ICH KOSTE… Weihnachtsnascherei

Klar, die Welt ist schlecht und wer schon Anfang November Weihnachtsplätzchen will, macht sie noch schlechter. Was aber, wenn’s ihm richtig gut geht dabei? Lest selbst.

ICH KOSTE… Weihnachtsnascherei
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Kommentare
Sebastian Dickhaut

Am Montagabend habe ich mein erstes Weihnachtsplätzchen gegessen. Ich kam am Abend von einem kalten Draußen rein, als da drinnen gerade ein Blech mit Elchen und Sternen aus dem Ofen gezogen wurde. Erst war ich noch ein bisschen zerstreut, erster Abend nach verfeiertem Wochenende und verdaddeltem Wochenanfang,  plötzliche neue Lebensgefühle, Ihr wisst schon.

 

Aber dann streckte sich breit und wonnig so ein wunderzarter Mürbeteigelch in meinem Mund aus und seine Aura aus Butter, Zucker und Ofenwärme strömte im Nu durch meinen ganzen Körper. Da musste ich einfach für einen Moment stehen bleiben, tief in mich schauen und denken: Alles ist gut.

 

Fastenzeit statt Konsumwahn?

 

Puristen finden so was natürlich gar nicht gut. „Weihnachtsplätzchen Anfang November, wer genießt denn so was?” Und die Fundamentalisten rufen sogar: „Fastenzeit statt Konsumwahn! Kaum ist das Oktoberfest zu Ende, das ja auch immer schon im September stattfinden muss, stehen die ersten Nikoläuse in den Läden – und werden dann auch noch Weihnachtsmänner genannt! Weil sie rot sind. Und das nur, weil Coca Cola sie einst zu Reklamezwecken umgefärbt hat. Außerdem sind das eh alles umgeschmolzene Osterhasen. Hinweg damit, zumindest bis zur Christmette, denn erst dann ist die adventliche Fastenzeit zu Ende, erst dann darf wieder genascht und gefleischt werden.”

 

Also gut, das mit dem Gänsebratenverzicht an Heiligabend lasse ich mir einreden, weil da schon genug Sprengsätze im trauten Familienkreis versteckt liegen, die man mit so einem potentiellen Rohrkrepierer nicht noch zusätzlich anfeuern muss. Aber sich durch die kalte, lichtlose Zeit nur mit bunten Tellern voller Mandeln und Mandarinen retten? Die verfrühte Elchbäckerin  fragen, ob sie noch zu retten wäre? Alles von Anisbusserln bis Zimtsternen bis zum 25. Dezember, 0 Uhr, als Teufelswerk betrachten? Souverän ist was anderes.

 

Kaffeegebäck statt Weihnachtsrentier!

 

Ich weiß natürlich, dass früher alles besser war und dass irgendwann  schon im Februar wieder die ersten Weihnachtsnaschereien im Drogeriemarkt  liegen. Wobei ich das bei dieser Kardamomschokolade von Gepa gar nicht schlecht fände, die ich letztens im Bio-Laden entdeckt habe – die macht einfach nur gute Laune, das braucht man gerade zu Fasching ziemlich. Und das neue Weihnachtsrentier von Lindt (siehe unten) müssen sie erst gar nicht aus den Regalen nehmen – das geht auch als kostümierter Osterhase durch und einen Sommerferienjob wird sich auch noch dafür finden. Habt Ihr vielleicht eine Idee?

 

Im Gegenzug hätte ich ein Kompromissangebot für alle Pur- und Fundamentalisten: „Nürnberger Butterzeug” von Wicklein, ebenfalls im örtlichen Droge(!)riemarkt entdeckt. Steht zwar im Weihnachtsregal, steht aber nix von Weihnachten drauf. Und Herzen, Mond und Sterne leuchten einem schließlich das ganze Jahr, oder? Auch wenn da die selbstgebackene Aura fehlt und dafür auf der sonst anständig übersichtlichen Zutatenliste was von Wachsmaisstärke steht, haben die was Pures und Gutes. Geht daher an einem nasskalten Novembertag ganz prima als Plätzchen zum Kaffee – wobei das ja auch so ein Puristenthema ist. Aber hey, bald ist Advent, die stade (für außerbayrische: stille) Zeit. Weswegen wir jetzt kein Wort drüber verlieren, dass da drinnen ein Tannenbaum versteckt ist. Wobei: Der grünt ja auch zur Sommerszeit.

 

Habt Ihr dieses Jahr schon Eure erste Weihnachtsnascherei gehabt? Wenn ja - wann denn? Und wenn nein - warum denn?

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Maike Damm
Oh ja, es weihnachtet sehr...

Lieber Sebastian, Danke, Danke, Danke, nun traue ich mich endlich, doch beherzt in das Weihnachtsnaschregal zu greifen! Auch wenn es sicher nicht der mittels Beinverlängerung auf weihnachtlich getrimmte Osterhase sein wird, den ich stolz nach Hause trage. Und auch das mit dem Plätzchenbacken werde ich demnächst in Angriff nehmen, damit sich auch in meinem Mund schon bald das ein oder andere Mürbteigrentier ausstreckt und räkelt! Liebe Weihnachtsgrüße!

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