GABY’S NEW YORK: Hot Dog High Noon

Zum Independence Day will New York raus: zum Picknick im Central Park, zum BBQ im Garten - und zum Hot Dog Eating Contest am Strand von Coney Island. Gabi Redden war da.

GABY’S NEW YORK: Hot Dog High Noon
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Gabriele Redden

Es ist der 4. Juli, 12 Uhr mittags, und ich stehe inmitten von 35 000 Amerikanern an der Bühne vor „Nathan’s Famous Frankfurters”, auf der das alljährliche Wettessen von Würstchen in Brötchen stattfinden soll. Um mich herum Menschen aller Altersklassen. Manche tragen Hüte, auf denen Hot Dogs aus Stoff appliziert sind, einige sind total als Hot Dogs verkleidet. Aber egal ob man bunt bedruckte Prolo-T-Shirts oder feine Polohemden trägt, die meisten haben eine von einer Plastiktüte verkleidete Bierdose in der Hand, aus der sie hin und wieder verstohlen einen Schluck nehmen – alkoholische Getränke in der Öffentlichkeit trinken ist hier wie in den meisten Staaten der USA verboten. Doch die Polizisten, die sich strategisch in der Menge aufgestellt haben, drücken heute beide Augen zu. Und die beiden Offficer neben mir sind viel zu sehr damit beschäftigt, darüber zu diskutieren, wieviele Hot Dogs sie schaffen würden.

Die große Frage ist aber, während oben auf der Bühne die 20 Teilnehmer des Wettbewerbs vorgestellt werden: Wird Joey “Jaws” Chestnut aus San José, Kalifornien seinen vorjährigen Sieg über den sechsmaligen Gewinner Takeru Kobayashi aus Nagano, Japan wiederholen können? Wird also die Trophäe des Champions, ein senffarbener, mit “Juwelen” besetzter Gürtel, im Hot Dog Country bleiben, wo sie schließlich hingehört. Und nicht wieder von diesem die meisten Würstchen verdrückenden Japaner kassiert werden, wie es von 1996 bis 2006 der Fall war?

 

Wie Patrioten auf die Wurst kamen

Eigentlich ist mir jetzt schon ganz schlecht vom Anblick der Würstchenmassen, aber als Food-Journalistin ist es halt meine professionelle Pflicht, das mal miterlebt zu haben. Sind Amerikaner unempfindlicher als wir? Ich weiß es nicht, aber wenn ich mich so umschaue, sehe ich nur Menschen, die diese Vielfresserrei als einen ganz normalen, sportlichen Wettkampf betrachten. Und sie können den Start kaum erwarten.


Dabei fing alles ganz unspektakulär an: Vor 92 Jahren am 4. Juli 1916 wollten vier Immigranten mit einem Hot-Dog-Wettessen die Frage klären, wer von ihnen der Patriotischste sei. Sie trafen sich vor dem im selben Jahr eröffneten „Nathan’s” in Coney Island, nach 10 Minuten hatte der Ire James Mullen 13 Hotdogs verschlungen und war der größte Patriot. Im folgenden Jahr fanden sich mehrere Herausforderer ein, seither ist der Wettbewerb eine feste Einrichtung am Unabhängigkeitstag – auch wenn es heute nur noch um die eine Wurst mehr geht und weniger um die Liebe zum Land. Für Nathan’s war das natürlich ein Coup in Sachen Publicity, bald waren berühmte Persönlichkeiten von Al Capone bis Präsident Roosevelt Stammkunden, der die Würstchen sogar bei einem Staatsbesuch in England König und Königin servierte.

 

59 Hot Dogs in zehn Minuten. Uff!


Zurück in die Gegenwart: Die Teilnehmer stehen jetzt hinter dem langen Tisch bereit,  vor sich Berge von Hotdogs in den „Buns” geannten Knatschbrötchen  und jede Menge Wasserbecher, damit es besser rutscht. Und dann geht es los: Mit beiden Händen stopfen sich die Wettkämpfer die Hotdogs in den Mund, jeder verfolgt dabei seine eigene Strategie: Während sich Joey ein Brötchen nach dem anderen in den Mund schiebt, isst Takero zuerst zwei Würstchen auf einmal, stopft sich dann zwei Brötchen in den Mund und spült mit einem Becher Wasser nach. Nach 5 Minuten liegt Joey vorn und alles brüllt: „USA, USA…” Aber dann holt Takero auf, führt plötzlich um anderthalb Hot-Dog-Längen, nun holt Joey alles aus sich heraus, nein, sorry, presst natürlich alles in sich hinein - und nach 10 Minuten haben beide 59 Hot Dogs verschlungen! Gleichstand!!


Uff. Jetzt muss also „nachgegessen” werden, denn nur einer kann gewinnen. Und tatsächlich, das Wunder von Coney Island wiederholt sich, Joey „Jaws” Chestnut siegt im Finish mit einer Hot Dog Länge vor Takero, hat 10.000 $ gewonnen und den Gürtel für ein weiteres Jahr in die USA geholt. Die Welt ist – wenigstens heute am 4. Juli am Strand von Coney Island – wieder in Ordnung. Und damit zurück ins Küchengötterstudio nach München.

GABY’S NEW YORK: Hot Dog High Noon
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Cacao
59 hotdogs - würg

Mein Gott, 59 hotdogs hauen sich die Jungs da einfach mal rein, unfassbar! Passt aber gut zum neuen Trend dieser "Giga-Portions-Restaurants". Die gibt's übrigens auch hierzulande, wo man dann 1-kg-Wiener Schnitzel und ähnliche Abartigkeiten bestellen kann.

winnerger
wo...wo....wo.....

bleibt da die liebe fürs Detail...der Geschmack...der Genuss...die würdigung für das zubereitete Essen vom Koch?! finde ich auch nicht gut...da sowas nichts mehr mit Essen und Menschlichkeit zu tun hat... eher mit Fressen...und das machen bekanntlich ja nur Tiere...ein derber Rückschritt für die Menschheit ;-) LG Winni

Ananasbelle
it’s ok

Ich finde ja, dass der Hot Dog an sich ein Rückschritt für die würstchenessende Menschheit ist, also passt’s wieder. Aber der Bericht ist klasse.

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