Spucken, nicht schlucken!

Weinproben sind großartig. Endlich mal die Möglichkeit, viele Weine zu probieren und zu vergleichen. Weinexperte Marc Strittmatter erklärt die Spielregeln zur Verkostung.

Spucken, nicht schlucken!
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Marc Strittmatter

Ganz ehrlich – wann öffnet man zuhause schon mehr als zwei Flaschen gleichzeitig? Ich mach´s gerne, wenn Freunde zum Essen kommen und probiere dabei meist neue Weine aus, die ich noch nicht kenne: Gefallen sie mir an diesem Abend, wie funktionieren sie mit dem Essen? Aber so richtig auf einen grünen Zweig komme ich so auch nicht.

Daher liebe ich Weinmessen, Degustationen, Weinproben, wie auch immer; gerne auch eine geführte Verkostung, bei der noch jemand etwas Interessantes zu den Weinen erzählt. Für mich ist jedes Jahr im Februar zum Erscheinen des VINI d`ITALIA die 3-Gläser-Degustation ein echtes Highlight: über 200 der 280 besten italienischen Weine des letzten Jahres! Ich freue mich jetzt schon auf die Veranstaltung am 20.02. in München auf der Praterinsel.

Jetzt aber zu einigen enorm wichtigen Fragen, die man sich vor jeder Weinmesse, Degustation oder Winzerprobe stellen muss: Wie manövriere ich mich geschickt über das Parkett, probiere möglichst viele Weine, behalte den Überblick, habe möglichst viel Spaß und halte die Wirkung des Alkohols möglichst in Grenzen? Auch wenn sie sich nach echten Spaßbremsen anhören, sind sie doch Garanten für eine gelungene Veranstaltung: Strategie und Disziplin.

Meine Strategie

Auf jeder Weinprobe, ob beim Händler, beim Winzer oder auf einer Messe, bei der mehr als 20 Weine angeboten werden, sollte man sich unbedingt im Vorfeld überlegen, was einen interessiert oder was man auf keinen Fall verpassen möchte. Die Gefahr sich zu verzetteln ist immer vorhanden. Ganz wichtig ist die Abfolge: erst die Weißweine, dann die Rotweine, erst leicht, dann schwer und zuletzt die Süßweine.

Weil ich in diesem Jahr auf der 3-Gläser-Degustation zum VINI d´ITALIA meine Kolleginnen aus der Küchengötter-Redaktion begleite, werden es wohl eher die zehn großen Klassiker Italiens werden. Oder zumindest meine persönlichen Klassiker:

Erst Schaumwein: Franciacorta. Dann Weißweine: Soave Classico, Collio Tocai Friulano, Gewürztraminer aus Südtirol. Im Anschluss die Roten: Barolo/Barbaresco und unbedingt zwischendrin Valtellina Sforzato, Chianti Classico Riserva, Brunello di Montalcino, Vino Nobile di Montepulciano, Supertoskaner und Amarone. Jetzt sind es schon wieder mehr als zehn! Mit den Dessertweinen ist es bei mir, wie mit den Nachspeisen, sie gehen in einen anderen Magen: Vin Santo del Chianti, Moscato Rosa, Passito di Pantelleria. Dann wird auch nicht mehr gespuckt. Dazwischen gibt es den einen oder anderen interessanten Abstecher. Oder doch lieber autochthone, sprich regionale Rebsorten, oder nur Süditalien? Auch sehr interessant!

Disziplin ist einfach

Von jedem Wein, den ich probiere, schlucke ich nur ganz wenig runter und spucke den Rest wieder aus. Ganz richtig – alles ausspucken. Überall stehen genau zu diesem Zweck kleine Eimer oder Näpfe rum; machen Sie unbedingt Gebrauch davon. Ich habe früher zuhause Zielspucken geübt, mit Wasser über dem Waschbecken. Mund spitz machen und dann mit Schmackes ab in den Ausguss. Ich gebe es zu, beim Ersten Mal kommt man sich in der Öffentlichkeit schon etwas komisch vor.

Richtig verkosten!

An dieser Stelle vielleicht doch noch ein paar grundlegende Dinge: Das Glas wird höchstens bis zu breitesten Stelle eingeschenkt. Halten Sie es vor einem weißen Hintergrund, wie einer Tischdecke oder dem Degustationsblatt, richtig schräg, um die Farbe des Weins zu beurteilen, wenn Ihnen etwas daran liegt. Dann am Glas riechen, kräftig schwenken und dann nochmals riechen. Wenn man noch nicht lässig freihändig schwenken kann, ohne ein totales Weinfleckendesaster in seiner näheren Umgebung zu verursachen, dann ist es eine weitere Möglichkeit, das Glas auf den Tisch zu stellen und es schnell kreisen zu lassen. Nach dem Riechen kommt das Schmecken. Einen ordentlichen Schluck in den Mund, etwas Wein runter schlucken, den Rest etwas mit der Zunge bearbeiten und dann ausspucken. Jetzt kann ich mir die Frage stellen, ob der Wein mir gefällt und was ich mit ihm anfangen würde. Ehrlich – ich finde die Menschen, die immer nur auf der Suche nach versteckten oder offenen Weinfehlern sind, etwas seltsam ... der Wein ist zu sehr dies oder das oder hat zu wenig von diesem oder jenem ... Wenn ich zu meinem eigenen Vergnügen verkoste, soll mir Wein vor allem Spaß machen. Beinahe hätte ich es vergessen, trinken Sie viel Wasser zwischendurch. Manchmal tut auch ein Stück Weißbrot ganz gut. Vor der Weinprobe sollten Sie auf Zigaretten unbedingt verzichten. Während der Degustation auch. Na, und vielleicht auch für immer? Leider ist auch Kaffee unmittelbar vorher keine gute Idee. Das fällt mir allerdings sehr schwer.

Am Ende einer tollen Degustation ist übrigens trotz der ganzen Spuckerei dann doch das Taxi oder die U-Bahn das beste Verkehrsmittel.

...nur noch einmal schlafen ...

Klasse!

...nur noch einmal schlafen, dann geht's zur Praterinsel!

Afrodite
"Marc Strittmater bringt 18.000 Weine in ein dickes Buch!"

Hallo Marc,

ch habe Dich beim Zapping auf münchen.tv entdeckt. Schönes Interview. Dann nehme ich doch mal beim nächsten Einkauf einen Wein aus Apulien mit, hast Du einen Tipp?

P.S. Die Überschrift dieses Kommentars war genau so im Fernsehen eingeblendet.

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