DIE KÜCHENGÖTTER SOMMELIÈRE: Maja kauft Wein beim Winzer

Maja hat sich den Rat ihrer Freundin zu Herzen genommen, ist dabei aber ein wenig übers Ziel hinausgeschossen. Hande hat auch für den Weinkauf beim Winzer gute Tipps.

DIE KÜCHENGÖTTER SOMMELIÈRE: Maja kauft Wein beim Winzer
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Hande Leimer

Als ich in Majas Küche gehe, kann ich meinen Augen nicht glauben. Über den ganzen Raum verteilt stehen da über 20 Flaschen Wein.

„Maja, ich bin stolz auf Dich, Du hast endlich Wein gekauft. Wart ihr beim Osterausflug im Süden beim Winzer?“

„Ja, ich hab Deinen Rat befolgt und Jens zu einem Winzer im Dorf mitgeschleift. Am Ende der Weinverkostung war er sogar sehr begeistert und dann haben wir halt von 4 verschiedenen Weißweinen jeweils eine Kiste gekauft.“

„Ach, Maja! Schön, dass es euch Spaß gemacht und geschmeckt hat, aber ihr braucht kaum einen Bestand von 4 verschiedenen Weißweinen jetzt am Anfang. Und dann noch alle vom gleichen Winzer. Ihr müsst erst noch Beispiele von unterschiedlichen Ländern, Gebieten, Rebsorten und Stilen durchprobieren, um eure Vorlieben festzustellen.“

Maja ist geknickt. „Ich dachte wir haben das Richtige gemacht. Der Winzer war so nett und es gab so viele Kleinigkeiten zum Essen, und ein Wein war besser als der andere, war ein wirklich schöner Nachmittag. Haben 17 verschiedene Weine getrunken!“

Ich darf Maja nicht am Anfang ihres Weges entmutigen. Aber das mit den Häppchen und 17 Weinen geht zu weit. „Maja, 17 Weine bei einem Winzer sind ein bisserl verdächtig, eine Region hat meist zwei, drei Weine, die wirklich stark sind. Wenn ein Winzer so viele Rebsorten und Weinstile anbietet, keimt in mir der Verdacht, dass er keinen davon wirklich beherrscht. Und ihr seid einfach noch nicht soweit, dass ihr so viele Weine nacheinander probieren und beurteilen könnt. Und dann mit Salami und Käse, die alles einfach besser schmecken lassen. Das ist die typische Urlaubs-Wein-Einkaufs-Falle.“

„Aber Du hast doch gesagt, wir sollen zu einem Winzer!“

„Stimmt, aber ich habe nicht gedacht, dass ihr euch so die Kante gebt. Hast Du denn nicht Marcs Tipps gelesen?“

„Ja, schon, aber dann waren wir da und es war alles so schön… Aber ich verstehe Dich jetzt, glaube ich. Bald ist Pfingsten und wir sind wieder unterwegs, ich kann unmöglich nochmal so viele Weine unterbringen, wir müssen das Ganze irgendwie limitieren. Bloß wie?“

„Das mit der Unterbringung war das nächste, was ich ansprechen wollte. Eine Küche ist zu heiss um Weine zu lagern und stehen sollten sie auch nicht. Am Besten leg' die Flaschen im Schlafzimmer unters Bett, da ist es relativ kühl und außerdem dunkel. Dann müsst ihr die Weine langsam durchprobieren und gucken, ob sie euch auch zu Hause schmecken und zu euren normalen Eßgewohnheiten passen.“

„Ist ja gut. Aber wie gehe ich jetzt weiter vor, wo kann ich unterschiedliche Weine kaufen, die mich nicht enttäuschen?“

„Am besten in einem Weinladen. Hör' Dich bei Freunden in Deiner Stadt um, wo sie gute Erfahrungen gemacht haben. Viele Weinläden organisieren auch Verkostungen, auf denen sie verschiedene Weine aus ihrem Sortiment anbieten, manchmal auch nach Themen. Das kostet vielleicht ein paar Euro Eintritt, aber erstens muss man sich dann nicht schlecht fühlen, wenn einem nichts zugesagt hat und man deswegen nichts kaufen möchte, zweitens wird es oft angerechnet, wenn man doch was kauft. Winzer, Weinfeste und organisierte große Weinverkostungen sind auch super Möglichkeiten um neue Weine kennenzulernen, man muss halt nur vorsichtig sein und nicht alles probieren, was es gibt.“

Majas Gesicht hellte sich auf. „Weinladen ist eine super Idee. Bei uns um die Ecke hat gerade ein neuer Laden eröffnet. Dann kann ich den Besitzer mal testen, ob er gute Weine hat.“

Der arme Mann, denke ich. „Mach das, Maja, nur vergiss bitte nicht, dass es nicht die eine Flasche Wein gibt, die jedem schmeckt und glücklich macht. Wenn Du ohne probieren einen neuen Wein kaufen willst, musst Du dem Händler schon bisserl was erzählen. Sag z.B. was Du schon kennst und magst und auch was Dir gar nicht schmeckt, wie z.B. zu viele Tannine. Erzähl ihm auch wann und wozu Du die Weine trinken möchtest und gib ihm auch einen preislichen Rahmen, in dem Du Dich bewegen möchtest. Und hör Dir an, was er über einzelne Weine zu erzählen hat. Nicht nur lernst Du dann Grundsätzliches, auch schmeckt Wein mit einer Geschichte immer besser!“

„Das stimmt! Der Winzer und seine Frau haben so viel erzählt, es ist ihre Familie, die seit 8 Generationen das Weingut besitzt und als die beiden sich damals kennengelernt haben…“

Es wird ein langer und schöner Abend mit Maja. Und einer der 4 Weißweine ist auch gar nicht so schlecht.

Kauft ihr auch direkt beim Winzer ein? Was für Erfahrungen habt Ihr damit gemacht?

Wackelpeter
Direkt vom Winzer

Meine Frau stammt aus Franken und ist quasi mit Frankenwein groß geworden:-). Logisch, dass sie auch jetzt nicht auf den heimischen Tropfen verzichten will. Wir kaufen bei einem Winzer bei ihr zu Hause, dort werden wir gut beraten und können den Wein auch probieren. (Und dazu gibt´s ganz seriös Brot:-). Von dem oder den Weinen unserer Wahl nehmen wir uns dann einen Vorrat mit bis zum nächsten Besuch in der Heimat ...  

Himbaere
Weinverkostung im Laden

Ich war erst letzte Woche bei einer Weinprobe, aber nicht beim Winzer, sondern beim Händler, und es gab Weine aus Deutschland, aber eben auch aus anderen Ländern (Schweiz zum Beispiel). Ich finde es – gerade für mich als Laie – superspannend, wie unterschiedlich Weine "mit viel Sonne" und solche mit wenig schmecken und zu jedem Wein gibt es eine andere Geschichte. Bin richtig auf den Geschmack gekommen, noch mehr davon zu lernen und werde sich mal ein Weinseminar besuchen.

Weinverkostung im laden?

Was die Verkostung im Weinladen angeht, bin ich zwiegespalten. Bisher habe ich sehr oft die Erfahrung gemacht, der Händler jubelt dem Kunden Weine unter, schränkt dessen Sinneshorizont ein. Dazu dieses Chinesisch von "Anklängen von Schokolade oder Pfirsichblüte...". Ich denke dann immer an die Industriekatastrophe, die heutzutage Lebensmittel genannt werden. Also: Entweder der Händler ist ein mensch, den man kennt und dem man deshalb vertraut oder ein sehr guter Freund empfiehlt einen Wein oder man macht sich selbst auf die Socken und macht zum Beispiel mal eine Verkostungstour während des Urlaubes. Aber das machen die "Hotelburgenallinclusivfetischisten" und Golfresortbesucher dankenswerterweise nicht.  

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