FOODTRENDS 2016

Diesmal als Kochkurs - schaut uns zu, wie wir die Trends machen und lassen. Live aus dem Küchengötterlabor. Viel Freude und gutes Essen 2016

FOODTRENDS 2016
2
Kommentare
küchengötter Redaktion

Trendforschen war früher leichter - also in der Zeit, als es noch kein Trendforschen gab. Als “Neigung” noch einen guten Klang hatte (eine Übersetzung von Trend) und “Entwicklung” (eine andere) noch nicht unter Zwang stand. “Trends” waren da Walfische, die jeder vorbeiziehen sehen konnte, und manchmal wuchsen auf einem ganze Inseln, auf denen Suchende in den sicheren Hafen schippern konnten - und wieder hinaus.


Heute aber sind die Meere leergefischt, statt Halt gebender Wale trifft man nur noch auf zickige Heringsschwärme, die sich und ihre Richtung ständig ändern. Da bleibt auch dem Trendforscher nicht viel mehr, als den Dingen dauernd neue Namen zu geben und zu hoffen, dass der Kunde nix merkt.


Weil das nicht so unser Ding ist, schauen wir beim Trendforscher erst mal zurück und uns um, bevor wir was draus kochen. Dabei herrscht eine klare Arbeitsteilung: Nicole Stich kauft frisch ein, denn sie ist viel draußen unterwegs, in der Welt wie im Netz. Und Sebastian Dickhaut stellt die Basics, denn er hat die Küchengötterküche voll davon. Sprich: Nicky macht sich ihren Reim auf das, was sie im Laufe des Jahres entdeckt, und Sebastian macht daraus einen Text.


Diesmal könnt Ihr den beiden beim Kaufen & Reimen & Kochen & Texten zuschauen - hier unser Bericht vom Küchengötterfoodtrendkochkurs:


Nicky: “Das Böse” versus Genuss. Die Gesellschaft konzentriert sich immer mehr auf Essens-Ideologien und “das Böse” im Essen und verliert darüber das Thema Genuss völlig aus den Augen.”


Sebastian: “Kenne ich, Nicky, im Bösen wie im Guten. In 8 von 10 Gesprächen übers Essen geht’s irgendwann um die Angst davor, um Skandale, Sorgen und Probleme. Da werde ich dann ruhig und koch was Gutes. Und habe Hoffnung - es waren auch schon mal 10 von 10.


Ich habe zwei gute und kluge Freundinnen, eine ist Veganerin, die andere lebt glutenfrei, beide halte ich für überdurchschnittlich ausgeglichen und reflektiert. Ich höre Ihnen gerne zu, wenn sie aus ihrem Essensleben erzählen - wer hätte zum Beispiel gedacht, dass die Bitte nach “glutenfree” in Italien viel selbstverständlicher akzeptiert und bedient wird als bei uns in den Lokalen? Trotz Pasta und Pizza - oder grad deswegen?


Beide sagen, dass sie selbst fast nie von ihrem Essen anfangen, sondern die anderen. Eine bloggt drüber, sehr freudvoll, neugierig und entspannt. Als ich der anderen erzählt habe, dass ich seit einigen Monaten kein Fleisch mehr esse, weil ich das mit dem Tieretöten nicht mehr verstehe, hat sie sich kurz gefreut, das war’s. Als ich einer anderen erzählte, dass ich schon noch Fisch esse, hat sie gesagt, den isst sie nicht mehr, Fleisch aber schon. Weil sie Taucherin ist und die Welt dort unten so schätzt. Das war’s dann auch. Reicht, oder?” 



NIcky: “Essen als Ersatzreligion. Der Glaube an und das Leben nach bestimmten Regeln sowie die Zugehörigkeit zu einer Gruppe Gleichgesinnter geben Halt in einer unsicheren Welt. Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse werden dabei gerne vernachlässigt, nach dem Motto “Der Glaube versetzt Berge”. Auch eigene Verantwortung wird damit abgegeben. Schau hier.”

 


Sebastian: “Oscar Wilde sagt, das Leben ist viel zu wichtig, um es ernst zu nehmen, und ich sag, beim Essen ist es genauso. Es sollte keine Ersatz für gar nix sein, glücklich also die, die es als Halte- und Raststätte im Leben wie im Tag haben, ohne gleich in der Küche oder am Esstisch leben zu wollen. Denn das Auftsehen und Rausgehen und zurückkommen und sich zusammensetzen, das ist doch das Leben. Übrigens auch das Kirchenleben - ein guter Pfarrer will auch nicht, dass die Leute sich dauernd in der Kirche auf den Knien rumdrücken. Ich habe meinem grad vor ein paar Woche gesagt, dass ich zur Messe wie zum Essen gehe - regelmäßig und mit Freude darauf. Und wenn’s mal nicht so gut war, ist das kein Drama. Körper und Geist sind trotzdem froh drum.”


Nicky: “Optimierung über alles, Geschmack ist zweitrangig - Astronautenfutter für die digitale Generation."

 

Sebastian: “Ja, das ist mir auch öfter untergekommen, stets kritisch, siehe oben. Den Mann freut’s trotzdem, gute Publicity. Und mei, wer’s mag. Auch hier koch ich lieber jemandem was Gutes als da viel Angst zu haben. Ich glaub nicht, dass es viele mögen werden.”




NIcky: “Keine Zeit, keine Lust. Essen und Kochen werden nicht mehr wertgeschätzt bzw. das Wissen darum wird nicht mehr innerhalb Familien weitergegeben. Im Vergleich mit anderen Nationen verbringen die Deutschen unterdurchschnittlich viel Zeit mit Kochen. Schau.”


Sebastian: “Auch hier bleibe ich naiv - so lange es im Supermarkt noch eine Gemüseecke und Fleischtheke gibt, glaube ich noch ans Kochen. Und fände es schon mal entspannt, wenn “wir Deutsche” uns nicht so sehr mit anderen vergleichen würden. Wenn ich mich hier so umschaue, leben wir ganz gut und frisch und das wird eher besser als schlechter. Die Sorge um verlorenes Kocherbe gibt’s in jedem entwickelten Land -  in den anderen ist die Sorge größer, dass es bald gar nix mehr zum Essen gibt.”


Nicky: "Bitte mehr davon! “Clean” im Sinne von “ohne Zusatz- oder Aromastoffe”, naturbelassen und möglichst unverarbeitet – eine gute Entwicklung. Doch sobald es ins Dogmatische abdriftet und jedes spontane Essen im Freundeskreis an mannigfaltigen Sonderwünschen scheitert, geschenkt!"


Sebastian: "Dito! Wobei ich ja manchmal vor lauter “ohne” auf den Packungen gar nicht mehr weiß, was da jetzt drin ist. Ich hab mal von der Forderung gehört, dass nur naturbelassene Lebensmittel das im Namen tragen dürfen, was sie sind, der Rest muss dazu schreiben, was sie noch alles sind. Also nicht “Bio-Joghurt ohne Pi, ohne Pa, ohne Po”, sondern einfach” Joghurt”. Und wenn er mit Pestiziden ist und von unglücklichen Kühen, die Turbomais fressen, dann steht das so drauf. Eigentlich sollte alles im Leben so sein.”


Nicky: "Bitte weg damit! Food-Boxen & Alles&Jedes-Lieferservice: Es gibt nichts, was es nicht gibt, alles kann man sich bequem als Box nach Hause liefern lassen, vom selbst zu kochenden Sternemenü bis zum Baby Food. Auch Lieferdienst für Restaurants werden immer umfangreicher und sind mittlerweile von mehreren Mittler-Unternehmen zentral über eine App organisiert. Nicht nur bringt man sich selbst um den Spaß des Einkaufens bzw. des Restaurantbesuchs, man wird immer bequemer, isolierter und sammelt dabei noch mehr unnötigen Müll an. Mahlzeit!”


Sebastian: "Letztens habe ich gelesen: “Neuer Trend: Köcheboxen” Und dachte, dass wäre jetzt eine neue Fernsehshow, Mälzer gegen Jamie, und Lafer kriegt eins auf den Lichter. Waren dann aber Boxen, die Köche zusammengestellt haben. Ich weiß, garnicht, wo ich anfangen soll… Also hör ich lieber auf.”


Nicky: “Buzzwords, die einem öfter begegnen werden: Acai, bitter, Roggen, Poke, levantinische Küche, Jerky, Algen, Hybridsorten versus Ur-Sorten, Bulk-Shopping.”


Sebastian: “Gelassenheitstipp: Die Worte nicht googeln, sondern warten, bis sie zu einem kommen. Wie auch dieses neue Jahr voller guter Essen. Viel Freude dabei!”

 

Rinquinquin
Fantastisch

Das hat mir unglaublich gefallen. 

Belledejour
Dito :-):-):-)

Wir kochen immer noch klassisch, das was uns *schmeckt* in Maßen

Sind immer noch gesund und müssen keine Pillen schlucken, egal welche. ;-)

Noch nicht eingeloggt?

Hier könnte dein Kommentar stehen :-)

Anzeige
Anzeige
Login