In Rom in Ruhe

Im August wird die Ewige Stadt zu einem trägen Dorf - zumindest wenn man die Hot Spots meidet. Sebastian Dickhaut hat's erforscht zwischen Friedhof und Vorort.

In Rom in Ruhe
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Sebastian Dickhaut

Die Küchengötter wollen Euch 2013 mit auf kulinarische Entdeckungsreise nehmen. Dieses Mal geht es mit Sebastian nach Rom.

 

Letztens wollte ich meine Ruhe haben und bin nach Rom gefahren. Das vorletzte Mal war ich dort vor wohl dreißig Jahren - ich erinnere mich an eine Jugendherberge in einem Hochhaus, an einen traurigen Zoo und an einen Blick an die Decke der Sixtinischen Kapelle, der Ton und Bild drumherum zugleich wegschaltete. Später waren wir fast alleine auf dem Forum Romanum und hatten kurz das Gefühl, dass es erst ein paar Jahre und nicht zweieinhalb Jahrtausende her ist, dass hier nichts als Sumpf und Mücken waren. Dabei war es einfach nur August.

 

Rom im August ist eine geteilte Stadt. Der Trubel konzentriert sich auf die Hot Spots vom Colosseum bis zum Petersplatz, wobei auch hier eine gewisse Trägheit herrscht, es ist einfach zu heiß, und zu leise ist es auch. Denn drumherum schleicht der Tag nur durch die Gassen, vorbei an zugeklappten Fensterläden und verrammelten Lokalen, an deren vorgeschobenen Metalltoren ein Zettel hängt mit “Chiuso per ferie”. Feeling ferragosto.

 

Im Ferragosto-Flow

 

Der passendste Weg nach Rom im August führt über die Bahngleise, Schlafwagen am besten. So rolle ich abends von München in die Nacht und wache am nächsten Morgen mit Blick auf Pinien und Zypressen auf Strohgelb vor Himmelblau hinterm Abteilfenster auf. Das macht schon mal sehr ruhig. In Roma Termini angekommen, wird erst mal an der ersten Espressobar in der Ankunftshallte der Anker geworfen, bevor ich mich wieder in den Strom einordne.

 

Der ist auch eher im Ferragosto-Flow, und so ist es ein Leichtes, einfach in den nächstbesten Bus zu springen und einfach zu schauen, wie das Leben so spielt auf den Straßen hier. Irgendwann kommen dann Monumente mit Grün, das gibt’s eigentlich immer wieder hier. In meinem Fall ist es der Städtische Friedhof, ein stiller Palastgarten mit eigenen Straßen und Gruften wie Villen.

 

Danach ist wieder Zeit für einen Kaffee oder den ersten Aperitivo, bevor es ans Mittagessen geht. Wer mehr Feinschmecker als Entdecker ist, sollte sich da vielleicht vorher was ausgucken, in meinem Rom in Ruhe war es einfach eine der wenigen Trattorien zwischen Fried- und Bahnhof, die überhaupt auf hatte. Reden wir nicht drüber.

 

Im Garten Roms

 

Noch ruhiger ist es in Garbatella, wo ich mir ein Zimmer gesucht habe. Ein in den 20ern und 30ern geschaffenen Vorort in Süden Roms, der ein Arbeiterparadies werden sollte - erst ein sozialistisches, dann ein faschistisches. Eine bunte Schar von verwinkelten Mietskasernen und pittoresken Häuschen mit kleinen Gärten ist hier über den Hügel geworfen, was heute ein urbanes Idyll ist, in dem sich alteingesessene Römer mit jungen Kreativen mischen - “der Garten Roms”, wie man hier sehen kann.


Mein über airbnb gebuchter Arbeiterpalast liegt auf der Hügelspitze, zur einen Seite kann ich hinunter zum Tiber laufen, wo einen nachts Clubs und Bars einen erwarten, auf der anderen geht es in die Ortsmitte, in der ich mich ins Vorbandleben stürze. Na ja, vielleicht besser setze, denn heftige Bewegungen gibt es hier kaum, streunend strande ich an der Bar Garbatella, wo sich die Einheimischen zum Abend-Aperitivo versammeln, bis es dämmert und zu Hause Abendessen samt Fernseher warten. Ich finde auch was zu essen und zu trinken, aber reden wir nicht drüber.

 

Dann doch noch: Sightseeing und -drinking

 

Wäre diese Romreise eine geplante gewesen, hätte ich an dem Abend auch einen Kulinarischen Spaziergang mit einer früheren Küchengötter-Autorin machen können, die inzwischen Reisenden die Genüsse Italiens näher bringt. Aber immerhin kam es zu einem römischen Frühstück mit Hande Leimer, der Chefin von Vinoroma - und dann doch noch zu ein bisschen Sightseeing und -drinking: Gran Caffè La Caffeteria ist ein auf jeden Fall imposanter und bekannter Platz, um das römische Leben beim Cappuccino zu beobachten, und das Pantheon liegt gleich ums Eck - ein magischer Ort, der trotz Verwandlung in eine Kirche und Durchströmung mit Touristen seine Würde bewahrt.

 

So, und nun lasse ich Euch wieder in Ruhe mit Rom und freue mich drauf, das nächste Mal wieder dort zu sein, hoffentlich nicht erst in 30 Jahren. Bis dahin - habt Ihr römische Tipps, Erinnerungen, Erlebnisse?

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Aphrodite
Bedenkenswert.

Mein Rom-Aufenthalt ist bestimmt schon an die 25 Jahre her. Nicht das mich die Sehnsucht gepackt hätte, dort noch einmal hinzufahren. Niemals im August! Alle Römer tummeln sich dann in der großen Badewanne in Trovaianica und flüchten aus der Stadt. Was dann natürlich auch ein Grund ist, gerade in den Weihnachtsferien nach Trovaianica zu fahren (Pension billig, keine Heizung, Steinfliesen kalt und um 16.00 Uhr wird es dunkel). Abends essen in einer Strandbar bei Kerzenschein. Los ging es um 22.00 Uhr mit dem Auto Richtung Brenner. Nur jede Möglichkeit ausschließen in einen Stau zu kommen. Ich könnte ja schlafen, er pfiff "San Francisco" von Scott Mc. Kenzie, musste ja wach bleiben. Nichts mit Schlafen :) - Ostern wieder hin. Einmal den Papst sehen. Kein Bargeld mehr in der Tasche, Hunger! Alle Restaurants am Petersplatz abgeklappert. Nur eins nahm Kreditkarten. Bankomaten gab es noch nicht. Streit mit dem Kellner, der uns über's Ohr hauen wollte. Lust auf Essen gehen vergangen. Ich fahre in die Toskana. Modena und Verona sind schöner und ruhiger.

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