Brötchentütenfremdgehen in Frankreich

Warum Brötchentüten auf einmal einen Seitensprung wagen und Frankreichs Bäcker deshalb ganz schön ins Schleudern geraten? Küchengöttin Viola verrät es Euch ...

Brötchentütenfremdgehen in Frankreich
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Viola Booth

Die Küchengötter wollen Euch 2013 mit auf kulinarische Entdeckungsreise nehmen. Dieses Mal geht es mit Viola nach Südfrankreich - genauer gesagt: zum Bäcker in Südfrankreich!

 

Wer jetzt denkt, ich hätte mich in meinem Frankreich-Urlaub dieses Jahr in einen Bäcker verliebt und zwei Wochen lang mit ihm die Probleme seines Jobs diskutiert, liegt falsch. Aber auch wenn die Funken zwischen dem Bäcker und mir an der Côte d’Azur nicht geflogen sind, habe ich allergrößten Respekt vor seinem Job. Vor allem, weil er in Frankreich arbeitet. Hier sind es nämlich nicht etwa die Kellner im Restaurant, die Rezeptionisten im Hotel oder die Kassiererinnen im Supermarkt, die den ganzen Tag Dauerstress haben ... nein, es sind ganz klar die Bäcker!

 

Von der Backware zum Mode-Trend?

 

Jedem der schon einmal in Frankreich war, wird jetzt wahrscheinlich ein Licht aufgehen. Während bei uns in Deutschland die Bäckereien ihre Hoch-Zeiten am frühen Morgen haben, geht es in Frankreich nämlich den ganzen Tag heiß her. Der Grund dafür? Egal ob Einheimischer oder Tourist, jeder (und damit meine ich wirklich jeden) kauft beim Bäcker sein Baguette. Keine Ahnung, wie viele davon am Tag so über den Ladentisch gehen, aber es müssen Massen sein. Immerhin klemmen sie auf Frankreichs Straßen unter jedem Arm, fast so, als sei das der neue Mode-Trend (ist die Baguette-Tasche vielleicht wieder in?).

 

Dass auch ich diesem Trend nicht widerstehen konnte, ist Euch jetzt wahrscheinlich schon klar. Mit meinem Baguette in der Hand fühlte ich mich zwei Wochen lang so richtig französisch! Was vielleicht auch daran lag, dass ich ein Baguette beim Bäcker immer noch in einer tadellosen Aussprache bestellen kann, obwohl meine Französisch-Kenntnisse aus der Schulzeit mittlerweile mehr als eingeschlafen sind. Und da so ein Baguette eben doch besser ist als ein Mode-Accessoire, habe ich mich natürlich gerne jeden Tag in die endloslange Schlange beim Bäcker angestellt, damit ich möglichst französisch durch die Straßen von Nizza und Co. schlendern kann. Aber es gibt tatsächlich noch einen Grund dafür, warum die Bäcker in Frankreich den wohl anstrengendsten Job haben. Schuld sind die Croissants! Hört sich nach einem typisch französischen Croissant-Klischee an? Ist es aber nicht, versprochen!

 

Fremdgeh-Skandal im Café

 

Das erste Mal fiel mir die Sache mit den Croissants auf, als ich in einem Café am Markt von Saint Tropez saß. Plötzlich packte der Herr neben mir seine Brötchentüte der Bäckerei von nebenan aus. Ich fand das ganz schön mutig: Im piekfeinen Saint Tropez, wo die Leute mit der Yacht und dem Heli anreisen und massenweise Champagner schlürfen (ok, dass ist jetzt wirklich ein Klischee), packt jemand im Café eine fremde Brötchentüte aus? Ich war mir sicher, die Kellnerin würde den Gast gleich im hohen Bogen rausschmeißen. Aber nein! Es geschah nichts. Und da sah ich es auf einmal: Jeder saß dort mit einer fremden Brötchentüte in der Hand und aß sein Croissant. Zwar konnte man in dem Café auch Croissants bestellen, aber das von nebenan schmeckte anscheinend besser (und war günstiger). Also wird im Café eben nur der Café bestellt. Und jetzt dürft ihr drei Mal raten: Natürlich habe ich mich in meiner geliehenen, französischen Lebensweise dem Brötchentütenfremdgehen angepasst. Eine Tradition, die ich gerne mit nach Deutschland genommen hätte. Aber hier gab es schon bei meiner Rückkehr vom Fahrer im Flughafen-Shuttle-Bus einen strafenden Blick, als ich meine total bayerische Brezn auspackte.

 

Schade, aber das heißt wohl: Frankreich, wir sehen uns wieder! Und wenn Ihr jetzt Lust auf ein französisches Frühstück bekommen habt, versucht es doch einmal damit: Baguette, Croissant und Cafè au lait. Die Rezepte dazu gibt es auch ganz ohne Schlange stehen.

 

Und welche Ess-Traditionen aus Eurem diesjährigen Urlaub würdet Ihr gerne nach Deutschland importieren?

 

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