AUS SUSANNAS GARTEN: Tomatenprobleme? Entspannt Euch.

Unsere Gartenfachfrau Susanna ist in den letzten Wochen im Tomatenbeet durch alle Höhen und Tiefen gegangen. Doch jetzt wird alles gut. Hoffentlich. Ohmmmmmm.

AUS SUSANNAS GARTEN: Tomatenprobleme? Entspannt Euch.
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Susanna Bingemer

Falls Ihr Euch gefragt habt, was eigentlich aus meinen Tomatenträumen geworden ist – fragt lieber nicht. Obwohl, jetzt geht’s ja wieder. Aber Ihr glaubt gar nicht, was ich in den vergangenen Monaten mitgemacht habe. Wir erinnern uns: Ein paar Tage, nachdem ich meine Tomatenpflanzen in die Erde gepflanzt hatte, fingen sie total an zu schwächeln - ALARMSTUFE GELB! Dann ging ich erst mal literarisch auf Tauchstation und überlegte: Es musste mit der Erde zu tun haben (die im Töpfchen gedeihten wunderbar). Zu trocken oder ausgelaugt, weil ich mehrere Jahre lang an derselben Stelle Tomaten gepflanzt hatte? Manche Gewächse müssen ja wandern im Garten. Nur Tomaten eigentlich nicht, sagt die Literatur. Dafür entdeckte ich noch ein Ameisennest im Beet.

Ich war verzweifelt - ausgerechnet jetzt, während ich dieses Blog schreibe! War kurz davor, sie rauszureißen und in der Gärtnerei halbhohe zu kaufen. Rief aber erst noch bei der Blumenschule an, wo die Samen herkamen. Am Apparat Herr Engler, der sofort empfahl: Kompost oder Beutelerde 10 bis 20 cm rund um die Stängel zu häufeln, damit die Wurzeln nicht freiliegen und sich so Nährstoffe holen können. Und ordentlich düngen. Außerdem stets die Erde mit Stroh oder Laub abdecken, damit sie nicht austrocknet. Ameisen? Nicht schädlich, aber Symptom eines Problems. Gegen das Symptom helfe Orangenschalenöl im Gießwasser. Das Problem sei aber wohl, dass ich mich nicht genug um sie kümmere – Aufmerksamkeit erregen durch Probleme, Mütter kennen das. Mir fiel schuldbewusst ein: Kurz nach dem Einpflanzen hatte ich – ein einziges Mal - an einem allerdings ziemlich heißen Tag nicht gegossen, weil ich unterwegs war. Rabenmutter! Als mich meine Jungpflänzchen am meisten brauchten, war ich weg.

Aber jetzt, ich: häufelte Erde, kaufte speziellen Tomatendünger, goss stundenlang, flüsterte den Pflänzchen Durchhalteparolen zu, versprengte Orangenschalenölwasser. Besuchte ich nicht meine Bekannte, die schon Anfang Juni die ersten Tomaten geerntet hatte. Besuchte überhaupt fast niemanden. Schaute demütig jeden Tag nach, ob sich was tat. Und dann: Die Pflanzen wurden allmählich wieder grün, wuchsen. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Aber würde ich wie die Jahre zuvor Ende Juli die ersten reifen Tomaten ernten können? Viel Regen, wenig Sonne, wenig Wärme machten mir in den nächsten Wochen fast einen Strich durch die Rechnung. Es war wie verhext. Oder nur eine Prüfung? So eine Achtsamkeitsübung à la Zen-Buddhismus – das ist ja gerade sehr angesagt bei Stressbewältigungstrainern. Aber sollte Gartenarbeit nicht sowieso Stressbewältigung sein?

Als sich dann vor ein paar Wochen meine Angststarre legte und ich wieder anfangen konnte, über das Drama im Garten zu sprechen, stellte sich heraus: Bei anderen Hobbygärtnern sah es ähnlich aus. Auch sie stöhnten: „Das Wetter! Dieses Jahr kein Tomatenjahr! Viel zu spät dran!“ Es lag also nicht nur an mir. Diesmal fiel mir ein Felsbrocken vom Herzen. Ja, und dann Ende Juli habe ich das erste orange-rote Tomätchen gesehen. Wollte es bis zur völligen Reife hängen lassen, doch vor zwei Wochen gab es da einen Zwischenfall mit einem Ball – jedenfalls fiel die Tomate ab. Ich legte sie ein paar Tage zum Nachreifen aufs Fensterbrett, um sie dann feierlich zu dritteln. Jedes Familienmitglied sollte kosten dürfen. Ganz natürlich ohne Salz oder sonstige Zutaten. Ahh….ohmmmmm. Alles wird gut. Oder doch nicht? Wir sprechen uns nach der Haupternte.

sybarit
Juhu, ich leide nicht alleine!

Tut das gut, eine Leidensgefärtin (und sogar noch mehrere) zu haben. Ich teile die gleichen Leiden mit Euch! Hockte täglich vor der handvoll zartorangener Tomaten und frage mich, was ich wohl falsch gemacht haben könne. Und jeder Tag ohne Giessen brannte ein tiefrotes Loch in mein Gewissen. Nun habt Ihr mich befreit und ich geniesse das wenig vorhandene Aroma, ignoriere die verlockend duftenden Hollandtomaten, schwelge in dem bisschen Geschmack und bin dankbar. So demütig kann Solidarität machen.

Es dankt der Sybarit.

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