AUS SUSANNAS GARTEN: Mit buntem Sugo auf dem Weg zur Erkenntnis

Gartengöttin Susanna erntet letzte Tomaten und kocht Saucen - um im Winter noch ein wenig Sommer zu haben und zum Trost, dass die besten Früchte für die Nachbarin waren.

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Susanna Bingemer

Es ist soweit. Die Tomaten sind fast alle geerntet, ein paar letzte Mohikaner hängen noch - vielleicht reifen die ja noch ein bisschen nach dem schönen Altweibersommer. Täglich schreite ich das Tomatenbeet ab, prüfe, was ab muss oder vielleicht doch noch ein paar Tage dranbleiben könnte. Schaue jeden Abend unter Gartenwetter, ob Frost angekündigt wird. Reche Laub zusammen, aber nicht zuviel, damit der Igel noch Verstecke findet. „Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; gib ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin und jage die letzte Süße in den schweren Wein,“ heisst es in Rilkes „Herbsttag“. Anfang und Ende, Kreislauf des Lebens… Gottchen, was so ein Gartenjahr überhaupt alles symbolisiert.

Aber Schluss mit der Melancholie - letzter Aktionismus ist schließlich angesagt. Tomaten einkochen! Zu gemütlichem Sugo, der dann im Winter ein bisschen Sommer und Sonne auf die Pasta gießt. So haben die Gläser mit italienischer Tomatensauce etwas ungemein Tröstliches, wenn ich sie dann im Vorratskeller stapele. Ich mache es meistens ganz einfach: koche die Tomaten mit hartlaubigen Kräutern wie Salbei, Rosmarin und Thymian, etwas Knoblauch und Olivenöl – ohne Zwiebeln. Manchmal mixe ich am Ende des Kochvorgangs noch frisches Basilikum unter. Das genaue Rezept findet Ihr hier. Es stammt aus dem GU-Kochbuch „Einmachen” von Hans Gerlach.

Sugos in rot, gelb und grün

 

Und meine Sugos sortiere ich übrigens nach Farben auf dem Kellerregal. Denn ich mache meine Sauce zum Teil sortenspezifisch. Auf jeden Fall gibt’s immer eine Variante nur mit den kleinen, gelben Birnentomaten und eine nur mit ganz fleischigen wie zum Beispiel der Riesenfleischtomate Gardasee – die schmeckt gekocht grandios, ganz süß und voll, roh dagegen fand ich sie nicht so doll. Eine geschmackliche Offenbarung waren dieses Jahr auf jeden Fall die ganz kleinen Microtomaten, eher enttäuschend die mit Spannung erwartete russische Reisetomate. Immer besonders aromatisch und auch dieses Jahr wieder ganz vorne dabei auf der Beliebtheitsskala der ganzen Familie: Green Zebra, unsere grüne Tomatensorte. Die haben wir vor allem roh gegessen – mit oder ohne Mozzarella.

 

Tomaten für Nachbarins Küche


Es gibt noch einen Grund, warum ich so sehr auf diesen konservierten Sommer versessen bin: Immer genau dann, wenn man endlich die Früchte seiner Mühen ernten könnte, sind die langen Schulferien und natürlich fahren auch wir zum Wohle der Familie jeden Sommer zwei, drei Wochen in meist südliche Urlaubsländer. Und jedes Mal mit einem weinenden Auge, denn wir sehen ja schon die geröteten Früchte an den Tomatenstauden, die man alle in ein paar Tage abernten kann - wenn wir aber nicht mehr da sind. Jedes Jahr ist es unsere netterweise gartengießende Nachbarin Angie, die in den Genuss unserer Prachtstücke kommt. Jedes Jahr, wenn wir dann wieder zurückkommen und sehen, wie viele Tomaten doch noch an den Stauden hängen, frage ich Angie, ob sie denn auch geerntet habe. „Ja klar“, sagt sie dann „es gab Tomatensalat, Tomatenbrot, Tomatensauce und…“ „Ist schon gut,“ winke ich dann ab, „So genau wollt ich’s gar nicht wissen.“ Und freue mich auf Pasta Sciuta im Winter.

Tomatengärtnern ist für mich eben vor allem ein Weg der Erkenntnis. Der durch den Magen geht und - im besten Fall - zu Weisheit und Friede mit sich und der Welt führt. Und mit den Nachbarn.

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Ananasbelle
Happy End!

Liebe Susanna, vielen Dank für die ganzen Geschichten aus deinem Garten, die ich immer mit Spaß gelsen habe, obwohl ich einen ziemlich braunen Daumen (alles wird welk) habe. Aber dein Sugo kann ich mir ja auch mit gekauften Tomaten vom Markt kochen. Obwohl es ja eigentlich das Sugo von deinem Mann ist, oder? ;-))

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