Interview Nicole Stich
"Sweets - Himmlische Verführungen für den ganzen Tag"

Nicole Stich auf den Spuren von Oma Luises Zwetschgenknödel-Geheimnis

Wenn sie reist, interessiert sie sich als erstes für die Patisserien und die lokalen Süßigkeiten der Stadt. Wenn sie den Duft von Vanille oder Zimt riecht, wird ihr ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Und wenn sie Zwetschgenknödel isst, wird sie wieder acht Jahre alt uns sitzt bei ihrer Oma am Tisch. SIE ist Nicole Stich. Fotografin, Foodbloggerin der ersten Stunde (www.deliciousdays.com), Rezepteschreiberin, Kochbuchautorin und Küchengöttin. Ja, wenn Nicky etwas macht, tut sie es mit ganzem Herzen. Das gilt vor allem fürs Essen.

In ihrem brandneuen Kochbuch "Sweets" hat Nicky ihre süßen Lieblingsrezepte zusammengestellt. Alle haben das besondere Etwas. Und alle sind sie unwiderstehlich! Was hinter den Rezepten steckt? Eine Geschichte mit ganz vielen Kindheitserinnerungen. Und genau die hat uns Nicole Stich im Interview verraten. Lesen Sie mehr.

Küchengötter-Interview mit Nicole Stich

Rezept Zwetschgenknödel
Oma Luises Zwetschgenknödel aus "Sweets"

Küchengötter: Nach „delicious days“ und „Geschenkideen aus der Küche“ ist „Sweets“ Dein drittes Buch. Die Leser finden dort eine Sammlung süßer Rezepte. Wie kamst Du auf die Idee zu diesem Kochbuch? 

Nicole Stich: Die Rezepte, die mir am meisten am Herzen liegen, sind süße. Ob Kuchen-Rezepte von meiner Oma, Germknödel oder Zwetschgenknödel – es sind Rezepte, an denen Erinnerungen hängen.

Küchengötter: Die Zwetschgenknödel in „Sweets“ haben ihren Namen sogar Deiner Oma zu verdanken (Oma Luises Zwetschgenknödel). Auch bei den Pfannkuchen oder dem Grießbrei schreibst Du über Deine Kindheitserinnerungen. Welche Rolle spielen diese kulinarischen Kindheitserlebnisse für Dich?

Nicole Stich: Wenn man, wie ich, das Glück hat mit jemandem aufzuwachsen der viel Spaß am Kochen hat, gehört das mit zu den schönsten Erinnerungen. Lustigerweise geht es vielen Leuten so, dass sie im Erwachsenenleben einen Duft aufnehmen und für einen Bruchteil von Sekunden wieder in eine Küche von früher zurück versetzt werden. Diese Erinnerungen hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Und wenn ich auf der Suche nach den Spuren dieser Rezepte bin, macht das unheimlich viel Spaß.

Küchengötter: Gibt es ein Erlebnis, das Dir besonders in Erinnerung geblieben ist und Dich essenstechnisch bis heute geprägt hat?

Nicole Stich: Die Küche meiner Oma. Sie war weder besonders groß, noch besonders gut ausgestattet. Aber wenn ein bestimmtes kulinarisches Highlight zum ersten Mal im Jahr auf den Tisch kam, dann hat die ganze Family gelauert, bis das Essen fertig war. Bei den Zwetschgenknödel haben wir gezählt, wie viele jeder schon hatte und meine Oma hat immer für Nachschub gesorgt.

Küchengötter: Also würdest Du sagen, es geht weniger um den Geschmack, als um dieses ganze Drumherum?

Nicole Stich: In dem Fall ging es tatsächlich auch um den Geschmack. Ich würde sonst was dafür geben die Sachen von meiner Oma noch einmal zu essen. Das sind Gerichte, die ich nie irgendwo besser gegessen habe. Aber das Gesamtpaket, mit der Familie in der Küche zu sein, ist natürlich perfekt.

"Sweets"-Rezepte mit Erinnerungen

Küchengötter: In „Sweets“ verrätst Du, dass Du früher eine Rosinenhasserin warst und heute zu einer Liebhaberin geworden bist (Rezept für Rosinenbrötchen mit Mandelsplittern). Womit konnte man Dich als Kind denn noch jagen?

Nicole Stich: Ich war kein einfacher Esser. Meine Mama hat mich immer als extrem pingelig bezeichnet. Ich habe früher um mehr Sachen einen Bogen gemacht, als ich gegessen habe. Ich habe erst ganz bewusst angefangen mich mit Essen zu beschäftigen, als ich ausgezogen bin. Jetzt denke ich mittlerweile, dass man sich an fast alles gewöhnen kann. Deswegen auch die Rosinen. Rosenkohl hätte ich früher auch um nichts in der Welt angerührt ... mag ich inzwischen auch. Ich glaube, es ist gut, wenn man Kinder beim Kochen miteinbezieht. In dem Moment, in dem ich etwas selbst zubereite, setze ich mich auch anders damit auseinander und entdeckte vielleicht auch, dass es schmeckt.

Küchengötter: Wenn Du sagst, dass Du früher ein schwieriger Esser warst, wann und wie wurde das Kochen dann zu Deiner Leidenschaft?

Nicole Stich: Als ich meine eigene Wohnung hatte, war es eine neue Erfahrung, mich selbst um das Einkaufen und Kochen kümmern zu müssen. Es hat sich bei mir dadurch eine andere Art von Neugierde eingestellt.

Müsli Rezepte
Müsli Orphée aus Nickys Studententagen

Küchengötter: Das „Müsli Orphée“ aus „Sweets“ ist eine Inspiration aus Deiner Studentenzeit. Woher kommen sonst Die Ideen für Deine Rezepte?

Nicole Stich: Meine Ideen kommen von überall her. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht irgendetwas notiere oder eine Kombination sehe. Aber ich bemühe mich immer den Genuss voranzustellen. Ich muss nicht auf Teufel komm raus eine wahnsinnig wilde Kombination haben, sondern etwas, was ich unbedingt wieder machen will.

Küchengötter: Wenn Du Gästen ein „Aaahh!“ und „Ooohh“ entlocken willst, bereitest Du ihnen das Rezept für „Luftikus mit karamellisierten Früchten“ zu. Und wie entlockt man einem eingefleischten Süßigkeiten-Profi wie Dir noch ein „Aaahh!“ und „Ooohh“? 

Nicole Stich: Bei mir geht es eher darum, dass sich jemand Gedanken gemacht hat. Zum Beispiel, wenn man sich einen Käseladen aussucht und den Betreiber fragt, was sein Lieblingskäse ist und er mir dann etwas darüber erzählen kann. Damit kann man mich total begeistern. Das muss weder ausgefallen noch teuer sein.

Küchengötter: Verrätst Du uns, welche Rezepte Deine persönlichen Favoriten aus „Sweets“ sind?

Küchengötter: „Sweets“ bietet himmlische Verführungen für den ganzen Tag – Frühstück, Mittagessen, Teatime, Gartenfest, Dessert und Betthupferl (zum Beispiel Cookies & Cream Pralinen) – zu welcher Tageszeit packt Dich die Lust auf Süßes meistens?

Nicole Stich: Ich habe schon mal gehört, ich hätte einen Saumagen. Bei mir ist es nämlich so: Wenn ich etwas Bodenständiges gegessen habe, brauche ich danach etwas Süßes. Und zwar immer!

Küchengötter: Könntest Du Dich den ganzen Tag nur von Süßigkeiten ernähren?

Nicole Stich: Nein, da wäre genau das Gegenteil der Fall. Ich bräuchte dann etwas Würziges – also diesen Süß-Würzig-Wechsel. Aber ich kann mich auch morgens früh um acht Uhr über die Reste einer Hochzeitstorte hermachen. Kein Problem!

Cookie Pralinen
Betthupferl: Cookies & Cream-Pralinen

Küchengötter: Du hast die Rezepte für „Sweets“ ja auch in Deiner eigenen Küche selbst fotografiert. Wenn Du jetzt die Wahl hättest: Rezepte entwickeln, kochen, Kochbücher schreiben oder fotografieren – was machst Du davon am liebsten?

Nicole Stich: Grundsätzlich finde ich das Gesamtpaket gut. Aber wenn ich jetzt wirklich jeden Einzelpart anschaue, macht mir das Rezeptentwickeln am meisten Spaß. Ich bekomme von Freunden immer schon gesagt, dass ich eine totale Macke habe, weil ich nicht mehr kochen kann, ohne Block und Stift griffbereit zu haben. Bei mir wird jeder Schritt festgehalten. In dem Moment muss ich nicht über Worte nachdenken, nicht über Bilder, nicht über Kontext. Das mach ich am liebsten.

Küchengötter: Welche Tipps würdest Du allen Hobbybäckern gerne mitgeben, die Deine Rezepte nachmachen wollen?

Nicole Stich: Fehler, die bei Hobbyköchen auftauchen, mache ich genauso. Die Tipps kann ich mir also auch geben: Das Rezept lieber immer einmal mehr lesen, damit man nichts überliest. Und vorher checken, ob auch alle Zutaten da sind. Wenn man mit Planung an die Sache ran geht, ist das schon die halbe Miete.

Schnell gefragt, schnell gesagt: Nicole Stichs Küchen-Geheimnisse

  • In meinem Kühlschrank habe ich immer ... Butter, Eier, Sahne, Anchovies, Parmesan und mehrere Sorten Käse. Er ist eigentlich immer zu voll.
  • Auf Vorrat habe ich immer ... viel zu viel.
  • Meine letzte Küchenpanne war ... als ich mit dem Zauberstab-Schneebesen Eiweiß aufschlagen wollte, den Becher für eine Sekunde losgelassen habe und sich das ganze Eiweiß mit Schwung auf meinen Klamotten, dem Küchenboden und der Wand verteilt hat. 
  • Mein Frühstück besteht aus ... entgegen aller Ernährungstipps bin ich jemand, der nicht unbedingt ein Frühstück braucht. Aber wenn ich frühstücke dann Porridge oder Müsli unter der Woche und Waffeln oder Sauerteigbrot von meinem Freund an einem Sonntag.
  • Auf dieses Küchengerät könnte ich nie verzichten ... auf zwei: Zauberstab und KitchenAid.
  • Im Sommer esse ich am liebsten ... eisgekühlte Wassermelone.
  • Wenn mich der Heißhunger packt, esse ich ... das kann auch mal ungesund werden.
  • Zu einem echten Kaffeeklatsch gehören ... Torten und Kuchen in möglichst vielen Variationen.
  • Wenn ich spontan Besuch bekomme, mache ich ... Biskuitrolle oder wenn ich Erdbeeren zuhause habe einen schnellen Erdbeerkuchen. 
  • Mein liebstes klassisches Rezept ist ... (überlegt) ein Rezept, bei dem ich intensiv nachgeforscht habe, wie es klassisch zubereitet wird. Spontan fallen mir da Spaghetti Carbonara ein. 
  • Meine liebste Kreation ist ... Flammkuchen in allen Varianten.
  • Wenn ich mich zwischen Klassiker und Kreation entscheiden müsste, würde ich wählen ... beides!

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