Kulinarische Entdeckungsreise: Ab auf die Hütten!

Hüttengaudi oder Hüttengraul? Ist in den Bergen wirklich alles wie verzaubert? Eine Küchengöttin auf den Spuren ihres Hütten-Traumas.

Kulinarische Entdeckungsreise:  Ab auf die Hütten!
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Kommentare
Viola Booth

Neues Jahr, neuer Lesestoff: Die Küchengötter wollen Euch 2013 mit auf kulinarische Entdeckungsreise nehmen. Den Anfang macht Küchengöttin Viola mit einem Hüttenkrimi.

 

Jedes Jahr kurz nach Weihnachten wurden bei mir zuhause die Schneeanzüge, Mützen und Handschuhe aus den Schränken geholt und im Auto verstaut. Skiurlaub war angesagt! Schneemänner bauen, Schneeballschlachten machen, rodeln. Alles perfekt. Naja, fast! Hätte die Sache da nur nicht diesen einen Hacken gehabt.

 

Meine Eltern –  passionierte Skifahrer – steckten uns Kinder nämlich immer in einen Skikurs. Und das fand ich als Kind einfach nur furchtbar. Nicht nur, dass meine Schwester und ich wegen des Altersunterschiedes getrennt werden mussten, nein die anderen Kinder konnten auch viel besser und schneller als ich die Pisten runterdüsen. Von meinen traumatischen Erlebnissen auf der Huckelpiste ganz zu schweigen ... Selbst meine Erinnerungen an die Pausen auf der Hütte sahen da noch bis vor kurzem nicht viel rosiger aus. Alle Skischüler bekamen nämlich Spezi zu trinken – die konnte ich überhaupt gar nicht leiden. Und auf dem Speiseplan standen superfettige, unfertige Pommes und eine schreckliche Currywurst – jeden Tag! Schon als Kind konnte man mich damit jagen.

 

Detektivarbeit: Wo ist der Hüttenzauber?

 

Bei dem Gedanken an Skifahren und Hütten-Aufenthalte lief es mir also noch Jahre später eiskalt den Rücken runter. Ich verstand nie was diese Hüttenzauber-Sache eigentlich sollte. Ist es nicht viel eher ein anstrengender Horror-Trip und die Leute wollen das nachher in der Heimat nur nicht zugeben? Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, dass sich meine Einstellung zu jeglichen Berg-Aktionen jemals ändern würde, als ich dem Winter-Wonderland doch noch eine Chance gab. Es ging in die bayerischen Alpen rund um den Schlier- und Spitzingsee. Statt die Skier anzuschnallen und mit dem Lift hochzufahren, wählte ich dieses Mal den Fußweg. Auf der Berghütte angekommen, roch es herrlich nach allen möglichen Köstlichkeiten ... und genauso schmeckten sie auch. Ah ha, verstehe, dass ist also der Hüttenzauber von dem immer alle sprechen. Ich hab ihn gefunden – auf dem Teller!

 

Bye, bye böses Trauma

 

Ob es jetzt an der frischen Luft oben auf der Alm liegt oder nicht – in den Bergen schmeckt das Essen irgendwie doppelt so gut. Zuhause nachmachen geht natürlich auch, wenn gerade keine Zeit für den Kurztrip ist. Hier sind meine Hütten-Favoriten, Klassiker die mich schließlich doch zum Berg-Fan werden ließen:

 

  • Speckknödelsuppe: Wärmt nach Wanderung oder Skiabfahrt - oder einfach an kalten Wintertagen in den eigenen vier Wänden.
  • Käsespätzle: Schmeckt hoch oben einfach am besten.
  • Kaiserschmarrn: Dafür würde ich gleich zwei Mal hintereinander den Berg hoch marschieren.
  • Germknödel: Handschuhe aus und los schlemmen – so lecker sind die Germknödel. 

 

Und das Ende der Geschichte? Jetzt wo ich weiß, wie gut das Essen auf der Alm ist, überlege ich mir doch glatt, ob ich mich nicht doch noch einmal auf die Skier schwinge. Auch wenn ich um den Skikurs wohl nicht herum komme. Aber wenigstens mag ich mittlerweile Spezi. Also, ich würde sagen: Der Berg ruft ... Und was ist Eure schönste kulinarische Entdeckung auf der Hütte? 

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aveva
Also ich...
Kulinarische Entdeckungsreise:  Ab auf die Hütten!  

esse in einer Skifahr-pause am allerliebsten Gulaschsuppe - oder ein richtiges Rindsgulasch mit Knödel.

Aber eigentlich mag ich es nicht so üppig, weil dann is das Skifahren umso mühsamer mit vollem Magen und obendrein bin ich nicht direkt eine "Brettlballerina", also lieber was leichtes in der Mittagspause und eine scharfe Gulaschsuppe ist da die ideale Lösung. 

P.S. das etwas ungustiöse Foto zeigt mein letztes Hüttenerlebnis (Skischuhe sind unglaublich unpraktisch beim Gehen)

Aphrodite
@aveva,

da müsste mal jemand Herrn Dickhaut mit Skischuhen auf die Hütte schicken zum Kochen. Das wäre bestimmt genauso lustig. Im Übrigen: gibt es keine lustigen Videos mehr?

sparrow
Gute Erinnerungen

Ich habe schon in vielen Hütten übernachtet und auch gegessen. Ich bin allerdings keine Skifahrerin sondern eine " Bergziege". Mit 5 Freundinnen sind wir jedes Jahr im September 3-4 Tage mit Rucksack im Gebirge gewandert und haben in Hütten übernachtet. In der Hütte auf dem Faulhorn gab es zu unserer Überraschung ein wunderbares Käsefondue, dazu einen Fendant. Wir haben es alle sehr genossen. Ein besonderes Erlebnis hatte ich letztes Jahr in Südtirol, dort gab es in einer Almhütte glutenfreie Buchweizentorte und Kaiserschmarren. Das ist für mich immer ein Highlight, wenn ich etwas glutenfreies zu essen kriege.

Küchenschreck
Den Sternen nah...
Kulinarische Entdeckungsreise:  Ab auf die Hütten!  

i(s)st man nicht nur, je höher der Berg sondern auch, je besser der Koch. Kein Gebiet der Alpen scheint mir aus der Erinnerung den Freund guten Essens besser zu umsorgen als Südtirol und das Trentino. Auf der Seiser Alm kocht in der Gostner Schwaige ein Mann, der im Tal sicherlich zu hohen Ehren und vielen Sternen kommen könnte Franz Mulser. Was er in seiner gerade mal drei Quadratmeter kleinen Küche an kulinarischen Köstlichkeiten zubereitet, ist mustergültig und ein Fest für die Sinne. Bemerkenswert der Eifer, mit dem naturnah produziert wird. Das fängt bei den Blüten von den umliegenden Almwiesen (keine Eisblumen) an und endet beim Fleisch von Schweinen aus Vaters Stall. Dass Mulser auch in München bei Hans Haas kochte - wen wunderts.

Um zu zeigen, dass auch am Berg vorzüglich gekocht werden kann, bieten (oder boten) in den vergangenen Jahren zahlreiche Hütten im Trentino ein Menü mit begleitenden Weinen für günstiges Geld an. Bei meinem letzen Besuch im Jahr 2011 zahlte man für ein Dreigang-Menü inklusive sehr guter Trentiner Weine um die 30 Euro. Herz und Gaumen - was woltl ihr mehr. Ob es dieses Arrangement auch im Winter gibt, ist mir nicht bekannt.

Aphrodite
Von Tannenhähern und Zirbelnüssen.

@Küchenschreck, das ließ mir doch jetzt keine Ruhe. Mit Skischuhen auf die Seiser Alm? Es geht. Nur 5 Wochen im Jahr soll die Gostner Schwaige geschlossen sein. Das ist da oben ja wirklich ein Traum und Geheimtipp. Von Zirbelnüssen habe ich noch nie gehört, deshalb hier ein kleiner Exkurs. Und ein wirklicher Lebenstraum, den sich Franz Mulser da erfüllt hat. Selten, dass sich jemand so treu bleibt, wo ja alle nur noch ins Fernsehen rennen.

Sebastian Dickhaut
War schon da - aber ohne Schneeschuhe

Einmal ganz fein und bequem im Almdorf Seinerzeit mit freundlicher Unterstützung der Küchengötter (war auch nötig bei diesem Luxus) und hab mir das sogar was gekocht; und immer wieder mal zu Fuß mit dem Schlitten auf der Bodensteinhütte am Schliersee, wie hier etwa (leider hängt da was mit den Bildern). Alleine der Schmarren da oben ist es wert. Gefilmt haben wir da noch nicht, aber das wäre mal eine Idee... 

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