

 

Nicht aus Deutschland, sondern aus dem „land of the free” stammt übrigens die Hot Dog Etikette, nach der man sein Lieblingsstück zu verspeisen hat:

 

- Nie auf Tellern, höchstens auf Papptellern, am besten direkt aus der Hand in der Serviette, die natürlich nur aus Papier sein darf.

- Am besten in fünf, maximal sechs Bissen, für die selbstverständlich nicht Messer und Gabel benutzt werden.

- Klebt am Ende noch etwas an den Fingern (was es immer tut), werden dies abgeleckt und nicht etwa mit der Serviette gereinigt oder gar abgewaschen (erst anschließend erlaubt).

- Dazu trinkt man Bier, Cola oder Limonade und bitte nichts, dass nicht prickelt wie Wein, Milch oder Saft.

 

Und so mach ich mir einen Hot Dog.

 

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lundi
Hot Dogs

Oh nein, davon bin ich wirklich kein Fan. Oder war! Bis ich die allerbesten Hot Dogs in ganz Europa kennenlernte. Die heißen vor Ort Pylsur, den Isländern ist ihre Sprache heilig und nie würden sie ein so ausländisches Wort in ihren Alltags-Wortschatz aufnehmen. Und speisen kann man sie in Reykjavik am Hafen, Ecke Posthusstraeti/Tryggvagata. Selbst Bill Clinton und Metallica waren dort "zu Gast" und lobten diesen (knallroten) Stand über alle Maßen. Damit wird gerne geprahlt. Amerikanische Einflüsse sind in Island allgegenwärtig. Das Essen dort ist jedoch sehr speziell. Aber für seine Hot Dogs ist Island ja nun wirklich berühmt, er ist sozusagen ihr inoffizielles Nationalgericht, deshalb sollte es in so einem Beitrag erwähnt werden. Zurück zu Reykjavik: die Würstchen sind aus Lammfleisch, erwärmt im speziellen isländischen (noch spezieller Reykjaviker!) Wasser, wer mal da war, kennt den Geruch und weiß, was ich meine. Es gibt 2 Sorten Senf drauf, beide von merkwürdiger Farbe: leuchtend gelb und graubraun (Hundehäufchen?), aber davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Ansonsten Röstzwiebeln, Ketchup, Gurken... wie gehabt. Sie sind wirklich die besten, hier kann man den Reiseführern mal was glauben! Für mich heißt es bei jedem Besuch in Reykjavik: ab zum Hafen, Kreditkarte zücken (wer bar bezahlt wird schief angesehen) und einen Hot Dog genießen, wie es ihn nur dort geben kann.

Aphrodite
Damit sind das wieder zwei Dinge...

.... auf der Liste, die ich in meinem Leben noch machen möchte.

Ein Besuch in Reykjavik und Hot Dog essen.

Und Hendl im neuen Wienerwald probieren (war das früher spießig und schön und noch nicht so durchgestylt).

Hot Dog Essen sind Geschichten aus dem wahren Leben. Ich weiß gar nicht mehr wo ich meinen wahren Hot Dog genossen habe. Alles andere ist dann mehr oder weniger Murks und kann man dann ebenso schell wieder vergessen. Das Rezept werde ich auf jeden Fall ausprobieren!

Sebastian Dickhaut
Jetzt auch mit Foto!

Aufgenommen vorm Feinspitz. Und wenn Ihr den großen Bruder vom Classic sehen wollt, müsst Ihr hier schauen.

Malwine
Echte Kenner fahren nach Dänemark...

zu Annie nach Sönderhav! Dieser Imbiss verkauft seit 1936 die leckersten Würstchen! Annie gehört seit 1966 zum Inventar und macht wirklich die BESTEN Hot Dogs der Welt! Die Würstchen werden gebraten bzw. gegrillt, haben wirklich Geschmack und sind nicht labberig aus dem Wasser gezogen. Bei Annie bekommt man nicht einfach ein Wiener oder Frankfurter Würstchen. Nein, hier gibt es auch nicht die typischen roten Pölser. Annie legt Wert auf frische regionale Fleischwaren (Bockwürstchen, Rindswürstchen, dänische Bratwürstchen usw.) und kernige Hot Dog-Brötchen vom Bäcker um die Ecke. Natürlich gehören verschiedene Soßen (Dänische Remoulade, Fransk Hot Dog Soße, körniger Senf und Ketchup), Röstzwiebeln oder frische Zwiebeln so wie eingelegte Gurken dazu. Wer noch Platz findet, muss die knusprigen (und noch innen saftigen) Pommes probieren, die mit grobem Meersalz bestreut werden.

Und was passt besser zum Nachtisch als ein dänisches Sahne-Softeis mit ganz viel Lakritz-Streusel???

Die amerikanischen Hot Dogs in allen Ehren. Ich habe sie selber "drüben" gegessen. Wer aber die Hot Dogs bei Annie und ihrem Team gegessen hat, wird nicht mehr so schnell den amerikanischen Verwandten an den Gaumen lassen!

Sebastian Dickhaut
Na dann...

...auf zu den Dänen. Wer kommt mit?

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