Mannerschnitten gegen Butterkekse 21:20

Zu wem hält man heute Abend, wenn man in Deutschland geboren und in Österreich groß geworden ist? Im Zweifel hilft das Sportgummibärchen-Orakel weiter.

Mannerschnitten gegen Butterkekse 21:20
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Kommentare
Sebastian Dickhaut

Die jungen Jahre prägen einen ja, beim Essen wie beim Sport. Ich bin in einem so lebensfrohen wie unsportlichen Haushalt aufgewachsen, dem meine Karriere als Sprinter (zeitweise der Zweitschnellste im Jahrgang) so vorbildlich egal war, dass ich nach drei Wochen Vereinswesen das Staffelholz wieder abgab, denn diese Welt war mir doch zu fremd vom Zuhause. Und dem war Fußball überhaupt das Fremdeste.

Die deutsche Mannschaft hieß bei meinen Eltern „die Flaschen”, weil sie immer so groß dröhnte und klein spielte. Als das mal Anfang der Siebziger anders war, wanderten wir nach Österreich aus, was fußballerisch eh immer „a Hetz is”. Als zum Beispiel bei einem Ligaspiel im Wiener Praterstadion mal ein Fan aufs Feld lief, liefen im gleich ein gutes Dutzend Polizisten in Zivil („Deeskalation”) hinterher, die das Restpublikum für weitere Fans hielt und seinerseits folgte – das Spiel wurde dann abgebrochen und meine Eltern lachten sehr beim Lesen der Morgenzeitungen.

 

Auf der Flucht vor dem Fluch von Cordoba



Und dann natürlich: Cordoba. Im Atlas in Argentinien, in Wirklichkeit seit 30 Jahren in Österreich, wo es von der Orts- zur Zeitangabe mutiert ist, und zwar für eine Zeit, als der österreichische Fußball noch weltberühmt war – zumindest in Österreich. Weil Schadenfreude die schönste Freude ist, setzten sich im Laufe des Spiels mein Eltern mit aufs Sofa und am Ende lief meine Mutter lachend und jubelnd durch den Garten – was ein bissl einen Ärger gab, weil wir inzwischen wieder in Deutschland lebten.

Ich will da jetzt gar nicht viel erzählen, erklären, erleuchten, denn das haben Österreichs Medien in den letzten Monaten schon so umfassend erledigt, dass man meinen könnte, das Finale wäre bereits auf den heutigen Tag in die Vorrunde verlegt worden – was ja eine sehr geschickte Taktik ist, denn dann würde Österreich heute immerhin als Vizeeuropameister ausscheiden. Andererseits wäre meine Mutter dann immer noch nicht vom „Fluch von Cordoba” erlöst, der sie damals in unserem Garten von den deutschen Nachbarn ereilte und müsste auch beim nächsten „Derby” A gegen D wieder die Ösis groß dröhnen und klein spielen sehen. (Sie ist jetzt extra in Kur weit weg von Wien gefahren.)

Und nun? Halte ich zu den unermüdlichen Überlebenskämpfernim Geiste Cordobas, denen am Ende diesmal nicht die Puste vorm Tor ausgeht - oder doch lieber zu den perfekt eingestellten Uhrwerkkickern , auch wenn sie die falsche Zeit anzeigen? Dann müssten neben Deutschland aber auch Italien und Frankreich weiterkommen, was ja  bei der WM schon ein Ärger war, die für mich spätestens im Finale nur noch ein Trauerspiel statt ein Sommermärchen war. Ich sage nur: Materazzi gegen Zidane.

Aber man soll bei Tisch nicht über Sport reden, also reden wir vom Essen, von den Naschereien und Knabbereien, mit denen ich mich heute beim Fußballschauen beruhige. Bei denen habe ich Österreich schon mal gegen Deutschland antreten lassen – hier die Ergebnisse nach meinem Gusto:

 

Österreich gegen Deutschland


Mannerschnitten gegen Butterkekse                 3:2
Sportgummi gegen Gummibärchen                  3:1
Mirbaell Mozartkugel gegen Reber Mozartkugel   1:2
Schwedenbomben gegen Dickmanns                3:0
Brickerl gegen Brauner Bär                            3:2
Soletti gegen Salzstangen                             1:1
Wurstsemmel gegen Fischsemmel                   2:2
Wiener Frankfurter gegen Echte Frankfurter       1:3
Gabelbissen gegen Heringssalat                      1:3
Red Bull gegen Bionade                                0:3
Großer Brauner gegen Tasse Kaffee                3:1

 

Ergebnis: 21:20 für Österreich

Fragen, Ergänzungen, Kommentare? Aber bitte!

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Flo
Piefkens habens drauf

Letztendlich sticht aber das legendäre Kochkässchnitzel von der hessischen Bergstraße das Wiener Schnitzel um Längen aus mit mindestens 2:0. Und damit ist Deutschland der Sieger-basta! ;)

Sebastian Dickhaut
Käse war’s - auf beiden Seiten

Und mit so was gewinnt keiner ein Schnitzel - da stellt sich die gleiche Frage wie nun wohl bei Italien:Frankreich: Warum darf überhaupt einer weiterkommen?

Weder Kalbs- noch Schweinsschnitzel,

weder Lasagne noch Bouillabaise. Unser Schal hat überlebt, wir müssen nicht zu Katy auf die Kreuzung fahren. Aber ich, als bekennender Fußballmuffel, bin ganz schön betrübt über die Performance der Deutschen. :-(

kaltmamsell
Gilt

"man soll bei Tisch nicht über Sport reden" auch für Schreibtische? Dann könnte ich mir heute im Großraumbüro vielleicht eine kleine Ruhezone schaffen.

Ananasbelle
:–X

 

Pepe
Nichts nervt ...

... mehr als das nach weit über 30 Jahren immer wieder gern erwähnte Cordoba *schnarch* ...! Irgendwann wird es zum Synonym für "Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn". Hätten die Deutschen (die so schlecht waren wie schimmliger Bergkäse) Montag gegen die Ösis verloren - ich wäre sofort nach Salzburg, Wien oder Graz ausgewandert, hätte meine schwarzrotgoldene Flagge verbrannt und mich fortan Österreicherin genannt!

Gummibärchenorakel sind allerdings toll - das nur am Rande ...

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