Küchengöttin in Stollennot

Wer einen Stollen für Weihnachten backen will, sollte rechtzeitig damit anfangen. Doch was macht man, wenn mal wieder alles anders kommt?

Küchengöttin in Stollennot
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Bettina Müller

Ich konnte schon früher backen als kochen. Bereits mit 12 Jahren habe ich alle 10 Tage einen Kuchen in den Ofen geschoben, da ich eines Tages auf die glorreiche Idee kam, einen Herrmann zu Hause anzuschleppen – also einen dieser Hefebreie, die man im regelmäßigen Rhythmus füttern, teilen, verschenken und backen muss. Meine Familie hat der neue Kuchenreichtum (glaube ich zumindest) gefreut.

Ein paar Jährchen später wurde bei uns die Tradition eingeführt, dass jeder etwas zum gemeinsamen Weihnachtsessen an Heiligabend beitragen muss. Nein, keine Gedichte, Flöten- oder Gesangsarien (das musikalische Talent scheint sich bei uns in der Familie nicht besonders wohl zu fühlen), sondern tatsächlich etwas essbares. Während mein Vater zuständig für Gans und Rotkraut ist, kümmert sich meine Schwester um weitere Gemüsebeilagen und Fisch (oh ja, Weihnachten ist bei uns ein kleines Essgelage) und meine Mutter zaubert immer einen Obstsalat. Und ich? Klar, ich wollte backen.

Und so kam es, dass ich mit 15 Jahren meinen ersten Stollen gebacken habe. Diesen Plan fasste ich am 23. Dezember – vielleicht nicht ganz der ideale Tag, um einen klassischen Christstollen zu zaubern, der mehrere Wochen ziehen sollte. Doch ich wusste mir damals zu helfen und stürzte mich eifrig auf ein Rezept für Quarkstollen, den man auch schon am nächsten Tag verspeisen konnte (an dieser Stelle: Danke Papa, dass ich Deine Küche damals in ein Quark-Mehl-Schlachtfeld verwandeln durfte). Allen, die sich noch nie getraut haben, selber einen Stollen zu kredenzen, würde ich für den Einstieg übrigens auch einen Quarkstollen empfehlen. Ist dann erstmal die erste Hürde gebrochen – nämlich die Angst davor überwunden, keinen essbaren Stollen auf den Tisch zu bringen – merkt man ziemlich schnell, dass solch ein Stollen kein Hexenwerk ist. Zumindest, wenn man nur einen oder maximal zwei backt: Meine Oma erzählte mir immer, dass sie früher mindesten vier Stollen gebacken hat Diese wurden dann zu Hause vorbereitet und zum Bäcker gebracht, da im eigenen Ofen nicht so viel Platz war. Ich stelle mir das immer ganz naiv recht romantisch mit viel Schnee und offenem Feuer vor – vermutlich war es damals aber noch harte Knochenarbeit.

Nun gut, lange Rede, kurzer Sinn: Nach meinem Einsteig über den Quarkstollen steuerte ich in den Jahren darauf immer einen klassischen Christstollen, der mindestens drei Wochen ziehen durfte, zum Weihnachtsessen bei. Übrigens ganz ohne Vorurteile gegen Orangeat und Zitronat – beide Zutaten wurden bei mir immer gemeinsam mit Rosinen in Rum eingelegt, was am Ende eine sehr aromatische Mischung ergab, die ratzfatz weggeputzt wurde.

Obwohl dieses Jahr noch genügend Zeit wäre, einen klassischen Christstollen zu backen und ihn drei bis vier Wochen ziehen zu lassen, sehe ich mich in Stollennot: Mein Umzug steht vor der Tür, vielleicht nicht der beste Zeitpunkt, die Küche in eine Weihnachtsbäckerei zu verwandeln. Was nun also? Wieder einen klassischen Quarkstollen kurz vor Heiligabend backen? Nickys Rezept für schnellen Quarkstollen mit Aprikosen lacht mich an, aber mir fehlen die Rosinen. Bin ich also so mutig und experimentiere wild herum? Oder probiere ich es einmal ganz ausgefallen und backe Dosenstollen? Was haben die Stollenbäcker unter Euch für Vorschläge? Und backt Ihr überhaupt selbst Stollen?

Ich freue mich auf Stollen-Inspiration von Euch.

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cystitis
Dresdner Stollen
Küchengöttin in Stollennot  

Ich habe noch nie meinen Stollen selbt gebacken. Kenne ich aber von meiner Großmutter noch. Sie machte immer einen klassischen Stollen. Soweit ich mich erinnere(ist 30 Jahre her), wurde dieser immer frisch verzehrt. Wenn Du möchtest, schreibe ich Dir das Rezept auch noch hier. Lecker war er jedenfalls.

Meine Stiefmutter macht heute immer noch ihren eigenen Mohnstollen. ich dachte, daß ich mir das Rezept schon habe geben lassen. Stimmt aber nicht! Ich werde sie morgen für Dich anrufen. Dann stelle ich das Rezept ein. Fotos habe ich aber schon letztes Jahr gemacht.

Ich für meinen Teil habe jedes Jahr einen Dresdner Stollen zu Hause. Für mich der beste Stollen, den man kaufen kann.

cystitis
Rezept

Hier ist das Rezept

Bettina Müller
Mohnstollen

Liebe cystitis,

 

danke für das Mohnstollen-Rezept. Das wäre auf jeden Fall was, da ich Mohn liebe. (Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie ich den Stollen am besten im Koffer in die Heimat transportiere. ;-) ) Ich werde berichten, was am Ende dabei herausgekommen ist.

 

Bettina Müller
Stollenkonfekt

Gerade bin ich noch auf Belledejours Stollenkonfekt gestoßen. Die Zubereitung scheint schneller zu gehen als bei einem richtigen Stollen. Wenn ich mich ranhalte, sind die zwei Wochen zum Ziehenlassen noch drin. Vor allem aber hätte ich auch nicht das Transportproblem, da sich das Konfekt garantiert leichter im Koffer verstauen lässt, als ein ganzer Stollen. Theoretisch müsste man ja aber auch aus Mohn- oder Quarkstollen Konfekt machen können, oder? Hat irgendjemand eine Idee, wie lange das Konfekt bei anderen Stollenvarianten wohl im Ofen braucht?

Belledejour
DIE brauchen aber auch ihre Zeit

Liebe Bettina, etwas Geduld muss man natürlich auch mitbringen. Ich weiche die Rosinen und Mandeln immer einen Tag vorher ein. Am Backtag muss man die Geduld beim Hefeteig mitbringen - mehrmals gehen lassen. Am längsten dauert es, die fertigen  Plätzchen in flüssiger Butter und anschließend im Puderzucker zu wälzen. Immerhin waren es bei mir mal wieder 2 Bleche voll. Sie ruhen nun noch 1 Woche. Der Vorteil ist - so finde ich - sie sind mundgerecht und schmecken wirklich wie ein Stollen.

Bettina Müller
Zeit

Liebe Belledejour,

 

danke nochmal für deine Hinweise. Die ganzen Pause im Rezept für den Teig hab ich schon gesehen, das sei ihm gegönnt. :-) Aber danke für die Vorwarnung mit dem Wälzen, das hätte ich wahrscheinlich unterschätzt. ;-)

Belledejour
Ach ja, noch etwas

bitte nicht wundern. Der butterträchtige Teig geht nicht so auf wie ein normaler Hefeteig.

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