FOOD TRENDS 2012: Vom Ernst des Essens

2011 war so voll mit überraschenden Ereignissen, da halten unsre Trendforscher Nicole Stich und Sebastian Dickhaut erstmal Ausblick vor der eigenen Haustür. Überraschung!

FOOD TRENDS 2012: Vom Ernst des Essens
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küchengötter Redaktion

Es ist schon kurios: Je mehr das Internet in jeden Winkel der Welt vordringt bzw. ihn zu uns bringt, desto mehr suchen sich die Leute Nischen, in die sie sich zurückziehen und dafür kämpfen können, dass die Welt da bitte draußen bleibt. Die böse bedrängende wie die gute sich öffnende. Und sie tun das auch mit Hilfe des Internets. “Think global, act local” hat sich 2011 weiter verschärft - ob man nun auf die arabische Revolution, ein Zeltdorf in New York oder den Kampf um eine Kneipe in München schaut.

Womit wir beim Essen und Trinken sind. “Was soll man sagen”, haben wir uns bei unserem Rückblick auf 2011 und Ausblick auf 2012 gefragt. Ein Jahr rappelvoll mit so großen wie überraschenden Ereignissen jeder Art liegt hinter uns, wie können wir da einen kulinarischen Fleckerlteppich fürs neue knüpfen? Vielleicht so: Kochen und Essen wird immer mehr zum Ausdruck von Persönlichkeit - und zu einer politischen Angelegenheit. Betrieben mit viel Ernst und mit noch mehr Hang zum Extremen. Und: Alles hängt mit allem zusammen. Fangen wir also vor unserer Haustür an:

Von Sternen und dem goldenen M


Zwei Lokale feierten in München 2011 ihren 40. Einmal das Tantris, das später zum ersten Drei-Sterne-Restaurant Deutschlands wurde und dessen Gründungskoch Eckart Witzigmann mit seinen Schülern die deutsche Kochwelt veränderte. Aber 1971 war auch das Jahr, in dem Mc Donald’s seinen ersten deutschen Imbiss in München aufmachte - was zumindest unsere Esswelt noch mehr veränderte.
Und als das Jahr fast rum war (und er seinen Michelin-Sterne schon sicher hatte), legte Alfons Schuhbeck noch einen drauf und vereinte die Welten: mit seinen McD-Hüttengaudi-Burgern. Dass er da nicht der einzige und Teil einer europaweiten Image-Kampagne ist, tröstet wenig - in Italien, wo einst Slow Food als Statment gegen das erste Burgerlokal in Rom gegründet wurde, gewann McD mit Marchesi sogar den Godfather of Cook für sich. Prognose 2012: erster Michelinstern fürs Ur-McDonald’s in Obergiesing - wegen der Tradition.

Wobei wir hier nicht Burger-Bashing machen wollen - denn irgendwas müssen die Brater ja richtig machen, sonst wären sie nicht so beliebt. Grad bei den Einsteigern ins Essengehen, die hier jede Schwellenangst draußen lassen und es genießen, beim Essen mit den Fingern einfach in Ruhe gelassen zu werden. Liebe Wirte, wenn ihr das mit gutem Essen und guten Leuten auch bietet, zwingen wir unsere Kinder gerne, zu Euch zu kommen. Vielleicht würde ja eine Studienreise nach Bolivien helfen - da gibt’s das goldene M ab diesem Jahr nämlich nicht mehr, die Leute wollten es nicht. Und das liegt nicht daran, dass es dort keinen Sternekoch zum Werben gibt.

Wobei das mit den Sterneköchen ja auch so eine Sache ist: Das Zurückgeben der Sterne ist ja inzwischen schon ein Statement für sich, wobei das Revoluzzer-Image da auch langsam schwindet. Neu ist aber, dass der Aufstieg zum Zwei-Sterne-Lokal erst einmal zur Schließung führt - weil der geehrte Koch jetzt Vollgas geben will, dessen Chef aber zurück zur Gutbürgerlichkeit möchte. Pech für die Gäste - und für die war die Sache mit den Sternen doch eigentlich mal gedacht. Oder? Prognose 2012: Obergiesinger Mc-Donald’s gibt Stern wieder zurück, um seine Stammkundschaft nicht zu verschrecken.

Von Burger King zu Stephen King


Ziemlich wutbürgerlich klingt, was Mary Clear in England sagt: “Krieg kommt von Männern, die in der Bar einen trinken, die guten Sachen kommen von Frauen, die zusammen Kaffee trinken.” Und weil es von da ja nur noch ein kleiner Schritt zum guten Essen ist, hat sie das mit den Bürgern (auch Männern) von Todmorden mal selbst in die Hand genommen: Dort werden auf öffentlichen Grünflächem Gemüse aller Art gezogen, mit dem sich der Ort in Zukunft selbst versorgen will. Guerilla Harvesting sozusagen, unterstützt vom örtlichen Polizeirevier. Prognose: Stephen Kings neuer Roman heißt “The Fence” - eine aggressive Form von Fleischwolfwahnsinn wird von einer globalen Burgerkette über die ganze Welt verteilt mit der Folge, dass alle Menschen Veganer werden. Weil es aber nur noch Kuhweiden gibt, rotten sich die Massen um ein kleines englisches Dorf zusammen, das im Schutz eines riesigen Holzzauns sein Gemüse anbaut. Auf magische Weise hält der Zaun allen Anstürmen stand - bis ein kleines Mädchen merkt, dass man Holz auch essen kann. Womit wir wieder an unserer Haustür wären. Fortsetzung folgt.




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