Grüner leben - geht denn das?

Bio-Produkte kaufen, Strom und Wasser sparen – das kennt man ja schon. Aber kann man auch in der eigenen Küche mit Geschirr & Co. „grüner leben“?

Grüner leben - geht denn das?
5
Kommentare
Bettina Müller

Vor ein paar Tagen kam ich mit einer Freundin auf das Thema Plastikmüll zu sprechen. Doch dieses Mal ging es über das altbekannte Problem der plastiküberladenen Verpackungen im Supermarkt hinaus. Sie erzählte mir, dass sie sich gerade von allem Plastik trennen möchte, auf das sie irgendwie verzichten kann. Und in der Küche soll es damit losgehen. Erstaunt hörte ich ihren Ausführungen zum Verzicht auf Plastikdosen zu. Bisher hatte ich sie nie als bedenklich angesehen, schließlich verwende ich sie ja immer wieder und werfe sie nicht nach einer Benutzung weg, wie das bei einer Plastikverpackung vielleicht der Fall ist. Aber ihr ging es auch um chemische Verbindungen, die vielleicht an das Essen abgegeben werden. Übertrieben oder berechtigt? Und was wäre die Alternative? Glasdosen? Aber dann mit Deckeln, die nicht aus Plastik sind?

 

Meine Neugierde war geweckt und ich habe im Netz nach Produkten für die Küche gestöbert, mit denen es sich „grüner leben“ lässt. Dabei bin ich ziemlich schnell auf das Stichwort „Bio-Kunststoff“ und „kompostierbarer Kunststoff“ gestoßen. Also Kunststoffe, die nicht aus Erdöl, sondern aus Rohstoffen wie Mais, Kartoffeln, Weizen oder auch Bambus gewonnen werden. Wie zum Beispiel dieser Vorratsbehälter von BIOBU by EKOBO: Das Geschirr wird aus zermahlenen Bambusfasern, beispielsweise aus Bambus-Parkett-Späne-Abfällen, und pflanzlicher Cellulose hergestellt und anschließend mit lebensmittelsicheren Farbpigmenten bunt eingefärbt. Das Geschirr ist damit frei von Weichmachern, lebensmittelecht und soll auch komplett biologisch abbaubar sein.

 

Ebenfalls aus natürlichen Kunststoff werden diese Puddingförmchen von NaKu gefertigt. Vom gleichen Hersteller gibt es auch eine Zitruspresse, Butterdose, Schneidebretter, Sparschäler und und und ... Und zum ersten Mal wird mir richtig bewusst, wie viel Plastik auch ich in meiner eigenen Küche verwende.

 

Nicht auf Kunststoff, sondern lebensmittelechten Edelstahl, setzt die Eco Lunchbox. Hier steht vor allem das Vermeiden von Verpackungsmüll für Pausensnack & Co. im Mittelpunkt. Und die Dosen sind frei von Bisphenol A, Weichmachern und anderen umstrittenen chemischen Verbindungen.

 

Und ist Bio-Plastik nun wirklich besser als konventionelle Plastik? Dieser Frage geht ein Artikel auf reset.org nach. Betrachtet man rein den Aspekt der Weichmacher und anderer chemischen Substanzen, sowie die Ressourcenschonung, muss die Antwort wohl eindeutig „ja“ lauten.

 

Auch Porzellan kann man übrigens ressourcenschonend herstellen, wie KAHLA mit seiner „pro Öko“ Nachhaltigkeitsstrategie beweist. Und selbst beim Anpflanzen von Kräutern, Blumen  & Co. hört man neuerdings immer öfter das Wort „abbaubar“. So sind die Anzuchttöpfe des „Poppigen Gemüses“ von grow and see biologisch abbaubar und die MacFlowers To Grow können einfach mitsamt ihres Pappbechers in Erde gesetzt werden, da sie anschließend umweltfreundlich verrotten. Ein Austopfen ist nicht mehr nötig ...

 

Wahrscheinlich könnte ich diese Liste noch eine Weile fortführen. Ich finde es auf jeden Fall spannend, was sich alles so tut. Mit Begeisterung verfolge ich auch die Neueröffnungen all der Läden, die nun Lebensmittel ganz ohne Verpackungen verkaufen ("Original unverpackt" in Berlin, "Unverpackt" in Kiel, "Freikost" in Bonn) . Was wird sich noch alles ändern? Eines ist ganz klar: Es gibt noch viel zu tun, aber wir können ja schon mal anfangen.

 

Grüner leben - geht denn das?
Grüner leben - geht denn das?
Grüner leben - geht denn das?
Grüner leben - geht denn das?
Grüner leben - geht denn das?
Grüner leben - geht denn das?
Krümelinchen
Nicht grün, aber nicht ungesund

Ich finde die gewählte Überschrift irreführend. Im Text geht es schließlich um die vermuteten gesundheitsschädigenden Eigenschaften der Produkte. Für diejenigen, die, wie ich, unter "grün" etwas anderes verstehen, möchte ich deshalb noch mal die im Text implizierte Aussage hervorheben, dass die aufgeführten Produkte vielleicht gesünder, aber nicht unbedingt ökologischer sind.

 

Dazu möchte ich auf den Artikel "Die Plastiktüte ist besser als ihr Ruf" der FAZ verweisen. Demnach muss ein Jutebeutel 100 mal benutzt werden, um mit der Plastiktüte ökologisch gleich zu ziehen. Das fand ich sehr eindrucksvoll. Da ich meine Stofftaschen aber häufig nutze, ändert sich dadurch für mich nichts. In dem Artikel wird übrigens auch auf den vergleichsweise übersteigerten Ressourcenverbrauch bei (kompostierbarer) Öko-Plastik hingewiesen.

 

Bezüglich der chemischen Eigenschaften muss ich gestehen, dass ich nach der Aufbewahrungsdauer differenziere. Wenn ich Essen für den nächsten Tag aufbewahren will, verwende ich Plastikdosen. Ansonsten, z.B. bei Zucker und Mehl, benutze ich Glasbehälter mit Edelstahldeckel.

 

Mir ist aufgefallen, dass der Plastikverbrauch in der Obst- und Gemüseabteilung sehr hoch ist. Mich würde interessieren, wieso viele zu den Tüten greifen? Die Lebensmittel sollten doch eh abgewaschen werden - oder sie werden sogar, wie Bananen oder Orangen, geschält.

lundi
Es geht immer ein wenig grüner

Ein spannendes Thema. Da sollte man doch in regelmäßigen Abständen drüber nachdenken und ohne Schummeln sein eigenes Verhalten prüfen. Oder besser gesagt seine Bequemlichkeit und Ausreden.

 

Mein Schlüsselerlebnis hatte ich vor einigen Jahren bei der Besichtigung des im Bau befindlichen Kárahnjúkar-Staudamms inkl. Aluminiumwerk. Ich war so erschüttert, dass ich seitdem keine Alufolie mehr gekauft habe und Alu vermeide, sogar meinen Töchtern, die auf Deo nicht verzichten können, eine alu-freie Marke versucht habe anzupreisen. Klarsichtfolie, beschichtete Pfannen und die meisten Einwegverpackungen habe ich dabei  aus meiner Küche gleich mit verbannt.

 

Seitdem versuche ich, unser Familienleben "grüner" zu gestalten. Nicht alles auf einmal, aber voranschreitend. Konsequenz bzgl. regionaler und saisonaler Produkte. Milchprodukte ausschließlich in Mehrweggläsern einkaufen, Fleisch an der Theke und Gemüse auf dem Markt. Immer eine Tasche dabei haben und eine zweite auch noch. Leitungswasser trinken statt in Plastik eingesperrtes durch die Gegend zu fahren. Das hab ich u.a. schon geschafft, die Ausrede "wenig Zeit" und "viel schleppen" überwunden. Und es geht noch so viel mehr, auch bei Alltagsgegenständen. Meine Zitruspresse ist uralt und deshalb aus Glas, juhu.

 

Im Kahla-Werk hatte ich mal eine Betriebsführung. Beeindruckend. Innovativ. So tolle Ideen plus Mut und Kraft zur Umsetzung. Daumen hoch! Da lasse ich doch jede Tupperdose mit lustigem Namen links liegen. Warum ich jedoch auf www.pureandgreen.at für eine (zugegeben, stylisch ummantelte) Glasflasche 25 € bezahlen soll um der Umwelt etwas Gutes zu tun, ist mir nicht ganz klar. Zur Einschulung bekam jedes meiner Kinder eine Brotbüchse aus Plastik. Die nehmen sie jetzt im Studium immer noch. 15 Jahre fast täglicher Gebrauch ist keine so schlechte Ökobilanz. Dazu Leitungswasser in einer Plastikflasche, die ist einfach leichter für ein Kind, das einen sowieso schon zu schweren Schulranzen trägt. Gesundheitlich beides bedenklich. Sie leben noch - aber das ist das falsche Argument. Tja, und Pflanzen in Kokos kennt man ja, in Papptöpfen habe ich kürzlich im Baumarkt gesehen und mich gefragt, wie lange der Topf wohl durchhält und ob das wohl so gut sei.

 

Bioprodukte aller Art, ob Lebens- oder Reinigungsmittel, Kleidung o.a. - werden ja regelmäßig in den Medien schlecht gemacht. Ich kaufe sie trotzdem. Nicht immer und nicht alles. Irgendwo muss man ja anfangen.

 

Plastik komplett aus der Küche entfernen - so weit bin ich noch lange nicht. Aber ich habs im Plan und bin auf dem Weg dorthin, realistisch und Stück für Stück. Ich finde das durchaus sinnvoll und nicht übertrieben. Was letztlich wirklich ökologisch und gesundheitlich sinnvoll bzw. notwendig  ist, verraten uns die, die es wissen, sowieso nicht, sondern nur die, die Untersuchungen in Auftrag geben oder bezahlen. Ich vertraue meinem Instinkt und gesundem Menschenverstand.

Bettina Müller
@lundi

Du sprichst mir aus der Seele! Ich finde es toll, was Du schon alles probierst umzusetzen. 

 

Mein Schlüsselmoment war das Lesen dieses Beitrags über Ivan Macfadyen, der von der Veränderung des Ozeans innerhalb der letzten 10 Jahre berichtet. Es geht um eine furchteinflösende Stille, riesige Plastik- und Müllflächen im Meer und die Tatsache, auf einem Segeltörn kaum noch Fissche fangen zu können. Ich war recht fassungslos nach dem Lesen und habe mir vorgenommen, dass ich irgendetwas ändern muss. Seitdem probiere ich auch herauszufinden, was ich denn anders machen kann. Und freue mich immer über neuen Input. Danke!

JulietteG
Ich habe sowohl den Beitrag...

als auch die Kommentare mit großem Interesse gelesen!Ich gebe nur eins zu bedenken: warum sollte ich meine Plastikschüssel jetzt entsorgen, wenn sie noch geschätzt 10 Jahre halten würde... Wäre das nicht im Ergebnis provozierte Umweltverschmutzung?:)

Bettina Müller
@Juliette

Das sehe ich natürlich genauso wie Du! Wenn etwas nicht sowieso defekt ist, würde ich es jetzt nicht ersetzen. Außer ich wüsste vielleicht, dass es sehr schädlich ist. Aber selbst dann ließe sich ja bestimmt eine Verwendung abseits von Lebensmitteln dafür finden. :-)

Noch nicht eingeloggt?

Hier könnte dein Kommentar stehen :-)

Anzeige
Anzeige
Login