ICH KOSTE… Schaum, Gummi und mehr

Es soll Länder geben, in denen es keine weißen Mäuse, Katzenpfötchen oder Joggingschuhe zum Kauen gibt. Von Happy Hörnies und Quaxi Fröschli ganz zu schweigen. Hilfe!

ICH KOSTE… Schaum, Gummi und mehr
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Sebastian Dickhaut

Früher wollte ich am liebsten Zeichner bei Walt Disney werden. Morgens mit dem Bus ins Studio fahren, dort mit ein paar hundert anderen verrückten Handwerkern Reinzeichungen machen, Sprechblasen füllen und Konturen tuschen und mir in den Kaffeepausen mit den Kollegen Entenhausener Geschichten ausdenken (Micky Maus kam nie in Frage), die dann doch nicht ins Heft kommen, weil die Comic-Autoren-Gewerkschaft keine Vermischung der Branchen duldet. Womit sie natürlich Recht hat, denn wir Zeichner ignorieren die Grundregeln aller Donald-Geschichten ständig (z. B. „Keine Weihnachtsgeschichten mit Entenbraten”). Als ich erwachsener wurde, wollte ich dann selbst Autor werden, und zwar in den Trickfilmstudios von Disney oder seinen Nachfolgern. Sich so Sachen wie Toy Story, Findet Nemo oder Ratatouille auszudenken, das muss schon ein klasse Job sein. Wenn man dafür nur nicht nach Amerika ziehen müsste.

 

Aber vor kurzem habe ich auch hier ein sehr deutsches und wunderbar durchgeknalltes Angestelltenverhältnis entdeckt, das genau die richtige Mischung von Sicherheit und Wahnsinn bietet, die einen den ganzen Tag bei der Arbeit froh lächeln lässt. Und es lag die ganze Zeit vor meinen Augen, die bei jedem Kaufmannsbesuch am Regal mit den Tüten voller Gummi- und Lakritzzeug hängen bleiben, seit ich kauen kann. Wobei es mir da ähnlich erging wie bei den Comics: Nicht die Klassiker Gummibärchen oder Katinchen (also die strahlenden Helden wie Micky Maus oder Supermann) waren meins, sondern Cola-Fläschen oder Babyspeck (also Donald und Batman).

 

Molekularküche? Für uns Schaumgummi-Afficionados ein alter Hut.

 

Doch während Disney oder Marvel irgendwann dann doch etwas Nostalgisches bekamen, habe ich Haribo oder Katjes nie aus den Augen und damit aus dem Geschmackssinn verloren. Da waren Meilensteine wie die Entdeckung der Verbindungen von „Gummi” und „sauer” mit Zuckerkruste (Saure Pommes!) oder „Lakritz” und „weich” (Katzenpfötchen!) plus „salzig” (Salzheringe!), da waren Irrwege wie nur braunes Haribo-Konfekt  - das ist wie die Lieblingsschokolade zum Frühstück, Mittagessen und Abendbrot, also zu viel des Guten. Und wie ich höre, kann man jetzt sogar farblich sortenreine Gummibärchen im Internet bestellen. Also ne.

 

Ein großes Schritt war es auch, Lakritz und Schaum oder Gummi miteinander zu verbinden (Vampire! Tappsy!), und grad diese Woche habe ich da einen echten Klassiker-Hattrick im Neuheitenregal entdeckt: Cola-Schnecken mit Brausefüllung. Also Colafläschen in Lakritzschneckenform mit Brause zwischen den Windungen (die auch haften bleibt, wenn man die Schnecken aufrollt und dann auf einmal zusammengeknäult in den Mund steckt) - das ist im Schaumgummibereich das, was beim Italiener Spaghettirisotto mit Polentasauce wäre. Womit auch geklärt ist, warum wir Kauzeug-Afficionados über die Molekalurküche nur müde lächeln können - kennen wir doch schon von Kind an. Eins allerdings haben die deutschen Süßigkeitenforscher bis heute nicht geschafft: Weingummi zu schaffen, das in Konsistenz und Geschmack zumindest in die Nähe des englischen kommt. Aber da es das Zeug von der Insel inzwischen auch überall bei uns zu kaufen gibt, ist das auch recht.

 

Deswegen möchte ich auch nicht weg von hier, zum Beispiel nach Österreich, wo sie Lakritze höchstens als „Bärendreck” kennen oder gar in Länder, in denen man überhaupt nicht auf weißen Mäusen, Katzenpfötchen oder Joggingschuhen aus Schaum, Gummi und Lakritz herumkaut. Ganz zu schweigen von Jogi Bussi, Pasta frutta. A... mit Ohren, Crazy Schnullern. Kindergaudi, Gute-Nacht-Goldbären, Quaxi fröschli, Lakro balla, Prickel brixx, Apple & Eve, Traumwolkies, Fred Ferkel, Chilie Heringen, Mango Melody, Almdudler Gummipärchen, Happy Hörnies oder Gerd Käfer’s Fruchtgummimöpsen. Um nur einiges aus dem aktuellen Sortiment zu nennen. Womit Ihr nun auch wisst, was ich im nächsten Leben werden will: Gummibärchentexter.

 

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